c) Beratung der Beschlussempfehlung
und des Berichts des Ausschusses für Kultur und Medien (23. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Monika Griefahn, Eckhardt Barthel,
Hans-Werner Bertl, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
sowie der Abgeordneten Rita Grießhaber, Dr. Antje Vollmer, Kerstin
Müller (Köln), Rezzo Schlauch und der Fraktion des BÜNDNIS - SES
90/DIE GRÜNEN
Auswärtige Kulturpolitik für das 21. Jahrhundert
- Drucksachen 14/5799, 14/7380 -
Berichterstattung:
Abgeordnete Dr. Norbert Lammert
Rita Grießhaber
Hans-Joachim Otto (Frankfurt)
Dr. Heinrich Fink
Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind
für die Aussprache eineinhalb Stunden vorgesehen. - Ich höre keinen
Widerspruch. Dann ist so beschlossen. Ich eröffne die Aussprache
und erteile das Wort der Kollegin Monika Griefahn, SPD-Fraktion.
Monika Griefahn (SPD): Herr Präsident! Meine sehr
verehrten Damen und Herren! Wie man so schön sieht: Eine vollkommene
Menschheit wird es natürlich nie geben.
(Friedrich Merz [CDU/CSU]: Das interessiert sie
alle offensichtlich sehr, was Sie zu sagen haben!)
- Tja, das ist so. -
(Dr. Peter Struck [SPD]: Herr Präsident, sorgen
Sie doch bitte für Ruhe!)
Präsident Wolfgang Thierse: Liebe Kolleginnen
und Kollegen, ich bitte diejenigen, die den Saal verlassen wollen,
das möglichst umgehend zu tun, damit sich die Rednerin Gehör verschaffen
kann.
(Friedrich Merz [CDU/CSU]: Es ist schön, wenn
zwei Drittel der eigenen Fraktion gehen, wenn man redet, nicht wahr?)
Monika Griefahn (SPD): Es ist schön, dass Sie alle
da sind. Eine vollkommene Menschheit wird es natürlich nie geben.
Was wir erreichen können, ist, dass immer mehr Menschen zum Gespräch
bereit werden, dass sie sich toleranter und friedlicher verhalten.
Dadurch werden die zerstörerischen Kräfte zurückgedrängt. Das allein
wäre schon ein Fortschritt.
Diese Worte des Dalai-Lama zeigen eindrücklich, worum es in der
auswärtigen Kulturpolitik noch mehr denn je gehen muss.
"Rohstoff des Friedens ist Verständigung", hat uns Hilmar Hoffmann
in seiner Abschiedsrede am 18. Januar 2002 ins Stammbuch geschrieben.
Seit den Ereignissen vom 11. September 2001 bekommt unsere Diskussion
um den Dialog der Kulturen eine neue Dimension. Wir haben uns im
letzten Jahr intensiv damit beschäftigt; jetzt wird es noch aktueller.
Heute wird ein Friedensgebet der Weltreligionen in einem Sonderzug
von Rom nach Assisi stattfinden. Dort wird eine Verständigung der
Religionen - dort sind die Sikhs, die Katholiken, die Juden und
die Moslems alle zusammen - angestrebt. Das ist ein gutes Signal.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des
BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Gestern Abend hat im Goethe-Institut in Berlin
ein anderes Projekt begonnen: die Kulturkarawane Qafilat as-Salam,
mit der 800 Künstler aus diversen Ländern versuchen, gemeinsam Projekte
zu erarbeiten, um in einen interkulturellen Dialog zu kommen. Auch
das ist ein Projekt, mit dem man versucht, die Verständigung zwischen
den Kulturen und Religionen voranzubringen. Das geschieht mit Unterstützung
unserer Goethe-Institute. Wenn wir uns die Taten vom 11. September
anschauen, fragen wir uns: Haben wir eine Chance, solche Anschläge
in Zukunft auch durch Dialoge und eine entsprechende Ausrichtung
der Politik zu verhindern? Ich formuliere dies bewusst als Frage.
