Der Bundestag wolle beschließen:
Die Bundesregierung wird gebeten, bei der Europäischen
Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) darauf hinzuwirken,
daß
- keine Kredite für den Weiterbau der Atomkraftwerke Khmelnitsky
2 (K 2) und Rivne 4 (R 4) vergeben werden;
- die Ukraine beim Aufbau einer effizienten und sicheren Energieversor-gung
ohne Atomkraft unterstützt wird.
Die Bundesregierung wird gebeten, ihr Abstimmungsverhalten
im Rahmen der Beratungen der Europäischen Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung entsprechend auszurichten.
Bonn, den 20. April 1999
Dr. Peter Struck und Fraktion
Kerstin Müller (Köln), Rezzo Schlauch und Fraktion
Begründung
Die beiden Atomkraftwerke K 2 und R 4 würden aufgrund
ihres Sicherheitsstandards in keinem westlichen Land genehmigt werden.
Es ist nicht vertretbar, ein derartiges Sicherheitsrisiko mit westlichen
Finanzhilfen zu fördern.
Die Finanzierung widerspricht auch dem 1995 zwischen
der Ukraine und den G7-Staaten geschlossenen "Memorandum of Understanding",
wonach nur Projekte unterstützt werden, die auch wirtschaftlich
sind. Das ist bei K 2/R 4 nicht der Fall, wie dies schon 1997 eine
unabhängige Expertenkommission im Auftrag der Europäischen Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) festgestellt hat. Diese
Auffassung wurde jetzt in einer neuen Studie von Gutachtern der
Europäischen Investitionsbank (EIB) bestätigt.
Seit dieser Zeit sind die Projektkosten von 1,2
auf 1,87 Mrd. US-$ weiter angestiegen. Außerdem gibt es in der Ukraine
deutliche Überkapazitäten im Strombereich.
Zudem ist mit der Inbetriebnahme der beiden Reaktoren
nicht vor 2004 zu rechnen. Damit entfällt auch die Grundlage für
das von der Regierung der Ukraine aufgebaute Junktim zwischen der
Inbetriebnahme der beiden Reaktoren K 2/R 4 und der Schließung der
Tschernobyl-Reaktoren im Jahr 2000.
Es gibt Alternativen, die sehr viel günstiger sind.
Kraftwerke mit der gleichen Leistung auf Gasbasis liegen bei knapp
1 Mrd. US-$. Sie sind zudem sehr viel schneller zu errichten. Auch
die Bevölkerung in der Ukraine hat sich mit klarer Mehrheit gegen
den Bau von K 2/R 4 ausgesprochen.