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Ausschuss für Kultur und Medien
 

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Auswärtige Kulturpolitik

Auswärtige Kulturpolitik - Chance zum Dialog

Die Auswärtige Kulturpolitik in Deutschland steht vor einem Wendepunkt. Die Bundestagsfraktionen der Regierungskoalition haben einen Neubeginn der Diskussion um Grundlagen, Selbstverständnis und Konzepte der Auswärtigen Kulturpolitik begonnen. Im 21. Jahrhundert wird die Rolle des kulturellen Austausches, des interkulturellen Dialogs als Mittel der Aussenpolitik wichtiger werden. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass Auswärtige Kulturpolitik als Politik der Konfliktprävention eine zentrale Rolle spielen wird und spielen muss. Aber was kann und soll die "Dritte Säule der Aussenpolitik" leisten, was können wir erwarten?

Nach Jahrzehnten des Agierens nach mehr oder weniger festgelegten Rahmenbedingungen befindet sich die internationale Politik seit Beginn der neunziger Jahre im Umbruch. Nach dem Fall der Mauer in Berlin und dem Zusammenbruch der sozialistischen Staatenwelt griff eine gewisse Orientierungslosigkeit der Diplomatie um sich. Gefragt war eine Neubestimmung der Prämissen der Aussenpolitik. Seit Antritt der Regierung Schröder/Fischer spielen deshalb die Beachtung der Menschenrechte, Demokratisierung sowie offene und kritische Toleranz und die Bereitschaft zum Dialog bei der Vermittlung der Aussenpolitik und damit auch die Auswärtige Kulturpolitik eine zentrale Rolle.

Kulturen und Dialog

Wir sind also gefordert, die Konzepte und Leitsätze der Auswärtigen Kulturpolitik neu zu definieren. Sie wird und darf nicht länger ein relatives Dornröschendasein fristen. Ihre Bedeutung nimmt zu, ja wird vielleicht so zentral, dass sie in Bereiche vordringt, die bisher der klassischen Aussenpolitik vorbehalten waren. Klassische Diplomatie, Aussenwirtschaftspolitik und internationale Sicherheitspolitik werden sich mehr und mehr auf kulturelle Dialoge einlassen müssen. Vor würfe des Kulturimperialismus, wie sie allenthalben zu hören sind und die vermeintliche Unvereinbarkeit von Universalität der Menschenrechte und Pluralität der Kulturen sollten gar nicht so sehr im Mittelpunkt der Debatte stehen. Es kann auch nicht um eine Orientierung der Kulturpolitik etwa im Sinne Huntingtons gehen, der von dem Zusammenprall der Kulturen in der internationalen Politik ausgeht. Für eine Neubestimmung der Auswärtigen Kulturpolitik muss es um die Schaffung von Dialogstrukturen gehen. Nur der Dialog mit dem Nachbarn, mit dem Fremden, mit Vertretern einer anderen Kultur kann unsere Politik in die Lage versetzen, zu verstehen. Auswärtige Kulturpolitik kann so dazu beitragen, eine Basis für präventive Sicherheitspolitik zu schaffen. Dies muss der Kern aller zukünftigen Kulturpolitik im Ausland sein. Der interkulturelle Dialog, das Tolerieren der eigenen wie der fremden Kultur wirkt Intoleranz und Missverständnissen vor. Dies kann auch ein wirksamer Beitrag zur Friedenserhaltung sein, wenn Prävention versagt hat. Der Diskurs kann dem Abbau von Spannungen und Vorurteilen dienen. Und er kann nur ergebnisoffen sein, sonst ist er sinnentleert.

