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Sonstige Bundespolitik
Samstag, 23. Januar 1999
 

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Rede zur Gentechnik
Juso-Veranstaltung, 23.1.99 in Hannover

Das Thema, zu dem ich hie sprechen soll, ist das Märchen von der grünen Gentechnik und den vielen Arbeitsplätzen, die sie schafft.

Vielleicht zum Hintergrund: wir haben in Niedersachsen in den Jahren 1994, 1995 und 1996 einen sehr intensiven Gentechnik-Dialog gehabt, in dem wir versucht haben, sowohl gesellschaftliche Gruppen, also Verbraucherverbände, Umweltschutzverbände, als auch die Industrie und die Behörden an einen Tisch zu kriegen, um mal diese ganze Undifferenziertheit, die in der gentechnischen Diskussion läuft, ein bißchen aufzulisten und zu gucken, wo gibt es eigentlich Gemeinsamkeiten, wo gibt es eigentlich Konsensmöglichkeiten und wo gibt es Differenzen, wo man sagt, da kommen wir eigentlich nicht überein.

Zusammengefaßt hat dieser Gendialog dazu geführt, daß in der Definition und in der Akzeptanz, ähnlich wie in der Studie, die vor zwei Jahren im FOCUS veröffentlicht worden ist, sich zwei Bereiche herausgeschält haben:

Der eine Bereich ist der medizinische Bereich, wo ein hoher Grad an Akzeptanz an gentechnischen Maßnahmen existiert, also selbst bei Gentechnik-Kritikern, z.B. die Frage, ob man gentechnisch erprobte Krebsmittel nutzen sollte, bis hin zu den traditionellen Medikamente wie Insulin, Mukoviszidosemittel, die heute ausschließlich aus der Gentechnik entwickelt sind. Ich habe gerade noch einmal nachlesen können, daß z.B. das Mukoviszidosemittel der Firma Schering inzwischen 10 % des Umsatzes ausmachen, das ist ein gentechnisch entwickeltes Mittel.

Da stellte sich also heraus, daß es eine große Übereinstimmung im Bereich Medizin gab, aber große Differenzen im Bereich des landwirtschaftlichen Nutzen, im Bereich der Lebensmittel also.

Das führen natürlich die Gentechnik-Befürworter bzw. die Hersteller in der Bundesrepublik vorwiegend auf die mangelnde Aufklärung zurück. Die berufen sich dann auf den Dialog zwischen Herrn Siebeck als Koch und der Nobelpreisträgerin. Die deutschen Spitzenköche haben sich ja mal zusammengeschlossen und gesagt, in unseren Restaurants werden keine gentechnisch veränderten Lebensmittel verarbeitet.

Demgegenüber schreibt dann die Nobelpreisträgerin, Herr Siebeck habe überhaupt keine Ahnung, was Gentechnik bewirken würde und daß es heute eben sehr viele gentechnisch hergestellte Produkte gäbe, die sich in keiner Weise unterscheiden würden von dem, was "traditionelle" Lebensmittel beinhalten.

Da aber heute dieses Forum auch unter dem Aspekt besonders der Arbeitsplatzentwicklung stattfindet, wollte ich jetzt auf diesen wichtigen Punkt eingehen. Ich habe dafür auch noch einmal herausgesucht, wie sich eigentlich die Einschätzung der Entwicklung der Arbeitsplatzzahlen entwickelt hat.

Da gibt es bei der Europäischen Union eine------------------, also eine Beratungsgruppe, die sich mit allen biotechnologischen Verfahren, nicht nur Gentechnik in der Landwirtschaft, sondern auch mit der Medizin und der Umwelttechnologie beschäftigt hat, denn da gibt es ja auch Entwicklungen, Bakterien zu entwickeln, die Öl abbauen usw..

Die haben noch 1991 das Weltmarktvolumen der Gentechnologie für das Jahr 2000 mit rd. 170 Mrd. DM beziffert.

