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Auswärtiger Ausschuss
13. August 2005
 

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Rede auf dem Senegal-Sommerfest in Maschen
 

Lieber Herr Kulla,
liebe Naturfreunde,
liebe Besucher,

ich möchte mich herzlich für die Einladung zu dem heutigen Senegal-Sommerfest bedanken und ich freue mich, dass der Einladung auch so viele andere gefolgt sind. Der Hamburger Landesverband der Naturfreunde, die das hier alles auf die Beine gestellt haben, ist Initiator eines Projekts in Senegal, wo sie Anfang 2004 in der Nähe von Dakar ein Naturfreundehaus in Betrieb genommen haben. Darüber können sie am heutigen Tag mehr erfahren.

Ich empfehle Ihnen die Fotoausstellung anzuschauen, die Rainer Kulla hier präsentiert. Sie verrät viel Interessantes von der Arbeit der Kulturfreunde. Ihr Haus in Senegal, zu dem ein Umweltbildungszentrum und eine Baumschule gehören, nutzen sie beispielsweise für Kinderfreizeiten, bei denen die Kinder viel über ihre Umwelt, den Schutz der Natur und nachhaltigen Umgang mit ihr lernen. Das finde ich, ist ein ganz besonders hervorzuhebendes Engagement.

Die Naturfreunde setzen sich jedoch nicht nur in Afrika also vor Ort ein, sondern sie sprechen eben auch Menschen in unserer Region an. Natürlich beginnt man erst tatsächlich ein Land dann zu verstehen, wenn man dort gelebt hat, doch das Verständnis für ein Land und das Gefühl für die Menschen und deren Leben dort, gewinnt man beispielsweise auch durch eine Reise dorthin. Das haben sich die Naturfreunde zum Leitgedanken gemacht und bieten deshalb regelmäßig Reisen nach Senegal an. Mir persönlich bringt es ein Land besonders nah, wenn ich die Menschen dort, den ganz normalen Lebensalltag und auch die Probleme kennen lerne – das geht sicher auch einigen von Ihnen so. Mit diesen Kenntnissen kann man sich dann viel besser selbst engagieren, wenn man genau weiß, wofür man sich einsetzt.

Mir liegt die Verknüpfung von Kultur, Bildung, Umweltschutz und Entwicklungshilfe so wie es die Naturfreunde praktizieren besonders am Herzen. Ich bin mir sicher, dass langfristiges und nachhaltiges Denken nicht nur durch einzelne Lernprogramme erreicht wird, in denen vielleicht Computeranwendungen oder andere durchaus sinnvolle Kenntnisse gelehrt werden. Stattdessen ist es äußerst wertvoll, wenn wir dabei helfen können, zu vermitteln, dass der Schutz der eigenen Umwelt, der Natur und der Ressourcen elementar für die Zukunft ist.

Die anhaltende Umweltzerstörung gefährdet besonders in Sub-Sahara-Afrika die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Existenzgrundlage der Menschen. Die Folgen von anhaltenden Rodungen der Wälder und von der Zerstörung einheimischer Tier- und Pflanzenarten sind Hunger, Zusammenbruch von sozialen Strukturen, Migration, Landflucht und im schlimmsten Fall bewaffnete Auseinandersetzungen um die immer knapper werdenden Ressourcen.

Die Sensibilisierung für diese Gefahren ist also oberstes Gebot und deshalb ist auch die Arbeit der Naturfreunde so gut und unterstützenswert.

Wir in der SPD-Bundestagsfraktion haben jüngst in einem Grundsatzpapier festgeschrieben, wie wir Afrikapolitik in den nächsten Jahren aktiv beeinflussen und mitbestimmen wollen. Dazu habe ich Ihnen auch ein kleines Heft mitgebracht, die Sie gern mitnehmen können.

Mit diesem Programm wollen wir eine friedliche und demokratische Entwicklung in Afrika unterstützen. Dafür setzen wir uns natürlich im nationalen Rahmen ein aber eben auch sehr stark innerhalb der Europäischen Union und der Vereinten Nationen.

Wir haben sechs Felder ausgemacht, auf denen wir uns für eine Verbesserung einsetzen wollen.

Erstens: Hier geht es um Friedenssicherung und Konfliktprävention. Stabilität ist die Voraussetzung für alle weitergehenden positiven Entwicklungen. Mit unserem Aktionsplan „Zivile Krisenprävention, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung“ wollen wir die Kooperation mit den afrikanischen Partnern weiterentwickeln. Wir planen beispielsweise so genannte Peacekeeping-Einrichtungen und wollen Schulungen und Ausbildungsmaßnahmen anbieten. Die Afrikanische Union ist der wichtigste Staatenbund den wir unterstützen wollen. Ihm gehören afrikanische 53 Länder an und Senegal ist eines davon. Wir wollen den Aufbau der Sicherheitsorganisation in der Afrikanischen Union mit der Entsendung von militärischen Beratern und Hilfe bei der Logistik unterstützen.

Zweitens: Wir wollen die Zivilgesellschaft unterstützen. Hier geht das Engagement von der Förderung von Frauenorganisationen bis hin zur Überzeugungsarbeit dafür, endlich einen afrikanischen Menschengerichtshof einzurichten.

Drittens: Positive Entwicklungen sind auch immer vom wirtschaftlichen Wachstum abhängig. In der SPD setzen wir uns dafür ein, dass besonders innerhalb der Welthandelsorganisation (WTO) dafür gesorgt wird, dass der Marktzugang für die Entwicklungsländer erweitert wird. Das bedeutet beispielsweise, dass die Subventionen, mit denen Agrarprodukte und Exportgüter in den Industrieländern gestützt werden, reduziert und abgeschafft werden müssen, damit Länder wie Senegal überhaupt eine faire Chance im Handel haben.

Viertens: Wir müssen etwas gegen die Verbreitung von HIV / AIDS tun. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, bei nicht-staatlichen Gebern Geld für den „Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Tuberkolose und Malaria“ einzuwerben. Mit 12 Milliarden US-Dollar könnte AIDS auf der ganzen Welt effektiv bekämpft werden.

Fünftens: Hier geht es um den Umweltschutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen, einen Punkt, den ich bereits angesprochen habe. Wir wollen helfen biologische Vielfalt zu erhalten und zu nutzen. Dabei müssen wir gerade an den internationalen Klimaschutz und die Wasserversorgung denken.

Sechstens und damit letztens: Wir wollen etwas gegen die Armut tun. Die SPD-Bundestagsfraktion will die nationalen und regionalen Armutsbekämfungs-Strategien mit verschiedenen Programmen unterstützen. Willy Brandt hat schon vor über 20 Jahren geschrieben: „Wo Hunger herrscht, kann Friede nicht Bestand haben. Wer den Krieg ächten will, muss auch die Massenarmut bannen.“

Dieses Zitat zeigt, dass der Einsatz für ein Entwicklungsland erst dann Sinn macht, wenn die unterschiedlichen Bereiche zusammen angepackt werden. Das wollen wir in der SPD tun! Alle sechs Punkte die ich aufgezählt habe, ergeben zusammen eine wirkungsvolle Politik für mehr Frieden und Demokratie in den afrikanischen Staaten.

Für diese kann sich jeder einzelne einsetzen, ob nun bei den Naturfreunden oder mit der SPD, ob nun mit Spenden oder mit einer Reise in das Land.

Hauptsache ist: Wir tun was!

Vielen Dank