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Konfliktprävention durch Kultur – ein Schlagwort in der Diskussion um die Ausgestaltung der Auswärtigen Kulturpolitik. Es um die Frage, wie die Verhinderung von Konflikten, präziser: die gewaltsame Austragung eines Konfliktes, durch kulturelle Maßnahmen verhindert werden könnte.
Die Voraussetzungen für eine Konfliktprävention durch kulturelle Maßnahmen sind im Nahen und Mittleren Osten nicht gerade ideal. Dennoch hat die Politik, und insbesondere die Auswärtige Kulturpolitik, Möglichkeiten, Interessenausgleiche herbei zu führen und ein der Wahrnehmung der Konfliktparteien angepasstes präventives Handeln zu verfolgen. Deutschland verfolgt eine wertorientierte Auswärtige Kulturpolitik: Demokratieförderung, Verwirklichung der Menschenrechte, nachhaltiges Wirtschaften, Teilhabe am wissenschaftlich-technischen Fortschritt, Armutsbekämpfung und Schutz der natürlichen Ressourcen sind Werte, für die eindeutig Position bezogen wird. Diese Werte sind Bestandteile eines weit gefaßten Kulturbegriffes. Auf der anderen Seite stehen die Konflikte: sie sind normaler, notwendiger Bestandteil menschlichen Handelns und damit eine soziale Realität. Konflikte an sich sind also nicht das eigentliche Problem, sondern deren gewaltsame Austragung. Das Ziel jeder Konfliktbearbeitung, also auch der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik, ist daher die gewaltfreie, nichtmilitärische Austragung, und zwar durch eine Mischung von kulturellem Austausch und Verständigung. Kann eine wertorientierte Auswärtige Kulturpolitik eine solche Arbeit leisten? Oder steht gerade die Wertorientierung dem entgegen? Es besteht die reale Gefahr, dass sich Werte in einem Dialog zunächst auch unversöhnlich gegenüber stehen. Eine präventiv ausgerichtete Auswärtige Kulturpolitik muss daher versuchen, durch ihre Instrumente allen Parteien eines Konfliktes Kapazitäten für eine konstruktive Konfliktbearbeitung bereit zu stellen. Die Unterstützung und Förderung einer demokratischen Medienkultur beispielsweise dürfte hier von großer Bedeutung sein. Auch der Austausch von künstlerischen Projekten und die Förderung kultureller Arbeit im weiteren Sinne sowie die Bereitstellung von Freiräumen, in denen gefahrlos Begegnungen stattfinden können, sind von großem Wert. Hier kommt es darauf an, die Kommunikation aufrecht zu erhalten und sie konstruktiv zu gestalten. Auch das ist mit kulturellen Projekten möglich, denn es geht bei Konflikten, auch und gerade im Nahen Osten, immer auch um Fragen der Identität und Anerkennung. Identitäten drücken sich aber hauptsächlich durch kulturelle Äußerungen aus. Der Bezug auf eine Kultur ist nichts anderes als die Identifikation mit derselben. Wenn Konfliktparteien die Chance haben, die identitätsstiftenden Merkmale der „gegnerischen“ Kultur kennen- und begreifen zu lernen, dann gibt es auch die Chance, sich anders als gewalttätig auseinander zu setzen.
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