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Anrede,
„Die Auslandsschulen spielen bei der Vermittlung der deutschen Sprache und Kultur eine entscheidende Rolle.“
Dieser Satz ist ein Zitat aus unserem Antrag zur Auswärtigen Kulturpolitik vom letzten Jahr. Er hat nach wie vor Gültigkeit. Im Zuge der Haushaltskonsolidierung müssen wir - zu meinem Bedauern - auch im Schulbereich mit Kürzungen umgehen. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem nochmals von allen Verantwortlichen die Bedeutung der Auslandsschulen sowohl für den Studienstandort als auch den Wirtschaftsstandort Deutschland betont wird.
Doch schauen wir uns zunächst die Fakten an:
In diesem Jahr werden unter dem Strich 80 entsandte Auslandslehrkräfte weniger vermittelt werden. Diese werden allerdings durch qualifizierte Ortslehrkräfte ersetzt werden. Wir erreichen damit eine Ersparnis von rund 4,7 Millionen Euro im Schulfonds des Auswärtigen Amtes. An immerhin neun Schulen wird es darüber hinaus zusätzliche entsandte Lehrer geben. Dies wird in Ländern wie der Türkei, Nigeria und Ägypten sein. Das sind für die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik und den Themenkomplex „Dialog der Kulturen“ keine unwichtigen Länder.
Es ist im Sinne des oben genannten Zitats und nach den Ereignissen des letzten Herbstes sicher notwendig, sich gerade in islamisch geprägten Ländern stärker zu engagieren. Insofern ist die Erhöhung derAnzahl von Lehrkräften in den genannten Ländern nur folgerichtig.
Ich bin nicht überzeugt, dass ein qualitativ hoher Unterricht an den deutschen Schulen im Ausland notwendigerweise nur von entsandten Lehrkräften geleistet werden kann, wie das z. Zt. Insbesondere bei der Anerkennung des Abiturs von der Kultusministerkonferenz gefordert wird.
Vergessen Sie nicht, dass wir uns den Dialog der Kulturen auf die Fahnen geschrieben haben. Ortslehrkräfte, die beides kennen - das Leben in Deutschland und in ihrem eigenen Land - haben eine ganz andere Motivation, in einer deutschen Schule zu unterrichten. Sie sind sehr gut geeignet, den Schülern einen weiteren Blick zu zeigen und interkulturelle Horizonte zu öffnen.
Außerdem sind viele der Ortslehrkräfte auch vor Ort ansässige Deutsche, die ihrerseits den Blick von beiden Seiten haben. In diesem Zusammenhang ist auch nicht einzusehen, dass eine entsandte Lehrkraft ein Vielfaches an Gehalt gegenüber dem einer Ortskraft erhält. Das Gehalt muss stärker nach Angebot und Nachfrage, aber auch nach Attraktivität und Sicherheit des Schulstandortes ausgerichtet werden.
Die Auslandsschulen werden automatisch – auch durch die geringere Entsendung von Firmenkräften - zu Begegnungsschulen. Gerade das sollen wir auch fördern. Eine stärkere Kooperation der europäischen Länder und der Träger von Auslandsschulen ist zusätzlich nötig, um mehr Eurocampus-Schulen zu entwickeln. Dann schaffen wir es, dem amerikanischen Angebot ein europäisches entgegen zu setzen und aktiv Studenten und damit Eliten aus ihren jeweiligen Ländern eine Anbindung an Deutschland und Europa zu bieten.
Insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern können durch eine intensivere Zusammenarbeit mit Vertretern der deutschen Wirtschaft die berufsbildenden Zweige ausgebaut und damit eine erhöhte lokale Nachfrage nach Absolventen des dualen Systems angeregt werden. Das wäre meiner Auffassung nach ein Schritt in die richtige Richtung und ein gutes Beispiel für „public-private-partnership“ in der Auswärtigen Kulturpolitik.
Für die Förderung internationaler Kontakte und Austauschaktivitäten im Schulbereich erhält der Pädagogische Austauschdienst der Kultusministerkonferenz Fördermittel aus der Auswärtigen Kulturpolitik. Seine Schwerpunkte sind die Pflege von Schulpartnerschaften, die Weiterbildung von Ortskräften sowie Besuchsprogramme für ausländische und deutsche Schüler.
