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Reden und Vorträge
19. Februar 2002
 

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Kulturelle Belange junger Menschen aus Sicht der Kulturpolitik

Sehr geehrte Frau Ministerin Bergmann, liebe Christine,
Sehr geehrte Frau Riemann-Hanewinckel,
Sehr geehrter Prof. Fuchs,
Liebe Gastgeber und liebe Gäste!

Welche „Kultur“ wollen und sollen wir Jugendlichen näherbringen?
Wie soll dies geschehen?

Es ist entscheidend, jungen Menschen ein breites Angebot zu bieten. Ein Angebot, das von U bis E-Musik, von Jugendliteratur und Comics bis zu literarischen Klassikern reicht, und von der reinen Rezeption bis zur Eigeninitiative. Ich finde, wir können und sollen uns dabei trauen, auch einmal gegen und neben den Trends aktiv zu werden. Aus meiner eigenen Erfahrung - ich habe drei Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren und engagiere mich in einer Jugendstiftung in den neuen Bundesländern - gewinne ich den Eindruck, Jugendliche sind durchaus auch für eine Lesung oder für ein klassisches Stück Musik zu begeistern. So konnte der Musiklehrer in der sechsten Klasse meines Sohnes die Schülerinnen und Schüler zum Singen der Arien der Zauberflöte und zu einer anderthalbstündigen Busfahrt zur Oper zum Anschauen der Zauberflöte inspirieren. Es müssen nicht immer „fun-Sportarten“ und mit special-effects gespickte Filme sein. In Zeiten der Reizüberflutung können gerade solche Veranstaltungen Nischen füllen und neue Bedürfnisse wecken.

Ich meine, viele Heranwachsende und Jugendliche brauchen nur einen kleinen Anstoß, um einmal die weniger befahrenen Wege der Kulturerfahrung aufzusuchen.

Ich spreche hier nicht von den jungen Menschen, die von sich aus aktiv sind - in Jugendkulturprojekten aller Art. Über sie können wir uns als Gesellschaft einfach nur freuen und, um das auch ganz deutlich zu sagen, es gibt vielmehr „Aktive“, als gemeinhin wahrgenommen wird.

Es geht um die Jugendlichen, die etwas an die Hand genommen werden müssen. Natürlich sind hier zuerst einmal unsere Schulen und damit unsere Lehrerinnen und Lehrer gefragt. Auch wenn es schon einige Zeit her ist - wer erinnert sich nicht an den wunderbaren Film „Der Club der toten Dichter“, in dem Robin Williams einen Lehrer spielte, wie wir ihn uns nur wünschen können. Einen der Phantasie, Erkenntnisinteresse und Herzensbildung zugleich weckte und dies mit Spaß am Lernen verband, der zeigt, dass es nicht immer darum gehen muss „was bringt mir das jetzt sofort“, sondern der zu vermitteln versteht, dass zum Beispiel Poesie unser Wissen über den Menschen vertieft.

Schulen und Eltern brauchen daneben die Unterstützung und Ergänzung durch freie Träger, Sportvereine, Jugendbegegnungsstätten und andere Initiativen. Warum nicht einmal kulturelle Weiterbildung mit Sport verbinden? Der Bedarf ist enorm hoch. Auch und gerade in Ostdeutschland, wo durch den Wegfall der früher üblichen Sommerferienlager ein Vakuum entstanden ist. Mit Interesse und Freude nehme ich wahr, dass viele Jugendliche gute Angebote dankbar annehmen. So war der Ansturm auf die von der Initiative „Brandenburg gegen rechts“ angebotenen Fahrten nach Auschwitz so groß, dass nicht alle Interessenten mitfahren konnten, Schulaustauschfahrten sind begehrt und auch unkonventionelle Ideen werden entwickelt - wie eine „Toleranztour“ durch Brandenburg.

Es gilt diese Ansätze zu fördern - nicht immer nur finanziell sondern auch ideell. „Kultur“ sollten wir dabei gerade in der Jugendarbeit als einen sehr umfassenden Begriff begreifen und vermitteln. Es geht um die Kultur des Miteinanderlebens, des Zusammenlebens und des Miteinandertuns verschiedener ethnischer und sozialer Gruppen, die Verständigung auf einen Wertekodex, und um unser Demokratieverständnis in dessen Zentrum die Chancengleichheit verankert ist.

Bei den Jugendlichen sollte ankommen, dass Engagement, Kreativität und Eigen-initiative gefragt sind, sich "lohnen“. Wir wollen möglichst viele Jugendliche ins Boot holen, Ihnen Mut machen, ihre ganze individuellen Fähigkeiten auf den verschiedensten Ebenen einzubringen, und nicht „über Bord zu gehen“ und abzudriften. Oft braucht es auch einen Kompass im Dschungel der Angebote und in der immer komplexer werdenden Welt.