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Ausschuss für Kultur und Medien
4. Februar 2006
 

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TWINS 2010 Konferenz Dortmund
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie alle zur TWINS-Konferenz herzlich Willkommen heißen.

Ich begrüße ganz herzlich die 250 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Kulturvertreterinnen und Kulturvertreter, die aus den 102 europäischen Partnerstädten des Ruhrgebiets angereist sind und herzlich willkommen natürlich auch den 150 Vertreterinnen und Vertreter aus den entsprechenden 53 Ruhrgebietsstädten.

Besonders begrüßen möchte ich auch die heutigen Ehrengäste:

Das sind Dr. Norbert Lammert (Präsident des Deutschen Bundestages), der auf dem Kongress über die europäische Dimension des Ruhrgebiets sprechen wird.

Herzlich Willkommen auch Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident des Landes NRW, Prof. Olaf Schwencke, Präsident der Deutschen Vereinigung der Europäischen Kulturstiftung und Hubert Schulte-Kemper, Vorstandsvorsitzender der Hypothekenbank in Essen und ungarischer Honorarkonsul (Sponsor).

Ebenso erfreulich ist, dass mit Roger Tropeano der Präsident des wichtigsten europäischen Städtenetzwerkes „Les Rencontres“ für das Projekt „TWINS2010“ auf dem Kongress sprechen wird.

Wichtig zudem, dass mit Dr. Hassemer als weiterem Redner der Brückenschlag zwischen „TWINS2010“ und der Initiative „Europa eine Seele geben“ gelungen ist.

Bemerkenswert, dass die kulturelle Vielfalt Europas bei der Konferenz im Zusammenklang von 17 Sprachen auch akustische Dimension gewinnen wird. Die gesamte Konferenz wird simultan übersetzt in die Sprachen Englisch, Französisch, Türkisch, Polnisch und Russisch und auch in Deutsch.

Selbstverständlich kann diese große europäische Resonanz auf TWINS 2010 als Ermutigung und Unterstützung für die Bewerbung um die Kulturhauptstadt Europas 2010 verstanden werden.

TWINS2010 ist eines von 10 Leitprojekten der Bewerbung Essen im Ruhrgebiet. Kurz etwas mehr darüber.

TWINS 2010 ist ein langfristig angelegtes europäisches Projekt, das im Rahmen der Kulturhauptstadt-Europas-Aktivitäten im Ruhrgebiet in zahlreichen Veranstaltungen und Begegnungen gipfeln wird.
Angesprochen sind die europäischen Partnerstädte des Ruhrgebiets und deren zivilgesellschaftliche Vereinigungen, Künstlerinitiativen etc., die daran interessiert sind, gemeinsam mit hiesigen Bürgervereinen, Geschichtswerkstätten, Chören und Migrantenorganisationen zu konkreten Themen wie Umweltschutz, Wohnen, Migration etc. kulturell zusammen zu arbeiten.

Die dezentralen Projektträger im Ruhrgebiet sollen dabei nicht nur Kooperationspartner sein, sondern auch als Gastgeber und Ratgeber fungieren, um auf diese Weise auf breiter Basis kulturelle Begegnungen und Zusammenarbeit zu ermöglichen. Ziel ist es, ganz im Sinne der Devise „Europa eine Seele geben“ (Jacques Delors), die Städte und Regionen als Träger europäischer Kultur zu gewinnen und in eine nachhaltige europäische Netzwerkbildung einzubinden.

Der Begriff der Kultur ist dabei bewusst weit gefasst. Er beschreibt nicht nur die Zeugnisse des kulturellen Erbes und die Ausdrucksformen der Künste, sondern auch den kommunikativen Zusammenhang interkultureller Begegnung und Kooperation als Voraussetzung für Verständigung, gegenseitigen Respekt und die Übernahme von Verantwortung für ein gemeinsames Projekt.

Ein zentrales Anliegen von TWINS2010 ist es, in guter alter Tradition des Elyseevertrages, dessen vierzigjähriges Bestehen wir ja 2003 feiern durften, Städtepartnerschaften zu intensivieren und damit als Möglichkeit zu nutzen, den bilateralen Kulturaustausch traditioneller Prägung um die Dimension der multilateralen Zusammenarbeit zu ergänzen und zu befruchten.

TWINS2010 versteht sich auch als Chance, die eher 'touristischen' Besuchsprogramme im Rahmen der Städtepartnerschaften und den Messecharakter der Präsentationen kultureller Werke im Kontext der kulturellen Selbstdarstellung im Ausland zu überwinden. Das gibt Impulse für eine Modernisierung der internationalen Kulturarbeit, die Grundlage für Dialog und Verständnis ist.

