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Ausschuss für Kultur und Medien
12. August 2005
 

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Rede zur Verleihung des Kunst- und Kulturpreises in Schwarmstedt
Lieber Harry Natuschka,
lieber Björn Gehrs,
liebe Kunstfreunde,

ich freue mich, dass ich bei der heutigen Verleihung des Kunst- und Kulturpreises dabei sein darf. Es ist wirklich ein Erlebnis durch das kleine Museum der mechanischen Musikschätze zu gehen, dass Harry Natuschka so liebevoll angelegt und zusammengetragen hat.

Sein Interesse und sein Engagement liegen aber glücklicherweise nicht, wie das vieler Sammler, im besitzen und archivieren. Nein, Harry Natuschka - und das wird heute auch mit ausgezeichnet – führt mit viel Freude alle Besucher und sogar ganze Reisegruppen seit fünf Jahren durch seine gute Stube, um seine Schätze zu zeigen.

Ob das nun die weltweit einzigen erhaltenen Sinfonion-Zitter, der selbstspielende Flügel, die Schwarzwälder Flöten- und Harfenuhren oder die Singvogelautomaten sind, die man sieht und vor allem hört, dieses Museum gibt den Besuchern die Möglichkeit etwas über die Instrumente und deren Zeit zu erfahren. Da finde ich den Leitsatz „Ihre Ohren werden Augen machen“ wirklich zutreffend.

Die über 50 gesammelten Exponate könnte man auch als die Unterhaltungsmechanik der Zeit bezeichnen, in der sie benutzt wurden. Und selbst wenn sie schon alt sind und unsere heutige Technik viel weiter entwickelt scheint, ist es doch immer wieder faszinierend wie diese kleinen Meisterwerke der Feinmechanikerkunst funktionieren.

Ich finde es ganz wunderbar, dass sich die SPD Schwarmstedt entschlossen hat, mit dem 10. Kunst- und Kulturpreis das Engagement von Harry Natuschka zu ehren. Damit wird hoffentlich noch mehr Interesse für das Museum geweckt, so dass Sie vielleicht bald reguläre Öffnungszeiten brauchen, um den Ansturm der Besucher zu bewältigen. Ich würde es Ihnen wünschen, genau wie ich jedem Bürger, der sich in seiner Freizeit für Kunst und Kultur engagiert, Erfolg wünsche.

Der persönliche Einsatz aus dem eigenen Interesse an der Kunst heraus, ist bewundernswert und jeder, der davon profitiert, sollte dankbar sein, so können wir alle kostenlose Museen und Ausstellungen besuchen, musikalischen Veranstaltungen hören oder Theaterspiele sehen, die nur aufgrund von solchem privatem Einsatz existieren.

Dass es privates Engagement gibt, liegt uns in der Bundeskulturpolitik sehr am Herzen und dafür tun wir einiges. Dabei gibt es zwei wichtige Aspekte, wo wir bereits aktiv geworden sind und wo wir auch in Zukunft noch vieles vorhaben. Erstens setzen wir uns dafür ein, dass es Bürgern, die sich bereits engagieren möglichst leicht gemacht wird. Zweitens wollen wir erreichen, dass sich immer mehr Menschen für Kunst und Kultur interessieren, damit sie sich in Zukunft auch selbst engagieren.

Was machen wir um engagierte Menschen zu unterstützen? In erster Linie geht es hier nicht um die finanzielle Unterstützung dieser Projekte – dafür gibt es ja die öffentlichen Kulturträger –, sondern darum, möglichst gute Rahmenbedingungen für solche Bemühungen zu schaffen.

Nehmen wir beispielsweise das Stiftungsrecht. Die von uns im Jahr 2000 und 2002 durchgeführte Novellierung des Stiftungsrechts hat zu einem regelrechten Stiftungsboom geführt. Unser Ziel war und ist es, eine Stiftungsgründung auch für Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen attraktiv zu machen und ihnen so die Möglichkeit zu geben sich auf diese Art am kulturellen Leben zu beteiligen. Seit es das neue Gesetz gibt, können wir uns über einen jährlichen Zuwachs von rund 1.000 Stiftungsgründungen freuen. Davon können wir 1/3 der Kultur zurechnen. Das besondere ist ja, dass es nun auch Bürgerstiftungen gibt, in denen sich nicht so vermögende Bürger mit kleinen Beiträgen engagieren können. Insgesamt gibt es über 100 solcher Bürgerstiftungen, in Niedersachsen sind es 13.