Der Pädagogische Austauschdienst fördert Toleranz und gegenseitiges Verständnis. Er ist für die Grundlagen internationaler Dialogbereitschaft entscheidend, weil er jungen Menschen ermöglicht, sich mit anderen Vorstellungen und Werten auseinanderzusetzen. Das trägt auch dazu bei, Anstösse für Demokratieentwicklung zu liefern. Wir haben damit ein gutes Netz internationaler Zusammenarbeit im Schulbereich.
Kommen wir zu einem zentralen Anliegen der Auswärtigen Kulturarbeit im allgemeinen und der Schulen im besonderen:
Die Förderung der deutschen Sprache im Ausland ist nach wie vor eine der höchst dotierten Einzelaufgaben der Auswärtigen Kulturpolitik. Auch wenn die Nachfrage nach Deutschunterricht weltweit stark bleibt und in einigen Ländern sogar steigt, so wird Deutsch immer mehr vom Englischen verdrängt. In der Computersprache und im Internet hat sich Englisch als Mittel der Verständigung etabliert, auch wenn der deutsche Anteil im Internet weiter wächst. Auch in den Naturwissenschaften hat Deutsch längst seinen Stellenwert als internationale Wissenschaftssprache verloren.
Vor diesem Hintergrund müssen wir weiter versuchen, Deutsch international als eine zweite Fremdsprache zu etablieren. Die Konzentration der zur Verfügung stehenden Ressourcen auf Schwerpunktregionen wie z.B. die mittel- und osteuropäischen Staaten und der GUS einerseits und Multiplikatoren andererseits - ohne die notwendige Unterstützung des Deutschunterrichts außerhalb von Schwerpunktregionen zu vernachlässigen - hat nach wie vor Priorität.
Die Begegnung der Kulturen ist die Chance des 21. Jahrhunderts. Im Zeitalter der Globalisierung bietet die Kommunikation zwischen den Kulturen die Chance für friedliche Kooperation, für Konfliktvermeidung und verständnisorientierten Dialog. Die Vereinten Nationen hatten das vergangene Jahr 2001 als das "Internationale Jahr des Dialogs zwischen den Kulturen" ausgerufen.
Dies ist dem Deutschen Bundestag eine besondere Verpflichtung. Der gegenseitige Austausch, das Verstehen des Anderen, der Respekt vor anderen Kulturen, Gebräuchen und Sitten, das gegenseitige Geben und Nehmen, also die vom Auswärtigen Amt so genannte „Zweibahnstrasse“, ist der Weg, der in Zukunft verstärkt in der internationalen Zusammenarbeit gegangen werden muss.
Es muss in der Auswärtigen Kulturpolitik verstärkt darum gehen, die Zivilgesellschaft, ihre Institutionen und vielfältigen Verbindungen und Netzwerke als Basis der internationalen Kulturbeziehungen zu fördern. Beziehungen zwischen verschiedenen Ebenen der Zivilgesellschaft können unterhalb der politischen und diplomatischen Ebene Türen zum gegenseitigen Verständnis und verbesserter Kommunikation öffnen und bereits dort konfliktverhindernd wirken. Die deutschen Auslandsschulen spielen hierbei die Rolle der „ersten Instanz“. Hier kommen junge Menschen – vielfach zum ersten Mal – in Kontakt mit Deutschland und seiner Kultur. Deshalb sind die Schulen der Türöffner für die Auseinandersetzung mit Deutschland und allem, was es ausmacht und wirken prägend für die Sozialisation – auch in der Frage des Studiums, ob Schüler sich für Europa oder die USA entscheiden.
Unterschiedliche kulturelle Ansätze und die Diversität der Kulturen erfordern neue Möglichkeiten der Begegnung, wobei kulturelle Orientierungen als Regulativ für einen neuen globalen Gesellschaftsvertrag dienen können.
Die Vielfalt der Kulturen muss als Ressource der Auswärtigen Kulturpolitik und damit auch der Auslandsschulen betrachtet werden. Deshalb sind Begegnungsschulen und Euro-Campus-Schulen so wichtig. Neben dem Kostenargument bieten sie die Chance zu einem wirklichen Austausch. Hier bestehen neue Möglichkeiten des deutschen Auslandsschulwesens. Wenn schon die Goethe Institute Partnerschaften mit europäischen Ländern eingehen, gemeinsam Häuser und andere Ressourcen nutzen, Personal mit dem Auswärtigen Amt austauschen und sich auch sonst viel einfallen lassen, um den Kostendruck kreativ umzusetzen, dann sehe ich nicht, warum das bei den Schulen nicht auch gelingen soll.
