1. Problem: Das Buch als Kulturgut und Wirtschaftsgut
Dieser Doppelcharakter wurde in der Debatte über die
Aufhebung der Buchpreisbindung deutlich. Die Europäische Kommission
will nun die grenzüberschreitende Buchpreisbindung zwischen Deutschland
und Österreich bzw. Schweiz aufheben, weil, so wird argumentiert,
diese Regelung dem Wettbewerb widerspricht.
2. Europäisches Parlament hat dieser Auffassung
der Kommission bereits widersprochen
Das Parlament will das Kulturgut Buch weniger unter
Wettbewerbsrecht behandelt sehen, sondern hat sich vielmehr auf
Artikel 126 Abs. 4 des Maastrichter Vertrages berufen (sog. Kulturartikel)
und stellt die kulturelle Dimension des Buches in den Vordergrund.
3. Kulturräume
Das Buch dient als Kommunikationsmittel einer Sprache. Dadurch
trägt es zur Integration von homogenen Sprachräumen bei und
fördert ebenso die regionale Integration von europäischen Kulturräumen.
Es eignet sich zur grenzüberschreitenden Verbindung solcher
Kulturräume, wie ihn auch der deutschsprachige Raum darstellt.
Der europäische Einigungsgedanke wird durch den kulturellen
Austausch vorangetrieben u.a. eben auch und gerade durch die
Verbreitung von Literatur.
Die grenzüberschreitende Buchpreisbindung ist ein unverzichtbares
Mittel und Instrument europäischer Kulturpolitik, das die europäische
Integration im Sinne einer Vertiefung befördern kann.
Im übrigen ist die Preisbindung von Verlegern, Autoren und
Buchhändlern gleichermaßen als sinnvoll anerkannt.
Die Buchpreisbindung trägt seit über 100 Jahren dazu bei, dass
im deutschsprachigen Kulturraum eine große Titelvielfalt und
flächendeckende Versorgung möglich ist (90 Prozent des Marktes
in Deutschland und Österreich sind von der Preisbindung erfasst).
4. Wirtschaftliche Auswirkung des Wegfalls
Bei Wegfall der Buchpreisbindung könnten kleinere und mittlere
Verlage im Wettbewerb nicht überstehen. (Beispiel England: Es
ist zwar nicht unbedingt das große Massensterben eingetreten,
aber die Bücher sind nicht billiger geworden, sondern in der
Regel hat die Qualität nachgelassen).
Heutige Versorgung mit Buchhandlungen ist so gut, das auch
abgelegene Gebiete erreicht werden. Die "geistige Versorgung"
der Bevölkerung ist gewährleistet. Bei Wegfall der Preisbindung
könnte es zu einem Konzentrationsprozess im Markt kommen, bei
dem sich letztlich nur die großen Ketten durchsetzen (Monopolisierung).
Die Vielfalt der literarischen Versorgung der Bevölkerung mit
"geistigen Tankstellen" (Helmut Schmidt) ist gefährdet. Die
Buchpreisbindung unterstützt kleine und spezialisierte Verlage,
die Arbeitsplätze schaffen und erhalten.