Bereits 3 Jahre später, also 1994, korrigierte die gleiche Gruppe diese Prognose um rd. die Hälfte des Betrages auf 80 Mrd. DM nach unten und die Euphorie des deutschen Forschungsministers, damals war das noch Riesenhuber, der im Oktober 1995 noch von 9 Mio. Arbeitsplätzen innerhalb der EU auf dem Gebiet der Gentechnologie sprach, wurde bereits 1 Jahr später, also im Herbst 1996, durch eine Studie der Pronos-AG - also auch ein Institut, was ja bei der Wirtschaft ja sehr anerkannt ist und nicht infrage gestellt wird - , drastisch heruntergefertigt, denn dort bezifferte die Prognos-AG die möglichen Arbeitsplatzpotentiale in Deutschland für das Jahr 2000 auf maximal 110.000.

Jetzt muß man das natürlich wieder hochrechnen auf Europa, weil ja diese Prognos-Zahl auf Europa ging, aber da Deutschland ja innerhalb Europas mit das bevölkerungsreichste Land ist, kann man sich vorstellen, daß diese 9 Mio. nie und nimmer erreicht werden können und diese Arbeitsplatzargumente überhaupt keine Rolle spielen.

Ich habe nochmal zusammengestellt, was mir bekannt ist. Das mag sicherlich in der letzten Ziffer nicht vollständig zutreffen, aber de facto haben wir heute in der industriellen Produktion und in der Forschung weniger als 30.000 Leute, die im Biotechnologiebereich tätig sind, und man muß sage und schreibe sagen, daß davon alleine rd. 5.000 in irgendeiner Art von Behörde tätig sind.

Das ist sozusagen Kontrolle der Technik, incl. natürlich der Eigenforschung, denn es gibt ja auch staatliche Stellen, die forschen. Beispiel ist z.B. hier in Niedersachsen das Landesamt für Ökologie, eine Begleitforschung eingerichtet. Die zähle ich dazu, aber das sind 2 Leute.

Dann gibt es natürlich auch in Braunschweig das Institut, das z.B. biotechnologische Methoden für Abbau von Bodenbakterien oder Bodenschadstoffe beschäftigt - insgesamt also etwa 5.000 Leute, die irgendeine Art von Genehmigung, Kontrolle, Überwachung, wissenschaftlicher Begleitung etc. durchführen.

Also das heißt, dieser Mythos, der besonders Anfang der 80er Jahre dargestellt wurde, das bringt so unheimlich viele Arbeitsplätze und ist einer der Zukunftsmärkte, ist auch in unserem Gentechnikdialog, den wir in Niedersachsen gemacht haben und der mit einer Diskussion im Oktober 1996 in Lockum abgeschlossen worden ist, ist selbst von dem damaligen Staatssekretär Tacker aus dem Wirtschaftsministerium der sicherlich nicht so bekannt ist, als jemand, der gegen Gentechnologie ist, als zu vernachlässigen eingestuft worden.

Vielleicht das erst einmal als Einstieg, weil das ja ein wichtiger Aspekt war heute für den Kongreß "Was bringt uns in Zukunft Arbeitsplätze". Nichtsdestotrotz denke ich, muß man sehr sorgfältig mit der Diskussion umgehen. Ich glaube, es bringt auch überhaupt nichts, sich heute zu positionieren, wir sind gegen Gentechnik, denn sie ist einfach da. Man muß gucken, wie geht man damit praktisch um.

In der Medizin ist sie ein vollkommen akzeptierter Bereich, in anderen Bereichen, z.B. bei der Waschmittelproduktion sind Enzyme, die fettlöslich sind, auch ein vollständig akzeptierter Bereich. Ich habe noch nie einen Protest bei der Firma Solva in Nienburg gehört, die dort eben Waschmittel mit Enzymen herstellen.

Denn die Enzyme, die dort gentechnisch entwickelt worden sind, haben zum Beispiel das Phosphat ersetzt, haben z.B. dazu geführt, daß die Waschmittelmenge erheblich reduziert werden kann. Alles Dinge, wo man sagen kann, na ja, es ist eine schwierige Geschichte.

