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Reden und Vorträge
4. Mai 2000
 

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Rede IPU Amman
von Frau Monika Griefahn, MdB, Mitglied der deutschen Delegation,
vor dem 4. Ausschuss, 4. Mai 2000

Nur wenn wir uns mit allen unseren Unterschieden, aber auch unseren Gemeinsamkeiten akzeptieren, werden wir für den Frieden arbeiten und Kriege und Konflikte verhindern können.

Wir müssen einen gemeinsamen Ansatz entwickeln, der es uns erlaubt, unsere gemeinsamen Wertvorstellungen und Ideen zu nutzen, um eine Grundlage für gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

Viele Politikbereiche können besser behandelt werden, wenn wir zu einem besseren Verständnis unserer Beweggründe gelangen; die wichtigsten Bereiche sind internationale Sicherheit, Menschenrechte, globale Umwelt und nachhaltige Entwicklung.

Es ist jedoch viel zu tun: der kulturelle Austausch in allen Bereichen muss verbessert werden, der Wandel in der Technologie sollte so genutzt werden, dass er das gegenseitige Verständnis fördert und die Menschen zusammenbringt, er sollte keine Ängste im Hinblick auf soziale Benachteiligung verursachen. Es muss mehr getan werden für die Festigung der Demokratie in allen Ländern und für die freie Teilnahme aller Bürger an der Zivilgesellschaft.

Wir als Parlamentarier müssen der Vorstellung mehr Gewicht verleihen, dass Dialog und kultureller Austausch seit jeher zum friedlichen Miteinander und zur kulturellen Vielfalt beigetragen haben. Dies heisst auch, die "McDonaldisierung" zu verhindern, die im Zuge der Globalisierung stattfinden kann.

Um diese Ziele zu erreichen sollte jeder von uns in seinem Land Haushaltsfragen bezüglich Kultur, Bildung und den Austausch mit anderen Kulturen und Zivilisationen Aufmerksamkeit schenken. Ein internationales Jugendlager ist besser als ein neues Verteidigungsprogramm. Ein Austauschprogramm via Internet öffnet denjenigen neue Tore, die nicht imstande sind, zu reisen.

Kultur ist ein wesentlicher Faktor für die Sicherheit in den Regionen, für die Umweltsicherheit und insbesondere die Wasserpolitik, ein Gebiet, bei dem wir uns in Zukunft auf Auseinandersetzungen einstellen müssen.

Nur wenn wir lernen, die Lebensweise, die Kultur des anderen zu verstehen, können wir verstehen, weshalb er oder sie so gehandelt hat.

Wir müssen anfangen, in "Bildern" zu denken. Das heißt, wir müssen lernen, an welche "Bilder" unseren Partnern in der Welt denken, wenn sie von "Menschenrechten", "Sicherheit", "Umwelt" oder "nachhaltiger Entwicklung" sprechen. Was bedeuten diese Worte in einer anderen Kultur, und was bedeuten sie für uns? Diese "Bilder" sind entscheidend für das Ergebnis der Dialoge über Kultur und der Dialoge zwischen den Kulturen.

Wenn wir von Globalisierung oder von Überlebensstrategien sprechen, müssen wir die Gefahren und Risiken kennen, die Ängste der Menschen und wie wir den Ängsten der Menschen begegnen können.

Alle diese Bilder befinden sich in einem ständigen Prozess der Bestätigung durch die Realität. Dies dürfen wir nicht vergessen. Unsere Ideen, Wertvorstellungen und Wünsche sind Teil des globalen Wettbewerbs; sie sind ebenfalls in der Charta der Vereinten Nationen verankert.

Dies wird deutlich, wenn wir Entwicklungen betrachten, bei denen einige versuchen, Kultur als Mittel der Selbstkonsolidierung oder sogar als Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen zu betrachten. Gegenwärtig gibt es in der Welt 39 Konflikte, von denen die meisten durch kulturelle, ethnische oder religiöse Unterschiede verursacht wurden.

Mit unseren Resolutionen wollen wir eine Initiative für einen großangelegten und weltweiten Dialog über Kultur als dem wichtigsten Faktor der Weltpolitik in der nahen Zukunft einleiten. Wir brauchen Zugang zu Bildung und zu technischen Mitteln; und wir als Parlamentarier müssen darauf bestehen, dass Haushaltsgelder für Kultur, Bildung und Austauschprogramme bereitgestellt werden.

Wir sehen keinen "Kampf der Kulturen", aber wir sehen zahlreiche Probleme in allen Teilen der Welt entstehen.

Die Kultur wird meiner Ansicht nach eine zentrale Rolle in der künftigen Politik spielen. Auf dem Gebiet der Wirtschaft werden die globalen Akteure in zunehmendem Maße nach der günstigsten Gesellschaftsordnung für ihre Investitionen suchen. Sie werden die besten infrastrukturellen Vorteile eines Ortes suchen.

Die kulturelle Struktur oder "Kernkultur" einer Gesellschaft bestimmt die Art und Weise, wie Macht ausgeübt wird. Der "kulturelle Stil" der Akteure der Weltgesellschaft bestimmt ihren Handlungsspielraum.

Dies dürfen wir nicht vergessen. Es zeigt uns die Bedeutung der Kultur. Es zeigt uns, dass wir voneinander lernen müssen. Wir müssen uns mehr mit unseren Partnern und unseren Konkurrenten beschäftigen. Wenn wir verstehen können, weshalb sie dies tun oder jenes nicht getan haben, werden wir eher in der Lage sein, unsere Ansicht verständlich zu machen. Wir müssen die Jüngeren fördern. Geben wir ihnen eine Chance durch Bildung, den Einsatz des Internet, sowie Austauschprogramme und persönliche Kontakte. Das Jahr 2001, das das "Jahr der Vereinten Nationen für den Dialog zwischen den Kulturen" sein wird, ist ein willkommenes Ereignis, um genau dies zu tun.