Sehr geehrte Damen und Herren,
Die Schauspielerin Barbara Sukowa, die in New York
lebt, erzählte einmal, wie ihr Mann, ein amerikanischer Maler, bemerkte:
"Make sure you don't take part in anything which has "Third" in
the title". Er bezog sich auf eine Veranstaltung zur Auswärtigen
Kulturpolitik als "Dritte Säule" der Außenpolitik, zu der wir sie
eingeladen hatten und die eben in Deutschland stattfand!!
Ich finde, dies zeigt mehr als deutlich und es
spricht für sich, wie wir immer noch wahrgenommen werden. Das ist
natürlich nur ein Ausschnitt, aber er ist bemerkenswert genug. Wir
haben also in dieser Richtung offenbar noch etwas zu tun. Diese
Bemerkung kam eben nicht von einem Vertreter der "Hohen Politik"
sondern gerade von jemanden, der einen Teil der sog. Zivilgesellschaft
vertritt, die wir gewinnen und einbeziehen wollen.
Mit diesen und anderen Konflikten müssen wir uns
in der AKP auseinandersetzen, im Inneren wie im Äußeren.
Die Konfliktlage in der Welt hat sich gewandelt.
Selbst Konflikte um Ressourcen wie Wasser können zum Teil auf kulturelle
Faktoren zurückgeführt werden. Wir stehen deshalb vor der Herausforderung,
neue Ansätze in der Konfliktprävention und Konfliktbewältigung zu
finden. Hier hat die AKP ihre Bedeutung als Moderatorin der Außenpolitik,
sie erfüllt dabei Aufgaben, die nur sie originär erfüllen kann.
Wir haben deshalb drei große Ziele in der Auswärtigen
Kulturpolitik:
1. Deutschland soll in der Welt als weltoffenes, tolerantes Land
präsentiert werden
2. Über die Vermittlung der deutschen Sprache wollen wir, dass Menschen
an unser Land gebunden werden. Die Förderung der deutschen Sprache
ist und bleibt ein zentrales Anliegen unserer AKP. International
wollen wir sie als zweite Fremdsprache etablieren.
3. Um diese beiden Ziele sinnvoll zu erreichen, müssen wir Dialogstrukturen
in den internationalen Kulturbeziehungen aufbauen. Diese dienen
als "Konfliktvermeidungssystem" der Außenpolitik und bieten gleichzeitig
die Chance, die AKP stärker als eigenständige Teilpolitik zu etablieren
und in die allgemeine Außenpolitik zu integrieren.
Dialog als Konfliktvermeidungsstrategie
Das Modell der Zweibahnstrasse ist die Grundkonstruktion
der neuen AKP 2000. Es bedeutet, dass um eine Politik des Gebens
und Nehmens geht. Die Vielfalt der Kulturen ist dabei die Basis
der Politik. Um den Dialog vorwärts zu bringen, müssen wir uns um
die stärkere Einbeziehung der zivilgesellschaftlichen Gruppen kümmern.
Auf dieser Ebene können Kontakte viel unmittelbarer geknüpft und
gepflegt werden. Sie dienen als "Türöffner" für die Politik. Das
bedeutet z.B. auch die vermehrte Aufnahme von Künstlerinnen und
Künstlern in offizielle Regierungsdelegationen. Diese Menschen haben
naturgemäß ganz andere Kontakte und Herangehensweisen als Diplomaten
und Politiker. Dieses Potential sollten wir im gegenseitigem Einvernehmen
nutzen.
Die Kommunen und Gebietskörperschaften haben auf
diesem Gebiet bereits viel gute Arbeit geleistet. Der Sport- und
Kulturaustausch und die Städtepartnerschaften haben in den letzten
Jahrzehnten bereits viele dieser Kontakte der unteren Ebene hergestellt
und damit viel zum gegenseitigen Verständnis zwischen den Kulturen
und Regionen beigetragen. Die Bundespolitik kann hier noch mehr
unterstützend und fördernd tätig werden.
Ein wichtiger Punkt zur Verstärkung des Dialogs
ist der Austausch auf künstlerischer Ebene. Wir haben inzwischen
das Problem, dass viele kleine, zum Teil gemeinnützige, Kulturveranstalter
keine ausländischen Künstler mehr einladen können, weil ca. 40%
der Gage an das Finanzamt abgeführt werden müssen. Diese Besteuerung
ausländischer Künstler verhindert geradezu den Kulturaustausch und
deshalb wollen wir sie reformieren (Vorschläge nennen!).
Ein Beispiel für die Notwendigkeit von Dialog ist
der Iran. Nicht nur, das beispielsweise deutsche Schriftsteller
und Theater zum Teil begeistert aufgenommen und ins Persische übersetzt
werden. Auch das Goethe Institut hat, als es noch in Teheran arbeitete,
Glanzpunkte der deutsch-iranischen Beziehungen gesetzt. Die "10
Nächte der Poesie" vor über 20 Jahren sind bis heute in bester Erinnerung.