Wir haben allerdings auch eine erhebliche Zunahme von Allergien, wir haben aber bislang keinen Zusammenhang in der Forschung zwischen der Frage des Einsatzes von gentechnisch veränderten Enzymen in der Waschmittelherstellung und der Zunahme von Hauptallergien gefunden. Es gibt darüber in der Forschung keinen Konsens, denn es kann ja auch immer einen ganz anderen Grund haben. Also insofern ist das eine sehr schwierige Angelegenheit.

Das zweite Problem ist aber besonders die sogenannte grüne Gentechnologie, d.h., der Einsatz von Gentechnologie in landwirtschaftlicher Produktion. Auch da haben wir ein riesengroßes Problem, daß es eben nämlich auch schon ständig eingesetzt wird.

Alleine in Deutschland, wo eigentlich sozusagen die ganze Diskussion noch um Freisetzungsversuche diskutiert wird und Freisetzungsversuche auch gestoppt worden sind - wir hier in Niedersachsen haben z.B. eine wissenschaftliche Begleituntersuchung gemacht, die festgestellt hat, daß eben gentechnisch veränderte transgene Pflanzen sich auch verteilen, also über diesen Raum, der als Versuchsfeld angelegt worden ist hinaus, trotz Sperrzone und trotz Abschirmung.

Es sind übrigens auch Studien bestätigt worden aus Bayern, aus Rheinland-Pfalz, die ebenfalls solche Begleituntersuchungen gemacht haben, heißt, dieses Problem ist de facto überall vorhanden und wir haben außerdem in Deutschland Produkte auf dem Markt - Sojaprodukte aus herbizidresistenten Sojapflanzen, Maisprodukte aus Insekten, resistentem Mais, wie gesagt, die gentechnisch hergestellten Enzyme, gentechnisch hergestellte Vitamine und Zusatzstoffe. Es werden bislang zwar keine Lebensmittel angeboten, die selbst gentechnisch verändert sind oder gentechnisch veränderte Organismen enthalten, aber bereits diese Frage der Soja- und Maisprodukte hat eine heftige Diskussion ausgelöst und zwar deshalb, weil natürlich in der Forschung und in der Entwicklung dort verstärkt Antibiotika eingepflanzt worden sind, aber eigentlich nicht um diese Resistenz herzustellen, sondern nur als Markergene, um festzustellen, ob das, was man erreichen will, tatsächlich wirkt.

Diese Markergene haben das besondere Problem mit sich gebracht, daß man eben nicht mehr feststellen kann, durch welche Dinge Menschen z.B. mehr und mehr resistent gegen Antibiotika werden.

Wir haben heute etwa 17 Antibiotika im Gebrauch und viele Menschen sind gegen 16 davon schon resistent, d.h., wenn man also zweimal oder dreimal im Jahr irgendeine Krankheit hat, wo man ein Antibiotikum braucht, wird man mit diesem Problem vielleicht auch irgendwann einmal konfrontiert.

Ich hatte gerade den Fall bei mir in der Familie, meine kleine Tochter hatte zweimal hintereinander eine Lungenentzündung. Ich habe gedacht, mein Gott, wenn sie mit 3 schon zweimal Antibiotika nehmen muß und das geht bei einer Lungenentzündung überhaupt nicht anders, dann weiß ich gar nicht, was daraus werden soll. Und das ist die Problematik, die überhaupt noch nicht abschließend erforscht ist.

Ein weiteres Problem, gerade bei der Frage der herbiszidresistenten Pflanzen, ist die Frage anderer Gene, die eingebaut werden, wo eben manche Menschen Allergien entwickelt haben. Ein berühmtes Beispiel: man ist dabei, verschiedene Nußgene bei den Sojapflanzen einzupflanzen, weil die eben offensichtlich besonders gut resistent gegen bestimmte Insekten wirken, und dabei stößt man auf das Problem: es gibt ja etliche Leute, die bspw. gegen Paranüsse eine Allergie haben.

Ja, das sind also die Problembereiche, die in diesem Falle aufzulisten sind, die wir aber überhaupt nicht ausschließen können. Wir können überhaupt in Deutschland nicht ausschließen, daß diese Produkte auf dem Markt sind, denn alleine von den 20.000 Sojafarmern, die es in den USA gibt, benutzen inzwischen schon 8.000 die genveränderten Sojapflanzen. Das ist eine ganz wichtige Information. Und wenn man weiß, das in fast allen Produkten eine Art von Soja drin ist und daß Soja natürlich als Futtermittel importiert wird für unsere Masttiere, dann kann man sich vorstellen, daß das irgendwo immer wieder auftaucht.