Viele Menschen sind auch Teil der Laienkultur. Da gibt es beispielsweise die Theater- oder Gesangsvereine, den Spielmannzug oder das Nachwuchsorchester. Es ist wichtig, diese nicht-öffentlichen Kulturträger zu unterstützen und dazu gehört beispielsweise die finanzielle Entlastung. Ein wichtiges Element sehen wir in der Künstlersozialkasse. Mehrere Änderungen, die wir vorgenommen haben, kommen dabei besonders Vereinen zu gute, in denen solche Ensembles oder Gruppen ja oft organisiert sind. Die Abgabepflicht für Chorleiter und Dirigenten von Musik- und Gesangsvereinen wurde beispielsweise gestrichen. Auch fiel bei Honoraren nebenberuflich tätiger Künstler (z.B. an Musikschulen und Volkshochschulen) bis zur Höhe der so genannten steuerfreien Übungsleiterpauschale von 1.840 Euro die Künstlersozialabgabe weg.

Ein weiteres Beispiel für unseren Einsatz in diesem Bereich ist das in der Verantwortung der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (BKJ) durchgeführte Bundesmodellprojekt "Rein ins Leben", bei dem Jugendliche ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur leisten können. Es war ein voller Erfolg und erfuhr von allen Seiten hohe Anerkennung. So wird das bürgerschaftliche Engagement ganz gezielt gefördert.

Außerdem werden jungen Menschen die vielfältigen Möglichkeiten der freiwilligen und ehrenamtlichen Arbeit eröffnet, die oftmals sogar die Grundlage für spätere berufliche Entscheidungen legen.

Dieses Pilotprojekt ist ein gutes Beispiel für den Weg, den ich mir für möglichst viele Bürger wünsche. Zuerst interessiert man sich für Kunst und Kultur, dann beginnt man diese selbst zu praktizieren und dann setzt man sich dafür ein, dass auch andere daran teilhaben können. Ähnlich wird es wohl auch bei unserem heutigen Preisträger gewesen sein.

Den Grundstein für das Interesse und die Beschäftigung mit Kunst und Kultur wollen wir in der SPD schon in der Schule legen. Dafür steht ganz zentral unser Ganztagsschulenprogramm. Bis 2007 stellen wir den Ländern rund 4 Mrd. Euro für die Einrichtung von ca. 10.000 Ganztagschulen zur Verfügung.

Hier können den Kindern vielfältige kulturelle Bildungsangebote gemacht werden, die weit über den üblichen Sport-, Kunst- und Musikunterricht hinausgehen. Kulturelle Praxis gehört in den Schulalltag!

Wenn die Kinder und Jugendlichen nachmittags zu hause sind, sitzen sie viel zu viel vor dem Fernseher und Computer. Dazu gibt es Untersuchungen zum Beispiel von Professor Christian Pfeiffer, der unter anderem hier bei uns im Landkreis Soltau-Fallingbostel gerade eine große Studie darüber macht. Professor Pfeiffer sagt zu viel Computer spielen und Fernsehen macht Kinder „dick, krank, dumm und traurig“. Und das hat nachweisbar negative Auswirkungen auf die Schulleistungen.

Mit unserer Politik für die Ganztagsschulen und allgemein für mehr Bildung und Betreuung verbessern wir also nicht nur die Leistungen der Kinder, sondern können auch das Interesse für Kunst und Kultur fördern. An dieser Stelle kann ich nun den Bogen schlagen, denn genau solche kulturelle Bildung halte ich für eine zwingende Voraussetzung, damit sich in Deutschland auch in einigen Jahren noch möglichst viele Bürger ganz persönlich und in ihrer Freizeit für Kunst und Kultur einsetzen.

Vielen Dank