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Ausschuss für Kultur und Medien
 

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Auswärtige Kulturpolitik und internationale Kulturbeziehungen

Die Auswärtige Kulturpolitik (AKP) hat ihren festen Platz in der Außenpolitik der Bundesrepublik. Seit den sechziger Jahren wird sie als die "Dritte Säule" der Außenpolitik bezeichnet. Damit sollte deutlich gemacht werden, dass sie neben der Außenwirtschaftspolitik und der klassischen Diplomatie gleichwertiger Bestandteil der internationalen Beziehungen Deutschlands ist. Nach den Umbrüchen im internationalen System Ende der achtziger/Anfang der neunziger Jahre findet eine Neuorientierung der AKP statt, die sich auf kulturellen Dialog, Wertediskurs und Konfliktprävention richtet. Im Juli 2000 stellte Außenminister Joschka Fischer die neue "Konzeption 2000" der AKP vor. Wesentliche Inhalte dieser Konzeption sind die Vermitlung und Verwirklichung von Menschenrechten und Demokratisierung, der Aufbau von Dialogstrukturen und die Einbeziehung der Zivilgesellschaft. Damit ist die AKP eine langfristig angelegte Politik zur Friedens- und Stabiltiätssicherung.

Die AKP hat also im letzten Jahrzehnt einen Bedeutungszuwachs bekommen, den vorher niemand angenommen hätte. Die Bundesregierung und das Auswärtige Amt haben auf die Veränderungen des internationalen Systems reagiert. Die AKP wird in der Außenpolitik der Bundesrepublik eine wichtigere Rolle spielen, als dass bisher der Fall war. Auch global wird die Rolle der Kultur in den internationalen Beziehungen zunehmend beachtet. Damit finden Akzentverschiebungen in der Außenpolitik statt, die den Veränderungen in einer globalisierten Welt gerechter werden. Mit der Neuausrichtung der deutschen AKP kommen nicht nur Veränderungen bei den Mittlerorganisationen wie Goethe Institut - Inter Nationes oder Deutscher Akademischer Austauschdienst auf die Agenda, sondern auch ein Umdenken aller Beteiligten. Das Jahr 2001 ist das "Jahr des Dialogs zwischen den Zivilisationen", ausgerufen von den Vereinten Nationen. Dieses Jahr bietet die beste Gelegenheit, die dialogisch ausgerichtete Konzeption der Außenpolitik aktiv zu verwirklichen. Wir haben es momentan in der Welt fast ausschließlich mit ethnisch oder religiös motivierten Konflikten zu tun, also mit kulturellen Konfliktfaktoren. Der klassische Konflikt um Land oder Ressourcen findet eigentlich nicht mehr statt. Konflikte um Wasser werden in der Zukunft zunehmen und sich zuspitzen. Aber auch das ist auf kulturelle Konflikte zurückzuführen. Umweltverschmutzung hat auch kulturelle Hintergründe, nämlich die Problematik der Übernahme westlicher Technologien in den Ländern des Südens. In der "Konzeption 2000" werden viele Gedanken aufgenommen, die den internationalen Kulturbeziehungen einen sicherheitspolitisch relevanten, weil präventiven Charakter zuweisen.

Damit wird aufgezeigt, worum es in Zukunft gehen muss: Das Verstehen des Anderen, der Respekt vor anderen kulturellen Eigenarten, Gebräuchen und Sitten, das gegenseitige Geben und Nehmen, also die "Zweibahnstrasse", ist der Weg, der in Zukunft verstärkt in der internationalen Zusammenarbeit gegangen werden muss. Damit wird nicht einem einem kulturellen Relativismus das Wort geredet. Natürlich wollen wir auch Werte transportieren, die sich bei uns bewährt haben. Das gilt sowohl für demokratische Strukturen als auch natürlich für die Beachtung der Menschenrechte. Man kann beispielsweise nicht argumentieren, dass ein anderes Menschenbild eben etwas sei, das kulturell geprägt ist und deshalb per se nicht angreifbar sei. Dies wurde jahrelang mit und in den Wirtschaftswunderländern in Südost- und Nordostasien gemacht. Das waren zum größten Teil Scheinargumente, die nur dazu dienen sollten, das wirtschaftliche Wachstum nicht zu gefährden. Wir müssen verstehen, mit wem wir es zu tun haben, das wir in einen echten Dialog eintreten müssen. Wir müssen bereit sein, den Anderen zu verstehen mit all seinen Motivationen und dürfen erwarten, dass uns die gleiche Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Gegenseitiger Respekt ist der Schlüssel. Nur so kann es gelingen, Konflikte schon frühzeitig zu erkennen und sie zu verhindern und eben nicht erst Polizeieinsätze als Prävention zu begreifen. Unsere Außenpolitik hat diesen Gedanken aufgegriffen und ihn für die Teilbereiche der Auswärtigen Kulturpolitik weiterentwickelt.

Auswärtige Kulturpolitik wird heute ganz anders wahrgenommen als noch vor 10 Jahren. Sie dient darüber hinaus anderen Zwecken als vorher. Wir haben es mit völlig veränderten Wünschen zu tun, was die Adressaten unserer Kulturpolitik angeht. Das gilt vor allem für den Bereich der Neuen Medien. Sie haben eine zunehmende Bedeutung auch in den internationalen Kulturbeziehungen. Deshalb haben wir inzwischen Kulturportale im Internet, wo sich jeder die Informationen über Deutschland herausholen kann, die er benötigt. Die Entwicklung in diesem Bereich bedeutet auch, dass wir über das Deutschlandbild, das wir transportieren wollen, neu nachdenken müssen. Für die Deutsche Welle haben wir damit begonnen. Hier wird in Zukunft das Programmangebot stärker nach Zielgruppen differenziert und auch die Medienwahl (digital, TV, Radio, Internet) danach ausgerichtet. Dies kann aber nur ein erster Schritt sein. Die neuen Technologien haben die Welt der Kommunikation rasant verändert, wobei es nicht nur um die Schnelligkeit dieser Veränderungen geht, sondern auch und vor allem um die Qualität.