Nun hat ja der Bundesrat, auch auf die Initiative von Niedersachsen hin, bereits im März letzten Jahres 1998 eine Initiative für die Kennzeichnung von gentechnisch freien Lebensmitteln durch den Bundesrat gebracht. Das haben wir also auch innerhalb des Bundesrates durchsetzen können, und die Bundesregierung hat sich das damals ja auch auf die Fahne geschrieben, aber es haben all diejenigen, die sich da mit auskennen gesagt, im Prinzip kann man das gar nicht deklarieren, denn man kann in bestimmten Produkten nicht nachweisen, ob da gentechnisch veränderte Substanzen drin sind. Da wo man es nachweisen kann, kann man natürlich auch prima für bestimmte Substanzen diese Deklaration "gentechnikfrei" machen.

Aber es gibt einen Veränderungsprozeß, z.B. bei der Herstellung von Zucker, wo man es nicht nachweisen kann. Und wenn die dann gentechnikfrei draufschreiben, dann heißt das noch lange nicht, daß tatsächlich nicht im Produktionsprozeß schon einmal eine gentechnikveränderte Pflanze oder etwas davon mitverwendet worden ist.

Also insofern ist dieses Label "gentechnikfrei", was ja auch eine Initiative hier in Niedersachsen war, eine ganz komplizierte Sache, dahingehend, daß selbst Biobauern heute durch die Frage des Fluges von transgenen Pflanzen schon fast auch nicht mehr garantieren können, daß das sich nicht irgendwo etwas vermischt hat. Es ist leider so, ich finde das ein ganz großes Problem. Wir haben eine de facto gentechnisch veränderte Landwirtschaft und das wird sich auch weiter entwickeln.

Wir müssen jetzt sehen, wie wir sozusagen umgekehrt eigentlich wieder Landwirtschaft regionalisieren. Das finde ich eigentlich die viel spannendere Frage, nicht zu sagen, wo kriegen wir Futtermitttel aus aller Welt her, sondern das habe ich schon zehn Jahren gesagt, wir müßten im Prinzip einen Futtermittelimport für Sojabohnen machen, damit wir auch wieder eine regionalisierte Landwirtschaft bekommen.

Aber das sind auch eigentlich die Lösungen, über die wir dann nachher diskutieren sollten. Ich möchte vielleicht in diesem Zusammenhang, nachdem ich jetzt erst einmal die Fakten aufgezählt habe, drei Dinge ieren:

Einmal, wir haben in etwa 40 Ländern der Welt überhaupt keine gentechnischen Gesetze, d.h. keine Gesetze, die irgendwelche Vorgaben machen, irgendwelche Kontrollen, wie mit Gentechnik umzugehen ist. Und wir haben in einem noch weit größeren Teil der Länder, wo es zwar Gentechnikgesetze gibt, also wie man überhaupt damit verfährt, wie die Zulassungsverfahren sind und wo es auch Kontrollmöglichkeiten gibt, keine Gesetze, wie z.B. unterschiedlich mit der Veränderung der Keimbahn, also sprich mit menschlichen Veränderungen umzugehen ist.

Bestes Beispiel ist der Forscher der "Dolly" geklont hat, er hat letztens aus Versehen angekündigt, daß er jetzt schon anfangen will, einen Menschen zu klonen.

Dafür gibt es zwar in Deutschland das Embryonenschutzgesetz, das ist hier nicht erlaubt, aber es gibt noch nicht einmal in der Europäischen Union ein einheitliches Gesetz und eine einheitliche Richtlinie, noch dazu ist es sozusagen überhaupt in vielen Ländern der Welt nicht im Bewußtsein angelangt.

Darüber hinaus haben viele andere Länder eben auch noch nicht einmal irgendwelche Vorgaben, wie wir sie haben, hier bei der Gentechnik der Futtermittelzulassung oder eben auch bei den wissenschaftlichen Untersuchungen.