Ich glaube, dass auf diese Weise die Folgen der gesunkenen Mittel im Schulfonds aufgefangen werden können. Ich glaube auch, dass es wichtig und richtig ist, dass die Auslandsschulen nicht nur – wie auch immer – auf Deutschland vorbereiten und Wissen über Deutschland vermitteln, sondern das es in der Zukunft viel mehr darauf ankommt, dem Prinzip der „Zweibahnstrasse“ gerecht zu werden. Der Bergriff „Begegnungsschule“ müßte deshalb eigentlich zu „Begegnungs- und Austauschschule“ erweitert werden.
Hier liegt der eigentliche Kern deutscher Auslandsschularbeit:
junge Menschen zu verantwortlichen, kulturell übergreifend denkenden Personen heranzubilden, bei denen Verantwortung und Toleranz lebendig erlebte Begriffe sind. Deshalb halte ich die Form der Begegnungsschule für wichtig. Weitere Gründe sind, entsprechend ausgebildete Menschen für deutsche Unternehmen auszubilden oder emotionale Bindungen an Deutschland zu schaffen.
Der Antrag der Union, der hier zur Debatte steht, ist mir deshalb etwas zu einseitig ausgerichtet. Meine lieben Kolleginnen und Kollegen der CDU und CSU:
ganz logisch ist es nämlich nicht, dass Sie in Ihrem Antrag formulieren, dass die deutschen Auslandsschulen „den deutschen Unternehmen im Ausland qualifizierte, sprachkundige und bikulturell ausgebildete Mitarbeiter ... vermitteln, die auch die wirtschaftlichen Beziehungen durch emotionale Bindungen zu Deutschland zeitlebens fördern werden“. und Sie aber gleichzeitig die Regelung im Zuwanderungsgesetz ablehnen, für Studenten in Deutschland die Arbeitsmöglichkeiten sowohl während als auch nach dem Studium zu erleichtern.
Ich plädiere lieber dafür, dass die Gesamtrichtung der Auswärtigen Kulturpolitik, nämlich die dialogische Ausrichtung der Politik, in den Schulen anfängt. Dies müssen wir weiter unterstützen. Allerdings geht es hier um Fragen der Qualität und nicht nur um Quantität.
Natürlich ist auch die Qualität nur mit entsprechenden Mitteln und Personal zu halten. Aber mir ist noch nicht bange um die gute Arbeit der Auslandsschulen. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben die Lehrer der Auslandsschulen immer hohes Engagement gezeigt und waren immer bereit und in der Lage, durch ihren persönlichen Einsatz Entwicklungen aufzufangen. Und mir ist auch nicht bange bei den engagierten Schulvereinen, die Gott sei Dank auch noch von Eltern und örtlichen Firmen getragen werden.
Das heißt nicht, dass wir getrost die Lasten auf die Lehrer und andere abwälzen können. Natürlich steht der Bund hier in einer Verantwortung. Auch die Kooperation von Einrichtungen vor Ort kann noch verbessert werden. Ich möchte nur feststellen, dass ich bei meinen Besuchen von Auslandsschulen immer hochmotivierte Menschen vorgefunden habe, die ihre Sache mit Elan und Begeisterung getragen haben. Ich sehe die Zukunft des Auslandsschulwesens deshalb optimistischer als die Kolleginnen und Kollegen von der Opposition.
Eines darf allerdings wirklich nicht passieren:
dass die deutschen Auslandsschulen zu Kaderschmieden der deutschen Wirtschaft werden. Trotz aller hier und da notwendigen und richtigen Kooperation mit Unternehmen sind die deutschen Schulen ein Aushängeschild für Deutschland, seine Kultur, seine Geschichte, seine Politik und seiner Gesellschaft. Sie haben meiner Meinung nach einen Bildungs- und einen Ausbildungsauftrag. Sie sind Kulturvermittler und das sollen sie auch bleiben.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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