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Ausschuss für Kultur und Medien
2004
 

Seite 1/1

Auf ein Neues!
Zur Fortsetzung des Dialogs Politik – Wirtschaft - Kultur

Vor zwei Jahren haben wir hier an diesem Ort erstmals Politik, Kultur und Wirtschaft zum Thema Musikwirtschaft zusammengebracht. Bei dieser Gelegenheit haben wir festgestellt, dass es zwischen uns sehr viele Berührungspunkte gibt. Über viele Aspekte haben wir seitdem geredet, einiges haben wir auf den Weg gebracht, aber noch lange nicht alles ausdiskutiert. Deshalb gehen wir jetzt in eine weitere Runde.

Damals wie heute ist die Krise der Musikbranche ein Thema. Es werden immer noch mehr CDs gebrannt als gekauft. Das Problem hat sich sogar noch verschärft. Allein in diesem Jahr sollen 20 Prozent Umsatzrückgang zu vermelden sein. Ein entscheidender Faktor bei diesem Trend ist meiner Meinung nach, dass CDs einfach zu teuer sind - jedenfalls für die große Masse der Musikkonsumenten, und das sind vorwiegend Jugendliche. Unter ihnen befinden sich demzufolge auch die meisten Schwarzbrenner. Nach meiner Erinnerung war das Preis-/Leistungsverhältnis zwischen der Kopie einer Kassette oder eines Tonbandes und dem einer Platte nicht so groß wie heute das zwischen einer CD und einem gebrannten CD-Rohling. Der Tonträgerbranche scheint es hier nicht immer gelungen zu sein, schnell und umfassend genug auf Konsumentenwünsche einzugehen. Vielleicht wird es in Zukunft auch darum gehen, alte Wege schneller zu überdenken und neue Chancen zügiger zu ergreifen – das meine ich nicht als Branchenschelte. Die Musikwirtschaft ist schließlich ein differenziertes Gebilde und ihre Krise hat viele Facetten. Es gibt auch Bereiche, die prima funktionieren und die ganz gut leben. Die legalen Vertriebswege über das Internet oder sogar über das Handy werden bereits ausbaut. Die Technik, die die Verbraucher dazu benötigen, wird immer erschwinglicher, gleichzeitig verbreiten sich die Breitbandtechnologien, die das Herunterladen für den privaten Musikliebhaber wirtschaftlich interessant machen. Der Markt wird sich in diese Richtung weiterentwickeln, da bin ich ziemlich sicher. Die Branche braucht hier neue Formen der Kooperation mit der Elektronikindustrie, Geschäftsmodelle und technische Plattformen eingeschlossen. Diese Diskussion werden wir sicherlich weiter führen müssen. Ebenso wird uns die Frage beschäftigen müssen, wie die Künstlersozialkasse weiter zu entwickeln ist. Ich weiß, dass hier in der Musikindustrie erhebliche Vorbehalte bestehen. Bei der Gestaltung sind allerdings auch wir Kulturpolitiker gefragt – wir wollen, dass dieses Instrument insbesondere für die einkommensschwächeren Künstler weiterexistiert.

Parlament und Regierung, die Politik insgesamt müssen sich immer wieder der Frage stellen, wie und für wen sie zur Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen beitragen können. Seit unserem ersten Dialog haben wir Einiges auf den Weg gebracht. Das Musikexportbüro ist unter tätiger Mithilfe der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Auswärtigen Amt gegründet worden. Wir haben vor einiger Zeit die Besteuerung ausländischer Künstler angepasst, auch wenn es da in der Umsetzung noch das eine oder andere Problem gibt. Der erste Schritt zur Reform des Urheberrechts ist getan, im Moment wird bereits der sogenannte zweite Korb des Urheberrechts verhandelt. Wir diskutieren über die Möglichkeiten der Breitbandtechnologie und die Zukunft von Marktformen und Mehrwertdienstleistungen in der Musikbranche insgesamt.

Und wir befassen uns auch mit dem Nachwuchs. Die Bundesregierung hat 4 Mrd. Euro für den Ausbau des Angebots an und von Ganztagsschulen zur Verfügung gestellt. Hier besteht die große Möglichkeit und Notwendigkeit, die musischen Fächer stärker zu unterrichten und die gewonnene Schulzeit für kulturelle Zwecke zu nutzen. Dabei soll auch die Musik eine wichtige und hervorragende Rolle spielen. Ich finde es naheliegend, dass auch hier die Kooperation zum Thema wird. Denn abgesehen von den pädagogischen Vorteilen eines erweiterten Musikunterrichtes – einschlägige Studien belegen die Förderung von Intelligenz, Konzentrationsfähigkeit wie sozialer Kompetenz – werden hier auch die Musikhörer und Konzertbesucher von morgen mit herangebildet.

Daneben sollte die Aus- und Weiterbildung der Musiker selbst nicht vernachlässigt werden. Das schließt die meiner Meinung nach immer noch zu stromlinienförmige Vermarktung von Künstlern und die Beschränkung der Förderung nur auf die Umsatzbringer mit ein. Auch Musiker, die nicht im Mainstream schwimmen, müssen ihre Chance haben. Sie werden ihre Abnehmer, ihre Fans finden, wenn sie überhaupt zur Kenntnis genommen werden können, weil sich die Vermarktung sich nicht nur auf den Mainstream konzentriert. Kurz, die Differenziertheit, die die heutige Musikszene ausmacht, muss betont und unterstützt werden Nur eine vielfältige Musiklandschaft ist auf Dauer interessant, macht neugierig und sichert den Markt. Vielfalt ist am Ende nicht nur Garant für den Erfolg, sondern sichert auch das große Potential der deutschen Musikkultur. Das gemeinsame Bemühen darum ist wichtige Grundlage für unsere Kooperation.