Für mich stellt sich die Frage, wie gehen wir eigentlich mit dem Punkt um, daß es ja auch gentechnisch veränderte Produkte geben kann, die z.B. Gene von Menschen beinhalten, bei welchem Punkt fängt eigentlich der Kannibalismus wieder an? Ist da, wenn z.B. zu 10 oder 20 % gentechnisch veränderte Merkmale aus Menschen in irgend etwas eingesetzt werden, nicht eigentlich wieder das Stadium von Kannibalismus erreicht? Ist dann nicht eigentlich alles das, was wir kulturgeschichtlich erreicht haben, mit diesem Vermischung von allen Ebenen, Pflanzen, Tieren, Menschen wiederr aufgehoben?

Das ist eine Frage, die würde ich schon ganz gerne auch einmal beantwortet haben, ist sie bislang aber nicht.

Ein weiterer Gesichtspunkt, den ich sehe, ist auch die Frage der Aufhebung der Religion, denn in allen Religionen außer dem Christentum gibt es z.B. die Idee der Inkarnation. Wenn man also sozusagen Organismen verändert und zwangsläufig auch irgendwann einmal Menschen verändert, wie wirkt sich das eigentlich z.B. im Hinduismus aus. Es gibt überhaupt keine Grundlage mehr für diese Religion.

Dann ist für mich ein ganz wichtiger Gesichtspunkt die Frage, wenn argumentiert wird, das ist ein wichtiger Arbeitsplatzfaktor, wie kann eigentlich Zukunft der Arbeitsgesellschaft aussehen?

Ich denke, es ist eine Illusion zu glauben, daß man mit Gentechnik oder mit anderen Technologien viele neue Arbeitsplätze gestalten kann, denn sie vernichten eher Arbeitsplätze. Denn wenn ein Farmer oder ein Landwirt gentechnisch veränderte Produkte einsetzt, dann hat er einen höheren Output auf dem gleichen Land. Dadurch braucht man dann eher weniger Leute als mehr, also die Vorstellung daß sozusagen in der konkreten Anwendung neue Arbeitsplätze entstünden, ist falsch. Wenn überhaupt, dann entstehen sie höchstens in der Forschung und das sind eben nicht die Mengen, die ich aufgezeigt habe, in der Anwendung auf keinen Fall, d.h. wir problematisieren das Arbeitsplatzproblem mehr, d.h. die Effizienzrevolution, Effizienzsteigerung in der Produktion wird sich auch in der Nahrungsmittelindustrie noch mehr verstärken und wir haben im Prinzip noch mehr Arbeitslose.

Deshalb ist meine Konsequenz zu sagen, wir müssen endlich eine Debatte beginnen über die Zukunft der Arbeitsgesellschaft, die sich ganz anders ausrichtet und die sagt:

1. Wir brauchen eine Regionalisierung, in dem wir feststellen, die traditionelle Erwerbsarbeit, kann ungefähr nur ein Drittel des Tages bedeuten, ein zweites Drittel des Tages muß sich mit dem, was heute sozusagen ehrenamtliche Arbeit ist, also mit Sozialarbeit, Nachbarschaftshilfe, Kinderbetreuung, Altenbetreuung etc. beschäftigen. Und das muß man in der Gesellschaft dann auch anders werten. Und ein letztes Drittel muß eigentlich zurückkommen zu, ich sage mal dem, was die ursprünglich chinesische Kultur ausgemacht hat, die nämlich mit 28 % der Menschen der Erde nur einen Bruchteil, ich glaube 9 % der Fläche der Erde bewirtschaftet hat, und das hat sie gemacht mit Gartenkultur. Das heißt, sie hat eine regonalisierte Produktion mit einem hohen output vor Ort von all den Produkten, die die Menschen brauchen, und nicht das was wir im Moment machen, eigentlich eine größere Verteilung des Weltmarkts, d.h. wir holen Soja aus den USA und die Baumwolle aus Kasachstan, die Seide aus China, also d.h. eine hohe Spezialisierung der Monokulturentwicklung, müssen wir eigentlich zur Regionalisierung kommen, zu kleineren Kreisläufen und damit eben auch produktive Arbeitsplätze in diesem Bereich haben.