Internationaler kultureller Dialog, verstanden als Dialog zwischen den kulturellen Werten und Vorstellungen, ist kein Wertrelativismus, sondern kann im besten Fall die Brüche der Globalisierung, wie sie sich in vielfältigen Bereichen bereits abgezeichnet haben, zu mildern. Die Förderung der deutschen Sprache ist dabei nur ein Mittel der Verständigung. Die nach wie vor grosse Nachfrage nach Deutsch als Fremdsprache zeigt das Potential, das Sprache als Transportmedium besitzt. Nur über eine gemeinsam gesprochene Sprache können wir uns verstehen. Sprache fasst Kultur in Worte. Hier liegt die Chance, ein Bild von Deutschland, seiner Kultur, seiner Werte und seiner Vorstellungen zu vermitteln, das nicht mehr auf den Prämissen der Systemgegensätze beruht. Auf der anderen Seite muss unsere Bereitschaft, uns auf andere Sprachen und Kulturen einzulassen, genauso gross sein. So können wir ein ausgewogenes Verhältnis in den internationalen Kulturbeziehungen schaffen, d.h. uns gegenseitig ernst zu nehmen und zu respektieren. Die Erfahrung der eigenen Lebenswelt wird im Zuge der Globalisierung zunehmend als globalpolitischer Faktor betrachtet, birgt aber gleichzeitig die Stärkung für die eigene Identität und den eigenen Rückhalt. Nur wer Wurzeln hat, kann flexibel sein. Die eigene Kultur wird zunehmend als potentiell politisch wahrgenommen. Deshalb wird die Frage nach dem Zusammenleben, der gegenseitigen Akzeptanz, immer mehr ein Thema in den internationalen Beziehungen. Damit werden sich auch Fragen nach Grenzen stellen, die Auswärtige Kulturpolitik zu bedenken hat. Der Kulturwissenschaftler Dieter Kramer schreibt davon, dass es darum gehen muss, wie man im interkulturellen Dialog beispielsweise über Menschenrechte oder "sustainable development" die jeweils andersartigen Symbolwelten kompatibel macht. Denn gerade diese Begriffe werden in anderen Kulturen anders diskutiert.

Unsere Mittlerorganisationen sind dabei nach wie vor das Kernstück der Auswärtigen Kulturpolitik. Sie sind geeignet, kulturelle Dialoge entstehen zu lassen, die auf ein konstruktives Miteinander zielen. Sie haben dabei darauf zu achten, dass kulturelle Unterschiede nicht verwischt, sondern zielgerichtet und sinnvoll als Mittel der Verständigung genutzt werden. In diesem Sinne müssen wir uns für eine Neubestimmung der Auswärtigen Kulturpolitik einige Fragen stellen: Was bedeuten kulturelle Unterschiede in den internationalen Beziehungen? Was können sinnvolle Ziele einer Verständigung sein? Wie sollte der Umgang mit kulturellen Unterschieden gestaltet werden? Von der Beantwortung dieser Fragen hängt es ab, wie in Zukunft die Gestaltung der deutschen Auswärtigen Kulturpolitik gehandhabt wird.

Wirtschaft und internationale Kulturpolitik

Ein anderer Aspekt der Auswärtigen Kulturpolitik ist ihr Verhältnis zur Wirtschaftspolitik und den Akteuren der Wirtschaft. Allenthalben wird ihr die Funktion eines Wegbereiters für die Wirtschaft im Ausland zugeschrieben. Es gibt sicher einige Berechtigung, der deutschen Wirtschaft im Ausland durch Kulturpolitik eine - begrenzte - Partnerschaft anzubieten. Auswärtige Kulturpolitik darf aber nicht zum Instrument wirtschaftlicher Interessen, der Standortsicherung oder Wirtschaftsförderung degradiert werden. Allerdings können Auswärtige Kulturpolitik und Wirtschaft auf gemeinsame Interessen zurückgreifen, die es zum beiderseitigen Vorteil zu nutzen gilt. Die Förderung ausländischer Nachwuchsführungskräfte, der internationale Studenten- und Wissenschaftsaustausch, die konstruktive Kooperation auf zukunftsträchtigen Feldern wie z.B. im Bereich der Neuen Medien und die Förderung von Deutsch als Wirtschaftssprache werden weiterhin eine Rolle in der Zusammenarbeit von Kulturpolitik im Ausland und der Wirtschaft spielen und dabei auch eine Bindung von Akteuren und Multiplikatoren aus anderen Ländern schaffen. Ohne Scheu sollten wir auf deutsche und europäische Unternehmen zugehen und ihnen Kooperation auf den genannten und weiteren Gebieten anbieten.