Der Dalai-Lama hat sicherlich Recht, wenn er sagt, dass Gespräche
die Grundlage für ein friedliches Miteinander sind. Aber wen können
wir, wen kann die aus-wärtige Kulturpolitik damit erreichen? Wie
kann der Dialog der Kulturen - letztes Jahr wurde von der UN immerhin
das Jahr des Dialogs der Kulturen ausgerufen - im Einzelfall ausgestaltet
werden? Was kann er tatsächlich bewirken?
Wir diskutieren über diese Fragen und die Neuausrichtung der auswärtigen
Kulturpolitik. Seit den Geschehnissen im September führen wir wieder
die Debatte über die Frage, ob es einen Kampf der Kulturen gibt.
Huntington hat Konjunktur. Das geht meiner Meinung nach in die falsche
Richtung. Der Bundeskanzler hat von einem "Kampf um die Kulturen"
gesprochen. Das ist der richtige Ansatz.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN)
Auch wenn ich in diesem Zusammenhang weniger vom Kämpfen sprechen
möchte, so ist doch klar, was damit gemeint ist: Wir sollten uns
darum bemühen, in den internationalen Beziehungen Strukturen zu
schaffen und zu fördern, die dazu geeignet sind, dass sich Menschen
begegnen und in einen Austausch über Vorstellungen, Werte und Ideen
treten können.
"Das kommunikative Kapital ist ein verderblich Gut", sagte Hoffmann
am letzten Freitag. Wir sind jetzt mehr denn je gefordert, dieses
"kommunikative Kapital" zu stabilisieren und zu akkumulieren, damit
es nicht verloren geht. Es ist ein integraler Bestandteil der Außenpolitik
und hat ein enormes Potenzial, um einen wirklichen Dialog der Kulturen
im Sinne der gegenseitigen Verständigung, um Toleranz und vor allem
um Konfliktprävention zu ermöglichen. Die Herstellung und Gewährleistung
der Sicherheit nach innen und außen ist nicht allein eine Angelegenheit
der Polizei bzw. der Militärkräfte. Es ist eben nicht die Ultima
Ratio, sondern die "Prima Ratio", wie Hilmar Hoffmann meinte.
Wir sind der Auffassung, dass die Sicherheit in Deutschland und
in anderen Ländern nur dann nachhaltig zu gewährleisten ist, wenn
wir zusätzliche Maßnahmen durchführen. Unser Außenminister ist hier
sehr aktiv. Das haben wir bei der Konferenz auf dem Petersberg und
bei den Maßnahmen, die jetzt in Afghanistan anlaufen, gesehen. Dabei
spielen das zivile Element, also die Stützung der zivilen Gesellschaft,
der Dialog zwischen den Kulturen und die Möglichkeit der Begegnung
von Menschen eine zentrale Rolle.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Diese Bemühungen möchte ich an einigen Beispielen
deutlich machen. Als Projekte, die wir in Afghanistan für die friedliche
Entwicklung voranbringen, sind zum Beispiel der Wiederaufbau des
Goethe-Institutes, der Wiederaufbau der deutschen Schule in Kabul
sowie die Stärkung der Möglichkeit, dass Frauen überall aktiv werden,
zu nennen. Gerade der letzte Punkt ist ein ganz zentrales Element
für den Dialog; denn Frauen in der Gesellschaft haben eine wichtige
Funktion: Sie bringen eine andere Kultur in die Debatte. Diese Projekte
werden im Moment mit 8,5 Millionen Euro unterstützt. Ich denke,
das ist ein guter Anfang.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Damit nicht genug. Wir haben im letzten Jahr den
Dialog der Kulturen bei der ersten Debatte zu unserem Antrag diskutiert.
Wir haben darüber gesprochen, dass zum Beispiel das Goethe-Institut
Inter Nationes wichtige Projekte voranbringt und wichtige Schritte
geht. Die Präsenz vor Ort in aller Welt ist ein ganz zentraler Punkt.
Das Goethe-Institut Inter Nationes hat sofort nach den Ereignissen
am 11. September reagiert, hat zusätzliche Projekte vorgelegt und
hat auf die Bedeutung der Präsenz hingewiesen, um die Möglichkeit
zum direkten Austausch zu gewährleisten.