Es kann nicht sein wie es heute ist, daß wir einen Bauern haben mit 70 Hektar, der davon nicht leben kann, sondern nur mit Subventionen aus Brüssel, das ist einfach irrsinnig, wenn man sich das vorstellt. Gleichzeitig besteht die Tendenz dann zu sagen, wenn wir denen keine Subvention mehr geben, dann kriegen wir unsere Nahrungsmittel von JWD und müssen hier dann womöglich Landschaftsgärtner oder so etwas einstellen, damit wir übwerhaupt die Vielfalt von Kulturlandschaft, die wir hier haben und auch Naturlandschaft überhaupt erhalten bleibt. Also die Landwirte würden dann sozusagen dekrediert zu reinen Landschaftspflegern. Das kann es eigentlich nicht sein als Perspektive. Deswegen finde ich, wir müssen anfangen über diesen neuen Begriff von Aufteilung von Arbeit und auch den Begriff der Erwerbsbiographie zu diskutieren, daß nämlich das, was wir ursprünglich an produktiver Arbeit mit 8 Stunden am Tag, 40 Jahre im Leben diskutiert haben, so nicht weitergehen kann.

Vielleicht noch zum Schluß, dann ist ja auch meine Zeit um, die Frage Kolaitionsvereinbarung.

Was haben wir da drin zur Gentechnik? Da ist eine ganze Seite drin. Daß da der Vorrang des Schutzes von Menschen und Umwelt gewährleistet sein muß, daß das weltweite Biosafeprotokoll besser umgesetzt werden muß, daß auch Freilandversuche mit einer Langzeitmonotorik, wie wir es hier in Niedersachsen gemacht haben, begleitet werden müssen, daß die Risiko- und Sicherheitsforschung verstärkt werden muß, gerade die Antibiotikaresistenzen, also das was ich am Anfang erwähnt habe, daß auch die Zuständigkeit für die Genehmigungen, die im Moment beim Robert-Koch-Institut in Berlin liegen, bei den Freisetzungsversuchen überprüft werden muß, daß wir eben auch, und das ist ein ganz wichtiger Punkt, den wir heute noch nicht angesprochen haben, Bürgerinnen und Bürger vor genetischer Diskriminierung schützen müssen.

Es könnte z.B. eine Genomanalyse eingesetzt werden, bei Einstellung oder bei Kranken- und Lebensversicherung. Wenn wir dazu kommen, dann haben wir wirklich eine Zweiklassengesellschaft, das muß verhindert werden, und daß eben auch eine entsprechende Kennzeichnung, wie wir sie immer gefordert haben, für die Verbraucher auch tatsächlich so eingeführt wird, daß die Verbraucher sich auch entscheiden können für eine gentechnikfreie Ware.

Das ist also noch ein bißchen intensiver umschrieben und auch noch umfangreicher. Ich glaube, es ist eine gute Grundlage, auch wenn man weiß, daß innerhalb der SPD da die Meinungen ja sehr auseinandergehen.

Auf der einen Seite werden die Gentechnikforscher mit Preisen bedacht, weil sie nun endlich weitere Gentechnik entwickelt haben und auf der anderen Seite gibt es auch die kritischen Stimmen die sagen, wir haben das alles nicht mehr im Griff und wir können eigentlich nicht verhindern, daß eben die anderen Dinge, siehe England, auch tatsächlich passieren. Ich wünsche mir, wie gesagt, aus dieser Debatte

1. Die realistische Einschätzung, daß Gentechnik nicht der große Arbeitsplatzbringer ist und
2. Daß wir darüber dann auch eine anständige Diskussion über die Zukunft der Arbeit und die Zukunft unserer eigenen Arbeitsaufteilung bekommen und damit dann vielleicht auch ein Stück Chance für die Bereiche, die eigentlich positiv laufen. Ich sage mal so: z.B. biologischer Landbau, was im Prinzip eine regionale Struktur ist, wo man eine Kontrolle darüber hat, was bodenschonend ist und was nicht arbeitsplatzvernichtend ist. Denn man muß sagen, ein ökologischer Betrieb braucht 1,6 Mal so viel Arbeitsplätze wie ein konventioneller Betrieb. Und wenn man den noch mit Gentechnik ergänzt, dann würden eben auch die Arbeitsplatzkräfte noch weniger benötigt, das habe ich jetzt noch nicht ausgerechnet, aber man kann da nochmals 0,2 % abziehen, so daß man dann im Verhältnis 1 : 2 biologischer Betriebsversuch und gentechnisch arbeitender Betrieb steht.

