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Sonstige Bundespolitik
2002
 

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Mädchen- und Frauenbildung im Wandel der Zeit

Erst hat es mich schrecklich genervt, dass ich auf eine reine Mädchenschule gehen sollte. Immerhin hatte ich die ersten zehn Jahre meiner Kindheit schwerpunktmäßig mit meinem Nachbarjungenfreund auf dem Feld und im Wald beim Baumhausbauen, Schlittenfahren und sonstigen Jungenspielen verbracht. Stolz war ich in der Grundschule, in der „Jungenbande“, spielen zu dürfen. Schließlich hatten mein Vater und mein Großvater mir beigebracht, mich gegen alle, die mich ärgern, zu wehren. Und nun, bei den feinen Damen (früher den „höheren Töchtern!“) .

Schließlich kam ich nicht aus einer Rechtsanwalts- oder Architektenfamilie, wie viele meine Klassenkameradinnen. Aber mit der Zeit habe ich mein Kämpferherz entdeckt. Als stellvertretende Schulsprecherin habe ich mit dafür gekämpft, daß Mädchen nicht bestraft wurden, wenn sie auf dem Schulhof mit einem Jungen vom benachbarten Städtischen Gymnasium Küsse austauschte. Ich habe bei der „Flaschenpost“ mitgearbeitet, der gemeinsamen Zeitung des Städtischen Gymnasiums und der Luisenschule – das erste Koedukationsprojekt!

Noch einmal ritt es mich, die Schule zu wechseln – als naturwissenschaftlich und mathematisch interessierte Schülerin wollte ich kein „Puddingabitur“ machen. Sprachlich wurde ich als „unbegabt“ eingestuft (heute spreche ich immerhin zwei Fremdsprachen fließend und bin Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und mit für die deutsch-französische Zusammenarbeit zuständig. Meine Mutter sagte immer dazu: wenn das Herr Schäfer wüßte!!“).

Ich wollte auf das Städtische Gymnasium - eine Jungenschule mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften. Es klappte nicht - und heute bin ich froh über ein Stück Freiraum beim Lernen von Mädchen unter sich. Auch da gibt es Konkurrenz – aber man kommt zu Wort! Insofern plädiere ich heute für begrenzte Räume für Frauen, auch einmal ohne Männer/Jungen zu experimentieren: zum Beispiel bei der Informatik oder in den naturwissenschaftlich/inginieurtechnischen Bereichen, wo traditionell der Spieltrieb der Jungen größer, und die Beißhemmung der Mädchen geringer ist.

Fazit: die Luisenschule war eine gute Schule für mich: sie hat mir die Möglichkeit gegeben, als erstes Kind aus der Familie ein Gymnasium zu besuchen, sie hat mein bürgerschaftliches Engagement herausgefordert, und sie hat mir Ermutigung für meine Stärken gegeben (– Besonders Herrn Burre in Mathematik und Physik).

Ich bedanke mich bei Allen, die dazu beigetragen haben, dass ich ein aktives Mitglied in unserer Gesellschaft geworden bin, und wünsche der Luisenschule – auch im sich ständig wandelnden Rahmen – Erfolg für die nächsten 150 Jahre!