In Hinblick auf die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas halte ich es für einen guten und genau richtigen Weg zu zeigen, dass Europas drittgrößtes Ballungszentrum zugleich eine dichte und reichhaltige Kulturlandschaft ist. Grundsätzlich ist es eine hervorragende Idee, hierfür auf das bestehende Netz von Städtepartnerschaften zurückzugreifen. Das ist eine große Chance für die Kultur der Städte. Es ist aber auch eine große Chance für eine lebendige Kultur der Städtepartnerschaft. Und es schafft die Möglichkeit, dass Menschen sich begegnen.

In Nordrhein-Westfalen gibt es über 900 Städtepartnerschaften. In meinem eigenen Bundesland Niedersachsen über 670. Die Idee hinter der Erfindung war und ist ein dauerhafter, fruchtbarer Austausch. Das kann beispielsweise die Zusammenarbeit von zwei Theatertruppen sein oder die Kooperation zweier Ausbildungszentren mit komplementären Lehrgängen oder auch der Wissensaustausch der freiwilligen Feuerwehren.

Doch die Chance der Städtepartnerschaft bleibt manchmal ungenutzt. Eine Städtepartnerschaft existiert viel zu oft nur auf dem Papier und dann erschöpft sie sich vielleicht nur im persönlichen Kontakt zweier Bürgermeister oder bleibt auf einmalige Caféfahrten beschränkt. Dazu kommen viele – mit viel Geld subventionierte – städtepartnerschaftliche Aktivitäten, die lediglich dazu dienen, sich zu vergewissern, dass der andere sympathisch ist, dass die Gastfreundschaft groß geschrieben wird. Auch das ist wichtig; es hilft aber nicht wirklich viel beim tief greifenden Abbau von Vorurteilen.

So haben Städtepartnerschaften gerade dann keine Zukunft, wenn sie abseits der gewachsenen Migrationslinien aufgebaut werden. Eine solche Partnerschaft soll eben kein Vertrag zwischen kommunalen Verwaltungen bleiben, sondern soll den direkten Kontakt zwischen den Bürgern beflügeln.

Insofern bin ich froh, dass genau dieser Punkt bei TWINS 2010 im Vordergrund steht: die Partnerschaft der Bürger aus verbundenen Städten, die auf kultureller Ebene, durch Kunst und Kultur zusammen finden. Auf der Basis einer „gewachsenen Infrastruktur der Städtepartnerschaften“ sollen in konkreten Projekten aktuelle gesellschaftliche Probleme bearbeitet werden, um auf diese Weise die Europäer als verantwortliche Mitträger für den kulturellen Einigungsprozess zu gewinnen und Europa als zivilisatorischen Zusammenhang erkennbar werden zu lassen. Genau diesen konzeptionellen Paradigmenwechsel vom Kulturaustausch zur aktiven kulturellen Zusammenarbeit und zu mehr interkulturellem Dialog brauchen wir.

Es freut mich sehr, dass diese ambitionierten europapolitischen Ziele, die sich mit der Bewerbung zur Kulturhauptstadt verbinden, auf so eine überwältigende Resonanz in Europa gestoßen sind.

Gibt es also doch eine Sehnsucht nach Europa, wenn es ein kulturelles, ein kreatives Europa der Bürger ist, und nicht ein bürokratisches?

Ziel dieses Kongresses ist die Verabschiedung einer Kooperationserklärung, auf deren Grundlage die weitere Arbeit sich entfalten soll.

Was sind die nächsten Schritte?

Interessierte Projektmacher aus der Region und den europäischen TWIN-Towns des Ruhrgebiets können sich ab August 2006 in einem TWIN-Forum im Internet präsentieren und zu Partnerschaften verabreden.

Im August 2007 wird ein Europäisches Treffen (Kick-off-Meeting) zu TWINS 2010 im Ruhrgebiet stattfinden, damit die im TWIN-Forum verabredeten Projektpläne konkretisiert und einer Jury vorgestellt werden können. Die besten hundert Projektideen werden von der Jury ausgewählt und aus dem Budget der Kulturhauptstadt mit 2,5 Mio. Euro gefördert. Über zusätzliche Eigenanteile der Projektträger, der beteiligten Kommunen und über europäische Förderprogramme soll insgesamt ein Projektbudget von 5 Mio. Euro für TWINS 2010 mobilisiert werden.

Ich wünsche uns für die heutige Konferenz und natürlich auch dem gesamten Projekt viel Erfolg. TWINS 2010 wird nicht nur dazu führen, dass Europäer zueinander finden, sondern uns obendrein hoffentlich unvergessliche kulturelle Erlebnisse bescheren.

Herzlichen Dank