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Berlin Stadtinfos
 

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Die Geschichte des Reichstagsgebäudes

Ludwig Bohnstedt hieß der Sieger des Reichstagswettbewerbs. Doch sein Entwurf verschwand in den Schubladen - die Zeit war noch nicht reif. 10 Jahre später, 1882, wurde ein 2. Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Sieger Paul Wallot hieß. Auch er musste einige Querelen mit Kaiser und Behörden durchstehen, bis der Bau 1894 eingeweiht wurde. 1884 begonnen, fiel die endgültige Entscheidung für die Fassadengestaltung erst 1886, und noch 1890, als die inneren Stützmauern bereits standen, musste nach dem Willen Wilhelms II. eine neue Kuppel entworfen werden. Heraus kam schließlich eine Vierflügelanlage mit zwei Innenhöfen und dem Plenarsaal im Zentrum. Die Hauptfront zeigt nach Westen, weg vom Stadtzentrum. Interessant das Schicksal der Giebel-Inschrift. Bei der Schlusssteinlegung fehlte sie noch, da der Wortlaut, "Dem Deutschen Volke", dem Kaiser aus offensichtlicher Distanz zum Parlamentarismus unwillkommen war. Er hätte dem Schriftzug "Der Deutschen Einigkeit" den Vorzug gegeben. Erst im Jahre 1916, mitten im 1. Weltkrieg, wurde sie - entworfen von Peter Behrens - mit der Zustimmung des Kaisers angebracht, der in politisch schwieriger Lage dem Parlament Entgegenkommen bezeigen wollte.

Beim Reichstagsbrand am 28.2.1933 wurde die Inneneinrichtung, v.a. der Plenarsaal, teilweise zerstört. Wenigstens blieb dem Reichstag durch den Brand erspart, zum Ort der Verabschiedung des "Ermächtigungsgesetzes" zu werden. Mit der Annahme dieses Gesetzes am 23. März 1933 entmachteten sich die verbliebenen Parlamentarier selbst. Lediglich die SPD stimmte gegen das Gesetz. Die Abstimmung fand in der dem Reichstag gegenüberliegenden Kroll-Oper statt. In den letzten Kriegstagen erlitt der Reichstag schweren Schaden und brannte erneut aus, die Kuppel wurde aus Sicherheitsgründen gesprengt.

Nach langen Diskussionen über eine zukünftige Nutzung erhielt der Bau 1961-72 nach Plänen von Paul Baumgarten ein nüchtern-sachliches Innenleben, der Plenarsaal blieb ein Provisorium. Nach der Entscheidung für Berlin als Regierungssitz wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, den Sir Norman Foster gewann.

Verwirklicht wird allerdings ein Entwurf, der mit dem prämierten nichts mehr zu tun hat - wiederum von Sir Norman Foster. Der Innenraum wurde vollständig entkernt, der wieder zentral angelegte Plenarsaal wird nun von einer gestreckten Glaskuppel auf rundem Grundriss überwölbt, die über Rampen begehbar ist. Der Bundestag eröffnete im April 1999 den umgebauten Reichstag mit einer Sitzung. Am 23. Mai 1999 wählte die Bundesversammlung dort den neuen Bundespräsidenten. Im September 1999 verlegte der Bundestag seinen Sitz endgültig nach Berlin.