Verehrter Herr Botschafter,
sehr geehrter Herr Botschaftsrat,
meine Damen und Herren,
ich danke Ihnen für die Möglichkeit, heute abend
anläßlich der Ausstellung "Zeitspiel" ein paar Bemerkungen machen
zu können.
Ich möchte die Ratspräsidentschaft Schwedens zum
Anlass nehmen, über Kultur und Kulturpolitik in Europa zu sprechen.
Ich habe eine besondere Beziehung zu Ihrem Land, da ich mich mindestens
zweimal im Jahr dort aufhalte, um mit darüber zu entscheiden, wer
den sogenannten Alternativen Nobelpreis erhalten wird.
Ich bin jedes Jahr überrascht und erfreut, welche
Ideen, Initiativen und welcher persönliche Einsatz von Menschen
möglich sind, um uns allen Möglichkeiten zu einer besseren, verträglicheren
Lebensführung aufzuzeigen. Das hat viel mit Kultur zu tun, und Schweden
hat sich hier grosse Verdienste erworben, weil es dieses Ereignis
jedes Jahr unterstützt.
In Europa gibt es in der Kulturpolitik noch viel
zu tun. Meine Fraktion hat beispielsweise vorgeschlagen, die Kultur
als integralen Bestandteil der "Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik"
zu etablieren und darüber hinaus EU-weit zu einer konsistenten Kulturpolitik
zu kommen. Das diesjährige "Jahr der Sprachen" in Europa und das
"Jahr des Dialogs zwischen den Kulturen" der Vereinten Nationen
sind Anlass genug, darüber zu debattieren.
Wir sind bemüht, mehr und mehr Dialogstrukturen
in der Auswärtigen Kulturpolitik zu schaffen und so die sogenannte
Zivilgesellschaft zu einer neuen Basis kulturpolitischer Maßnahmen
zu machen. Dazu soll auch ein verstärkter Austausch von Künstlern
aller Sparten kommen; Ihre Ausstellung heute abend ist ein Beispiel
dafür, wie wir uns über das Kunstschaffen in anderen Ländern informieren
und darüber ins Gespräch kommen können.
Ich freue mich deshalb über Ihre Einladung, da
sie mir die Möglichkeit bietet, als Kulturpolitikerin mich mit der
Kunst und den Künstlern, um die es ja schließlich geht, auseinanderzusetzen.
In unserem täglichen Betrieb im Parlament nicht immer einfach!
Aber ich möchte noch weiter gehen und hier dafür
werben, den Dialog nicht abreissen zu lassen und gegenseitiges Interesse
für unsere Gesellschaften und ihre "Produkte" zu zeigen. Ich glaube,
dass wir nur über den Dialog und über den Austausch kreativer Ideen
es erreichen können, nicht nur uns besser kennenzulernen, sondern
ich hege die Hoffnung, dass ein kultureller Dialog dazu beiträgt,
die Welt friedlicher zu machen.
Nun haben wir zwischen Schweden und Deutschland
nicht gerade einen kriegerischen Zustand, aber dennoch glaube ich,
dass es auch in unserem Verhältnis immer noch Vorurteile und Missverständnisse
gibt, die wir auch über die Auseinandersetzung mit Kunst beseitigen
können. Es ist doch interessant zu sehen, wie bestimmte Themen in
Deutschland und in Schweden künstlerisch verarbeitet werden. Da
kann man viel voneinander lernen.
In diesem Sinne wünsche ich der Ausstellung und
natürlich den Künstlern viel Erfolg. Ihnen allen wünsche ich einen
schönen Abend. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.