Akteure der Auswärtigen Kulturpolitik

Die internationale Politik muss sich zunehmend mit neuen Akteuren auf der Weltbühne auseinandersetzen. Dies lässt auch die Auswärtige Kulturpolitik nicht aussen vor. Es ist eine Folge der Globalisierung, dass sich gesellschaftliche Gruppen mehr und mehr in den aussenpolitischen Prozessen engagieren. NGO's werden stärker zu bedeutenden Akteuren der internationalen Politik. Wir haben es nicht mehr nur mit den diplomatisch-intellektuellen Eliten der klassischen Aussenpolitik zu tun. Andere Akteure erscheinen auf der Bildfläche und sollten aktiv eingebunden werden, ehemals monopolistisch auftretende staatliche Ebenen treten in ihrer Bedeutung zurück. Selbstbewusste Kräfte der nichtstaatlichen Ebene sind für uns als Dialogpartner wichtig. Dazu kommt aber auch, dass Kommunen, Regionen, Städte, Unternehmen, Sponsoren und die Kulturindustrie als Ganzes als Akteure die Kraft des Marktes in die internationalen Kulturbeziehungen tragen. Es haben sich eigenständige Handlungsebenen herausgebildet, die als Herausforderung für staatliche Auswärtige Kulturpolitik zu betrachten und konzeptionell in diese einzubinden sind.

Es hat sich ein neues Netz der globalen Zivilgesellschaft herausgebildet, das es zu nutzen gilt. Und ich möchte davor warnen, dass die deutschen Mittlerorganisationen bei diesem Prozess die Netzwerke der Zivilgesellschaft übersehen und ihre politische Kraft unterschätzen. Es ist um Teil schon zu beobachten, dass die Eliten, die an Deutschland interessiert sind, auch ohne die Goethe-Institute auskommen (so eine Beobachtung von Sigrid Löffler) und sich ihre eigenen Kommunikationsstrukturen schaffen. Hier müssen wir flexible Kooperationsstrukturen finden.

Fazit

Der kulturelle Dialog in der internationalen Politik kann seit jeher als "Unterfutter der Diplomatie" (Dieter Kramer) begriffen werden. Das Vertrauen in den Bestand von Verträgen baut auf diesem Mechanismus auf. Als Beispiel wäre der KSZE-Prozess der siebziger Jahre zu nennen. Bei den aktuellen Erscheinungsformen interner Konflikte in Europa und in anderen Teilen der Welt kann das Vertrauen in eine ehrliche Maklerrolle Bedeutung in der Konfliktmediation erlangen. Diese kann aber nur sinnvollerweise wahrgenommen werden, wenn kulturelles Verständnis die Verhandlungen untermauert. Durch frühzeitige Etablierung kultureller Dialoge und Beziehungen besteht eine Chance, Auswärtige Kulturpolitik als präventive Sicherheitspolitik zu verstehen und durchzuführen. Diese Zielvorgaben müssen wir an alle auswärtigen Kulturinstitutionen richten, seien es Goethe-Institute, Deutsche Schulen, Deutsche Welle oder Humboldt-Stiftung. Erste Ansätze sind in der Ausbildung von Konfliktmanagern (Zentrale Friedensdienste) durch das Auswärtige Amt zu sehen. Dabei ist noch mehr Akzent auf die Bedeutung von kulturellem Verstehen zu legen. Auf einer anderen Ebene, der des Anerkennens der kulturellen Unterschiede, haben wir durch die Etablierung von tragfähigen Dialogstrukturen die Chance, der "McDonaldisierung" der Kulturen, einer Gleichmacherei, entgegenzuwirken.