Ja, das vielleicht einmal als Einstieg. Ich habe auch viele Fakten noch mit, also wenn ihr konkrete Fragen habt, kann ich die auch noch beantworten.

Beifall.

Erst einmal noch Fragen aus dem Plenum dann. Also ich habe eine zum Einstieg und zwar, Du sagst, daß man ja ökologischen Landbau fördert, das ist ja in der Gentechnikdiskussion immer als Alternativmodell zur grünen Gentechnik angeboten worden. Und der eine liebt die Argumentation und es ist schon so, daß damit die landwirtschaftlichen Produkte auch teurer werden. Du sagst, 1,6 der Faktor für mehr Arbeitsplätze. Nun wissen wir ja alle, daß Arbeitsplätze auch meistens das Produkt dann deutlich teurer werden lassen und die Bereitschaft, dann teurere Produkte zu kaufen. ist teilweise gegeben, aber längst nicht für alle möglich.

Gäbe es da irgendwie ein konkretes Modell vielleicht auch Gelder umzuschichten. Das ist ja auch eine Sache, denn der landwirtschaftliche Bereich wird ja subventioniert, das wäre für mich ein interessanter Aspekt, wie man dort umschichten kann und eine zweite Sache für mich ist auch die Fragestellung, es fließen jetzt ja in einem, also damals hieß es "Biotechnologie 2000" , Gelder in der Höhe von ca. 300 Mio. jährlich in den Bereich Biotechnologie.

Nun ist Biotechnologie in allen Punkten, in einem Aspekt einmal herauszustreichen, es ist von der Bioproduktion, wo auch Hefe drin vorkommt, also auch ein biotechnologisches Produkt, aber total klassisch, reicht es hin bis unter die Aspekte wie man klassicherweise als Gentechnik kennt, nämlich das zerschnippeln von Genen, also Molikularbiologie, das ist alles zu Biotechnologie zusammengefaßt und man darf es nicht verwechseln.

Gentechnik ist nur ein Teil von Biotechnologie. Wenn jetzt 300 Mio. in Biotechnologie insgesamt reinfließen, frage ich mich schon, welche Gewichtung haben dann solche klassische, modernen Biotechnologieformen wie Gentechnik, und gibt es da nicht eine Möglichkeit der Politik, das zu steuern, also auch ganz klipp und klar sagen, wir wollen keine Programme im Bereich von menschlicher Genomanalyse. Da sind viele Gelder die letzten Jahre hineingeflossen, und wir wollen andere Schwerpunkte mit eben dem Geld, was wir im Forschungsetat staatlicherseits reinbuttern.

So zwei Punkte, einmal wird es nicht teurer und zweitens in die Richtung, kann man mit Förderung für Forschung und Technologie eine Umlenkung der Wirtschaft tatsächlich erreichen?

Einmal zu dem Punkt, wird es nicht teurer.
Also es gibt natürlich inzwischen auch eine Entwicklung in der biologischen Landwirtschaft, die auch bestimmte Produkte gleich teurer macht, wie in der konventionellen Landwirtschaft. Z.B. bei Kartoffeln und Karotten haben wir das schon erreicht. Das hat ein bißchen was mit Größe zu tun, hat mit Vermarktung zu tun, denn warum sind denn biologische Produkte teilweise teurer gewesen, weil der Hof seine selber einzeln vermarkten mußte und nicht in einer Kette, wie die anderen, abliefern konnte. Wenn man da bessere Vermarktungsmechanismen, wie z. B. in eine garantierte Abgabe an Kantinen oder in einen Vermarktungsring, wo dann eben auch gemeinsam verpackt wird, entwickelt, dann kann man dies erheblich reduzieren.

