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Lieber Klaus Staeck,
liebe Kunstfreunde,
ich freue mich, heute hier mit Ihnen in der Zivildienstschule Buchholz zu sein und diese Ausstellung der wunderbaren Arbeiten von Klaus Staeck eröffnen zu können.
Klaus Staeck – dieser Name gilt schon seit mehreren Jahren als Synonym für Plakatkunst in Deutschland. Provokant, originell, amüsant und belebend kritisch sind seine Collagen, die ja eigentlich nur aus unterschiedlichen Augenblicken unserer Alltagswirklichkeit bestehen. Dabei versteht Klaus Staeck es jedoch diese Realität in so einen Zusammenhang zu stellen, dass er damit entlarvt, klar macht, richtig stellt.
Sein Engagement und seine künstlerische Unerbittlichkeit haben ihn zu einer bedeutenden Persönlichkeit der politischen Kultur in Deutschland gemacht. Das Kontroverse seiner Arbeiten hat dabei immer genutzt.
Ich erinnere nur an die unzähligen Versuche seiner Kritiker seine Arbeiten verbieten zu lassen oder auch an den als „Bonner Bildersturm“ bekannt gewordenen Fall, als am 30. März 1976 mehrere Abgeordnete der CDU/CSU in der Parlamentarischen Gesellschaft einige seiner Plakate von den Wänden rissen.
Bei solchen Begebenheiten werden wir daran erinnert, dass es immer wieder Menschen braucht, die die Gesellschaft anmahnt, dass es keine Freiheit ohne Meinungsfreiheit geben kann. Gerade die unabhängige Kunst kann diese Aufgabe besonders gut erfüllen und Klaus Staeck ist jemand, der es versteht das Recht der Kritik wirkungsvoll zu nutzen ohne dabei die Persönlichkeitsrechte zu brechen.
In diesem Zusammenhang fällt mir gleich sein bekanntes Plakat mit dem Titel „Die Gedanken sind frei“ ein. Es gehört zu einem meiner Lieblingsarbeiten von Klaus Staeck und auch Franz Müntefering hat bei einer Ausstellung im Willy Brandt Haus in Berlin gesagt, dass ihm dieses besonders gut gefällt.
Zwei andere Motive, an die ich mich immer wieder gern erinnere ist zum einen das mit dem Titel: „Das sind die Leute, von denen erwartet wird, dass sie unsere Schulden bezahlen“ auf dem lauter Neugeborene zu sehen sind und zum anderen das, auf dem ein Arbeiter mit einem „Die Luft gehört allen“-Schild zu sehen ist, und im Hintergrund ein Industrieller hinzufügt „aber wir bestimmen den Giftgehalt“.
Das sind für mich ganz besondere Beispiele, bei denen Klaus Staeck Kunst, Politik und Gesellschaft in solch treffende Zusammenhänge bringt, dass der Betrachter noch lange nachdenken kann.
Seine Arbeiten machten ihn dabei nicht nur in Deutschland bekannt. Als Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien sowie als Sprecherin der SPD für Auswärtige Kulturpolitik freue ich mich besonders, dass es zwischen Klaus Staeck und dem Goethe-Institut immer wieder zu solch fruchtbarer Zusammenarbeit gekommen ist. Dadurch kamen seine Ausstellungen bereits unter anderem nach Marseille, Paris, Tel Aviv, Brüssel, New York, Chicago, San Francisco, Montreal, Toronto, Buenos Aires oder Amsterdam.
Nun sind die Bilder in Buchholz und diese Ausstellung, die mit „Denken erlaubt“ überschrieben ist, gibt uns nicht nur Einblick in die das Schaffen des Künstlers in vier Jahrzehnten. Sie ist gleichzeitig wunderbares Zeugnis der politischen Entwicklung seit den 70ern und der eine oder die andere wird sich sicher mit Stirnrunzeln oder einem Lächeln an vieles erinnern.
Klaus Staeck hat sich immer gegen Rechtsextremismus engagiert aber auch gegen die allzu große Behaglichkeit der politischen Kaste. Gerade deshalb ist die Zivildienstschule ein besonders guter Platz für die Diskussion mit ihm.
Ich möchte Klaus Staeck danken, dass er seine Arbeiten hier präsentiert und natürlich gilt mein Dank ebenso Wolfgang Pfister, der diese Ausstellung nach Buchholz gebracht hat und ebenfalls ein aktiver Mitstreiter bei der Aktion „Gesicht zeigen“ ist.
Nun wünsche ich uns allen eine anregende Zeit mit den Bildern und viele interessante Gespräche darüber.
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