| Anrede,
ich finde es sehr gut, dass mit der heutigen Veranstaltung die Gelegenheit ergriffen wird, einen vertiefenden Blick auf die kulturellen Beziehungen zweier Länder bzw. Regionen zu werfen, die zwar schon lange existieren, aber nicht sehr im Blickfeld der öffentlichen Wahrnehmung stehen.
Auch ich selber habe erste tiefere Einblicke erst erhalten, als eine Delegation des Ausschusses für Kultur und Medien im Februar in Peru und Ecuador war. Dabei ist mir wieder deutlich geworden, dass das reiche kulturelle Erbe und die aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen in Lateinamerika eine viel stärkere Beachtung verdient hätten. Ich meine dass nicht nur auf Deutschland bezogen, auch auf der EU-Ebene gibt es zahlreiche Konsultationsmechanismen und Abkommen, die aber nicht so richtig zur Kenntnis genommen werden.
Wir haben es hier mit einem allgemeinen Problem der Kulturpolitik zu tun, davon gehen Sie ja auch in Ihrer Einladung zu diesem Symposion aus. Sie spielt oft nicht die Rolle, die anderen Politikbereichen zukommt. In Deutschland hat allerdings durch sie rot-grüne Regierung eine Richtungsänderung stattgefunden:
Die Kulturpolitik des Bundes ist nun durch den 1998 eingerichteten Ausschuss für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag vertreten, sowie durch das Amt des Staatsministers für die Angelegenheiten der Kultur und der Medien beim Bundeskanzler. Das war eine deutliche Akzentsetzung. Ich möchte aber hier nicht näher auf die einzelnen Bereiche der Kulturpolitik eingehen, sondern mich auf den Bereich der Auswärtigen Kulturpolitik konzentrieren, der uns ja hier beschäftigt.
Lassen Sie mich deshalb kurz etwas zur aktuellen Situation sagen:
Wie Sie alle wissen, sind die kulturpolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und Lateinamerika öffentlich wenig bekannt, aber gut. Auf der institutionellen Ebene gibt es seit 1956 (Chile) bilaterale Abkommen zur kulturellen Zusammenarbeit mit 15 Ländern Lateinamerikas. Dies ist ein stabiles Regelwerk, auf dessen Basis regelmäßig Kulturkonsultationen stattfinden und es sind mehr Abkommen, als wir mit Asien haben (12, ohne Zentralasien).
Nicht nur unsere Delegationsreise im Februar hat gezeigt, dass die Zusammenarbeit auf den Gebieten des Hochschulaustausches und der Spracharbeit sehr gut und nachhaltig ist. Auch die deutschen Auslandsschulen machen eine erfolgreiche Arbeit in Lateinamerika. Es gibt fast überall Goethe-Institute und die Sendungen der Deutschen Welle und der Online Dienste werden breit angenommen. Zusätzlich engagiert sich die deutsche Wirtschaft in einigen Ländern besonders durch die Förderung der Kulturarbeit. Als Beispiel sei Mexiko genannt. Es scheint, dass die lateinamerikanischen Länder ein großes Interesse haben, den Beziehungen zu den USA enge Beziehungen zu Europa und insbesondere Deutschland hinzuzufügen.
Ich habe auch feststellen können – das zu den Herausforderungen -, dass wir noch mehr dafür tun müssen, um die sogenannte „Zweibahnstrasse“ mit Leben zu erfüllen. In der „Konzeption 2000“ zur Auswärtigen Kulturpolitik wird u.a. der dialogische Charakter der internationalen Kulturbeziehungen der Bundesrepublik hervorgehoben. Wir wollen damit erreichen, dass ein wirklicher Austausch in beide Richtungen stattfindet, der auf Toleranz, Verständnis und Gegenseitigkeit gründet. In Deutschland haben wir eine neue Offenheit zwischen Kultur und Politik, die auch für den gegenseitigen Austausch viele Chancen bietet. Wir wollen eben nicht nur das Bild Deutschlands in der Welt verbreiten, sondern ein tiefes Verständnis zwischen den Kulturen ermöglichen.
Gerade nach den offenbar gewordenen Bedrohungen des letzten Herbstes wird deshalb der „Dialog der Kulturen“ ein unverzichtbarer Bestandteil der Kulturbeziehungen sein. Auch und gerade mit Lateinamerika wollen wir verstärkt auf die guten Beziehungen bauen. Das hat auch die Reise des Bundeskanzlers im Februar zum Ausdruck gebracht.
Perspektivisch werden wir in der nächsten Legislaturperiode uns darum kümmern, das die internationalen Kulturbeziehungen deutlicher als bisher ihren Beitrag zur internationalen Politik leisten können. Die Kultur spielt eine viel größere Rolle in vielen Politikbereichen, als dies angenommen wird. Für die Beziehungen zwischen Lateinamerika und Deutschland könnte das heißen, dass wir in den Bereichen des zivilgesellschaftlichen Engagements, der europäischen Kulturpolitik und ihren Außenbeziehungen sowie generell an der kulturellen Basis der globalen Zivilgesellschaft zusammenarbeiten. Wir verstärken ganz konkret die Möglichkeiten von Stipendien für Studenten sowie die Arbeitsmöglichkeit auch nach dem Studium in Deutschland und wir wollen die Kulturarbeit in Goethe-Instituten und in Goethe-Zentren auch außerhalb der Hauptstädte stabilisieren und verstärken. Das ist ein konkretes Ergebnis unserer Reise.
Ich bin davon überzeugt, dass wir nicht mehr darum herum kommen, uns über einen normativen Konsens, über Regeln der Kooperation, der Toleranz und des allgemeinen Zusammenlebens zu verständigen. All diese Aspekte sind kulturell fundiert. Deshalb brauchen wir den Dialog über Werte, auch um gewissen Gefahren zu begegnen. Ein Weg ist eine verstärkte Öffentlichkeit, um kulturelle Identitäten begreifbarer und verständlicher zu machen.Schritte sind ja auch von vielen lateinamerikanischen Ländern im Hinblick auf indigenen Völker und ihre Rechte gemacht worden. Es ist unsere Aufgabe, da mit einzusteigen. Die Vermittlung von Kultur im Ausland, und das gilt natürlich für beide Seiten – sollte darum eine Rückkoppelung nach Innen haben. Damit beschreiten wir einen Weg, der in beide Richtungen führt, und das halte ich für wünschenswert.
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