Darauf berufen sich viele Intellektuelle und Künstler im Iran und
beschreiben auch die Arbeit der deutschen Sprachinstituts in Teheran
als unbedingt notwendig für die Förderung der Dialogs. In einem
politischen System wie dem Iran wird besonders deutlich, was Auswärtige
Kulturpolitik im Sinne der Förderung von Demokratisierung und Menschenrechten
zu leisten vermag:
Houschang Golschiri, der kürzlich verstorbene iranische
Schriftsteller, sagte: " Die heutige iranische Gesellschaft ist
kompliziert und widersprüchlich. Deshalb können Kulturbeziehungen
mit dieser Gesellschaft nur über uns Kulturschaffende funktionieren."
Dieses Zitat macht uns klar, dass in der Tat die
Kulturschaffenden, sofern sie nicht staatlicher Propaganda dienen,
für uns und unsere Kulturpolitik die vornehmlichen Ansprechpartner
sind. Sie sind die Multiplikatoren, weil ihre Werke gesehen, gelesen
und gehört werden.
Weitere Elemente, die zum Aufbau bzw. zur Verstärkung
von Dialogstrukturen dienen, sind:
1. Kommunalisierung der AKP
2. Förderung der neuen Krisenpräventionsarbeit der Regierung bzw.
des AA
3. Ausbau des ifa zu einer zentralen Einrichtung der Koordination
und Kooperation in der kulturellen Krisenprävention
Mittlerorganisationen
Die Staatsferne unserer internationalen Kulturarbeit
hat sich bewährt. Sie macht die hervorragende Arbeit der Mittler
möglich und sollte uns Verpflichtung sein.
Ich möchte nur zwei Beispiele dieser Arbeit erwähnen:
· GIIN als Vermittler im Ausland
· Haus der Kulturen der Welt als "die" Einrichtung für Austausch
im Inland
Die Deutsche Welle spielt in diesem Zusammenhang
eine wichtige Rolle. Sie ist unser mediales Fenster in die Welt.
Fernsehen und Internet sind hervorragend geeignete Medien zur Darstellung
unserer Kultur und zur Unterstützung des Dialogs mit anderen Kulturen.
Um diese Aufgaben zu erfüllen, werden wir uns an
eine Reform des Programmauftrages der Deutschen Welle heran wagen
müssen. Die alleinige Repräsentation Deutschlands ist nicht mehr
zeitgemäß.
Die Deutsche Welle hat unverzichtbare Arbeit in
der Krisenbewältigung auf dem Balkan geleistet. Das Instrument des
Krisenradios müssen wir weiterentwickeln und ausbauen.
Ein weiterer Baustein der internationalen Kulturbeziehungen
sind die Auslandsschulen (Anteil Budget auswärtige Kulturpolitik:
ca. 1/3=ca. 340 Millionen DM). Auch sie stehen vor Umstrukturierungen,
vor allem durch die stärkere Einbeziehung von Ortskräften und der
Übertragung der Schulträgerschaften. Damit tragen sie einen erheblichen
Anteil an den Einsparmaßnahmen.
Um die Arbeit, die die deutschen Auslandsschulen
leisten, weiter gewährleisten zu können, müssen wir tendenziell
vermehrt auf die Einrichtung von "Euro Camps" hinwirken. Es gibt
in Manila und Shanghai bereits funktionierende Beispiele für diese
Form der Schularbeit.
Dennoch müssen wir, nicht zuletzt wegen der Konsolidierung
des Bundeshaushaltes, neue, innovative Formen der Politikdurchführung
finden:
1. Effizienzsteigerung durch Verwaltungsreformen (Fusion Goethe-InterNationes
als erste große Maßnahme in dieser Richtung)
2. Public-Private-Partnerships in der AKP (der FDP den Wind aus
den Segeln nehmen!!)
Innenpolitische Dimension der AKP
Die große Aufgabe der AKP im Inland ist der Abbau
von Vorurteilen. Dies ist für unsere Glaubwürdigkeit im Ausland
unabdingbar. Die Basis für die Kulturarbeit im Ausland muss hier
gelegt werden. Das hat auch viel mit unserem Selbstverständnis zu
tun. Immer noch werden im Ausland ganz bestimmte Klischees mit Deutschland
verbunden. Die Berichte über neonazistische Gewalt in der letzten
Zeit verstärken dieses Bild noch. Sie werden mit unserer Vergangenheit
in einen direkten Zusammenhang gebracht.
Hier noch: Hinweis auf Jugendmusikarbeit/Jugendorchester
als präventive Maßnahmen im Inland?
Haushalt
· Budgetierung
· Flexibilisierung
Regionalisierung, Globalisierung
Die deutsche AKP sollte kulturelle Vielfalt als
Teil europäischer Identität repräsentieren und so das zivilisatorische
Integrationsprojekt in Europa vorantreiben.
Dazu gehört auch die thematische Erweiterung der
GASP um den Faktor "Kultur". Hier kann die Kultur ihr großes Potenzial
als Friedens- und Sicherheitspolitik entwickeln.
Im Sinne der Effizienzsteigerung müssen wir verstärkt
über die Einrichtung europäischer Kulturhäuser nachdenken und diese
Aufgabe mit Franzosen, Briten und Italienern angehen. Darüber hinaus
ist die AKP Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik. In Europa und
in der Welt kann die AKP unter den Bedingungen der Globalisierung
auch für den Standort Deutschland Freunde und Förderer gewinnen.