Für die Auswärtige Kulturpolitik bedeutet dies, sich über die Zielgruppen dieser Politik Gedanken zu machen. Sicher kann es nicht darum gehen, altbewährte Programme völlig preiszugeben. Vielmehr muss es sinnvolle Ergänzungen geben, die den Zielgruppen und deren "Nutzerverhalten" gerecht werden können. Einem der Grundanliegen der AKP, der Förderung der deutschen Sprache, kann hier besonders gedient werden. Es ergeben sich neue Vertriebswege für Hörfunkprogramme und Sprachkurse, die vorher nicht da waren. Das Goethe-Institut hat beispielsweise in Zusammenarbeit mit Inter Nationes, der Deutschen Welle und dem Auswärtigen Amt einen neuen Multimedia-Sprachkurs entwickelt, der ab diesem Jahr über Fernsehen, Internet und Hörfunk angeboten wird. Das ist ein vielversprechender Weg, die Menschen über neue Wege und neue Zielgruppen zu erreichen. Wenn wir die Menschen über die Sprache gewinnen, haben wir auch eine Anbindung an unser Land und Konstellationen, die die Dialoge erst möglich machen, die wir uns wünschen. So ist das hohe Ansehen, dass die Max-Müller-Bhavans (Goethe Institute) in Indien genießen, ein Ansatzpunkt, überhaupt Vertrauen in Deutschland zu fördern und Menschen für die Green-Card-Initiative zu gewinnen. Ansonsten dominiert in der internationalen Presse das Image der Ausländer verfolgenden Neonazis. Ein Wort zum Haushalt. Die Mittlerorganisationen der Auswärtigen Kulturpolitik haben in den letzten Haushaltsrunden Einschränkungen hinnehmen müssen. Dieser Beitrag ist von allen Ministerien gefordert. Wir haben aber erlebt, dass auch Effizienzsteigerungen erreicht werden konnten. Außerdem sind wir durch die Sparpolitik gefordert, intelligente und innovative Lösungen - wie z.B. die anschauliche Dokumentation, die gerade die Deutschlandhäuser in Frankreich heraus gegeben haben und die zeigt, dass es nicht immer ein Goethe Institut klassischen Typs für erfolgreiche Arbeit braucht - zu finden, die die Ziele der Auswärtigen Kulturpolitik fördern. Dazu brauchen wir die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Die Auswärtige Kulturpolitik ist eigentlich nie ein Feld großer parteipolitischer Auseinandersetzungen gewesen. Diesen breiten Konsens wünsche ich mir auch für die Zukunft. Es kann der Sache nur dienlich sein, vor allem dem Deutschlandbild im Ausland.

Gerade in diesem Punkt haben wir im Moment viel zu leisten. Die Auswärtige Kulturpolitik ist das geeignete Feld dazu. Nirgendwo sonst kommen so viele Menschen mit Deutschland in Berührung. Denken wir an den Austausch von Wissenschaftlern und Studenten, an Konzertreisen, an die Auslandsschulen und an Vorhaben wie das gerade abgelaufene deutsch-indische Festival. Das alles sind unsere Bühnen. Dazu müssen wir aber auch verstärkt die kulturell arbeitenden Gruppen in der Gesellschaft unterstützen. Theater, Musikgruppen, Filmemacher, Autoren und alle anderen, die sich um den Austausch der Kulturen kümmern brauchen einen sicheren Rahmen für ihre Arbeit und die Möglichkeit, auch Einladungen an ausländische Künstler zu verwirklichen. Deshalb fängt Auswärtige Kulturpolitik im Inland an. Beispielsweise müssen wir die Besteuerung ausländischer Künstler reduzieren, damit sie für die deutschen Veranstalter finanzierbar bleiben. Ich rede hier nicht von Michael Jackson oder Luciano Pavarotti. Die kleinen und z.T. gemeinnützigen Veranstalter haben inzwischen Probleme, Künstler aus dem Ausland zu engagieren, weil bis zu 40% der Gage ans Finanzamt gehen. Das ist einem lebendigen Kulturaustausch nicht förderlich.

Wir können auch in Deutschland nicht das "Jahr des Dialogs der Kulturen" begehen, ohne uns über notwendige und wirksame Strukturen und Rahmenbedingungen eines solchen kulturellen Dialoges Gedanken klar zu werden. Wenn dazu Dinge reformiert und neu organisiert werden müssen, so müssen wir das tun. Der Dialog ist die Zukunft der internationalen Beziehungen. Ich meine damit nicht den Dialog an den Konferenztischen. Das funktioniert - meistens. Ich rede von einem Dialog über Werte, Vorstellungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Das ist ein Dialog über Kultur, durch den wir lernen, was der Andere denkt, fühlt und will. Es geht um Bedeutungen. Denn dann ist die AKP Friedenspolitik, Sicherheitspolitik, Sozialpolitik und auch Wirtschaftspolitik. Nehmen wir diese Chancen wahr!