Anrede
Dieser dritte periodische Bericht ist der erste
Bericht nach der Vereinigung Deutschlands im Jahre 1990. Die UNO
hat eine international einmalige Situation vorgefunden.
Und - obwohl ich nicht alles teile, was der Bericht
aufführt, muß doch klar sein, daß viele der angemerkten Punkte die
alte Bundesregierung zu verantworten hat. Wir sind angetreten, diese
Mißstände zu beseitigen.
Beispiel Arbeitslosigkeit besonders von Frauen
und Jugendlichen:
Dafür haben wir ein extra-Programm für Jugendliche gemacht (2 Milliarden,
64. 000 bereits angeboten, 6000 angenommen, 42% Frauen). Dafür haben
wir den Aktionsplan "Frau und Beruf".
Beispiel Kultur:
Wir haben einen Kulturstaatsminister - das gab es noch nie - und
einen neuen Kulturausschuß und wir haben die Mittel aufgestockt,
und zwar gerade für die neuen Länder und Berlin (60 und 120 Millionen).
Beispiel Rechte von nicht so Reichen und Kranken:
Wir haben die Zuzahlung von Medikamenten reduziert, wir haben die
Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wieder eingeführt und wir haben
den Kündigungsschutz wieder verbessert.
Ein weiterer, aber nicht unwichtiger Punkt: wir
haben einen Ausschuß für Menschenrechte eingerichtet.
Sie sehen: wir sind dabei, die Mißstände zu beseitigen;
die bis jetzt angegangenen Projekte sprechen eine deutliche Sprache.
Für die Verwirklichung der angesprochenen Rechte
muß man dennoch realistischerweise sagen, daß sie bei aller Anstrengung
nicht immer und nicht immer sofort umgesetzt werden können. Wir
stehen ja vor der Situation, daß die volle Integration von Ost und
West - besonders in den Köpfen - noch nicht gelungen ist , und dies
mag dann auch der Implementierung des Paktes über die wirtschaftlichen,
sozialen und kulturellen Rechte einige Steine in den Weg legen.
Diese Steine werden wir aus dem Weg räumen.
Ich will gerne zugeben, daß bisher sicherlich
Dinge schiefgelaufen sind; auch in der Sache der öffentlichen Angestellten
der ehemaligen DDR, die ja wohl für die PDS der Anlaß dieser aktuellen
Stunde war. Nur lassen Sie mich eines deutlich sagen:
Zu dieser Situation hat die Politik der alten Regierung
geführt. Alle Maßnahmen, die zu den bemängelten Zuständen geführt
haben, sind in der Verantwortung der alten Koalition zu suchen.
Ich hätte mir auch in dem einen oder anderen Falle
eine sensiblere und mortivierendere Umgangsweise gewünscht, besonders
mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Einrichtungen, die abgewickelt
worden sind. Allerdings enthält der Bericht auch nicht die Tatsache,
daß alleine 12.500 Wissenschaftler in außeriuniversitären Einrichtung
Beschäftigung gefunden haben.
Wir brauchen allerdings auch eine andere Offensive,
nämlich die Trennung zwischen Ost und West in unseren Köpfen zu
überwinden und dabei werden Bildung und Kultur eine besondere Funktion
haben. Und vielleicht hilft es ja auch, wenn der Dt. Bundestag in
Berlin ist, direkter am Geschehen und an den zwei Kulturen, damit
die Brücke in den Köpfen gebaut wird.
Sie sehen, wir werden hier Abhilfe schaffen und
dafür sorgen, daß der nächste Bericht des UNO-Ausschusses für wirtschaftliche,
soziale und kulturelle Rechte nicht so ausfällt, wie er es dieses
Mal getan hat.
Ich sehe das als eine gesamtgesellschaftliche
Aufgabe an und gehe daher davon aus, daß uns auch die Opposition
bei den anstehenden Aufgaben unterstützt. Sie können alle an dem
hier debattierten Bericht und der daraus folgenden Aktuellen Stunde
sehen, welche Wirkung die Vereinten Nationen doch noch entfalten
können. Lassen Sie uns dieses bedenken.
Deshalb werden wir mit der UNO einen intensiven
Kontakt aufbauen, schließlich haben wir auch einen Unterausschuß
für die Vereinten Nationen des Auswärtigen Ausschusses eingerichtet,
der sich in zwei Wochen konstituieren wird.
Ich danke Ihnen.