Wie gesagt, bei solchen größeren Produktmengen wie bei Kartoffeln und Möhren ist das schon erreicht. Wo man das sicherlich nicht erreichen kann ist so etwas, ich sage mal ein klassisches Beispiel bei Eiern. Wenn also bei Aldi 10 Eier 1,70 DM kosten und beim Biobauern 3,50 DM, dann wird man das nicht auf 1,70 DM runterkriegen, denn man weiß, daß die Aldieier aus Massentierhaltung kommen, die natürlich mit einer ganz anderen Dichte arbeiten und z.B. eben gerade mit dem Import-Sojafutter arbeiten und das hat dann nichts mehr mit Gentechnik zu tun, sondern das hat dann schlicht mit der Art der Massentierhaltung zu tun.

Das ist dann eine Frage, ob sich die Gesellschaft dann auch mal dagegen entscheidet. Ich bin immer wieder verwundert, wenn mir Leute sagen, sie haben kein Geld, sagen wir einmal 20 Pfennige oder 10 Pfennig mehr für ein Ei auszugeben. Ich essen zum Beispiel nur einmal die Woche Eier, das reicht mir auch. Ich esse dafür dann lieber ein biologisches Ei, ich muß nicht jeden Tag eins haben.

Das ist also eine Frage von Entwicklung. Wenn wir überlegen, daß wir heute in unserem Verbrauch 17 % mehr für Lebensmittel ausgeben, alle anderen Gelder für alles mögliche und relativ auch ein großer Bereich für Freizeit, Auto, für Ferien draufgehen, dann ist es auch ein Stück Frage, können wir dieses auch wieder entwickeln, weil das für unsere Gesellschaft auch eine notwendige Geschichte ist.

Das ist auch nicht nur eine Frage ob man es kann oder nicht. Ja, wir geben nur 17 % unseres Haushaltseinkommens für Lebensmittel aus. So, das ist der eine Punkt. Aber natürlich hast Du recht, daß die Umsetzung von Geldern dringend erforderlich ist, das versucht ja auch dieser Prozeß Agenda 2000 jetzt nicht mehr sozusagen die Produkte einzukaufen und zu sagen, wir wollen eine Flächenbindung machen, das ist auch etwas was wir hier in Niedersachsen entwickelt haben und was Funke in der Agrardebatte in der Europäischen Präsidentschaft, die wir jetzt im Moment haben im ersten Halbjahr auch tatsächlich einzubringen, nämlich zu sagen, wir wollen, daß zum Beispiel Subventionen gebunden bleiben an die Grünlandfläche. Ein Punkt, was ja unglaublich viele Landwirte machen, ist daß sie ihre Grünlandflächen umbrechen und dann Ackerland daraus machen und dann eben Massenprodukte, die dann eben einen besseren Preis haben, drauf abstellen und die werden dann in Lager gepackt.

Also da ist ein ganz entscheidender Punkt zu sagen, da muß das Geld umgelenkt werden. Ein weiterer Punkt wo es umgelenkt werden muß, ist, daß natürlich die Pflege von Kulturlandschaft als ein Aspekt mitbezahlt werden muß, nämlich die Vorstellung, daß wir sagen, ja gut, die Landwirte können nicht so billig produzieren, wie zum Beispiel ein Landwirt in Korea, bringt uns dazu, daß wir hier gar keine Landwirtschaft mehr machen, sondern nur noch Futtermittel importieren und auch Lebensmittel importieren, weil das wo anders billiger hergestellt wird. Das ist ja eigentlich eine schauerliche Vorstellung. Keiner kann sich das so recht vorstellen.

Jeder stellt sich Deutschland mit einer intakten Landwirtschaft vor. Die Konsequenz, wenn man es rein marktwirtschaftlich betrachtet ist aber so. Also muß man sagen, wir müssen auch für Pflege von Natur oder für Landschaft Geld ausgeben. Ein Landwirt bekommt sozusagen die Kombination aus Geld für seine Lebensmittel und Geld für die Erhaltung der Landschaft.