In den Projektbeschreibungen wird sehr deutlich, dass, auch wenn
der aktuelle Auslöser der Entwicklung die Taten islamistischer Terroristen
waren, nicht der Blick dafür verloren gehen darf, dass weder Methoden
noch Ziele des Terrors einer Religion zuzuordnen sind. Ich glaube,
das ist die zentrale Frage, mit der wir uns auseinander setzen müssen.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich möchte nur ein Beispiel nennen: In Sri Lanka
gibt es Selbstmordattentäter, die gegen buddhistische Symbole angehen
und aktiv werden, ohne dass man das mit dem Islam in Verbindung
bringen könnte. Wir brauchen also insgesamt den kritischen Dialog
und brauchen ein Zugehen der verschiedenen Kulturen und der verschiedenen
Wurzeln aufeinander.
Wir haben jetzt Projekte, die auf Länder zugeschnitten sind, die
zum großen Teil durch den Islam geprägt sind. Wir dürfen uns aber
nicht nur auf die arabische Welt konzentrieren. Alleine in Indien
gibt es 150 Millionen Muslime. Das ist immer wieder ein Grund für
Auseinandersetzungen. Wir haben stets unterschätzt, wie groß die
Auseinandersetzungen in den Ländern sind, wo viele Religionen, viele
Kulturen miteinander leben. Wir sehen es zurzeit an den Anschlägen
in Kalkutta.
Die Programme, die gerade das Goethe-Institut Inter Nationes vorschlägt,
gehen von den Grundsätzen aus, dass der Dialog zwischen den Individuen
notwendig ist und ermöglicht werden soll, dass als Zielgruppe die
aufgeklärten Eliten in der Zivilgesellschaft erreicht werden müssen
und dass man besonders auf die NGOs, das heißt die Nichtregierungsorganisationen,
zu gehen muss, damit sich Menschen dort treffen können. Wie wichtig
das ist, haben wir im Iran gesehen: Im dortigen Goethe-Institut
haben sich, solange es noch existierte, Schriftsteller und Intellektuelle
getroffen und somit die Demokratieentwicklung sowie den Reformprozess
untereinander weitergeführt. Das ist uns bei einer Anhörung zur
auswärtigen Kulturpolitik sehr deutlich geworden. Das ist der Weg,
um auch zu einer zivilgesellschaftlichen Entwicklung in diesen Ländern
zu kommen.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der PDS)
Dialog der Kulturen heißt aber nicht nur, mit
Goethe-Instituten in den Ländern präsent zu sein, sondern auch,
diverse andere Aktivitäten, wie sie in unserem Antrag beschrieben
sind, zu unternehmen. Wir haben im Jahr 2002 für eine Verstetigung
der Stipendienprogramme durch Bereitstellung von 10,5 Millionen
Euro gesorgt. Wir haben die Zukunft der Schulen gesichert; es wurde
ja darüber diskutiert, ob wir eigentlich noch so viele deutsche
Schulen im Ausland brauchen. Wir haben zusätzliche Mittel - 40 Millionen
DM bzw. etwas mehr als 20 Millionen Euro - der Deutschen Welle zur
Verfügung gestellt, damit gemeinsam mit ARD und ZDF ein neuer Auslandskanal
auf den Weg gebracht werden kann. Wir haben auch Schritte unternommen,
damit hier vor Ort ein stärkerer Austausch stattfinden kann, zum
Beispiel im Haus der Kulturen der Welt, das zusätzlich dafür 5 Millionen
DM bekommen hat - das sind etwas mehr als 2,5 Millionen Euro, ich
erspare uns jetzt die Umrechnung. Wir haben auch eine Lösung der
Probleme, die sich bei den Goethe-Instituten ergeben haben - ich
erinnere an die Frage, ob die Fusionsrendite kommt -, angegangen.
Wir brauchen jetzt alles Geld für die neuen Programme und für die
Umsetzung der Eckpunkte, die ich eben dargestellt habe.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)
Die Schaffung von Orten der Begegnung und der Einsatz
neuer Medien sind zentrale Anliegen. Wir wollen unsere Internetportale
ausweiten. Es gibt jetzt zum Beispiel ein Deutschlandportal, bei
dem Goethe-Institute, DAAD, die Deutsche Welle und unser Bundespresseamt
zusammenarbeiten und Informationen über Deutschland sowie Sprachkurse
anbieten, aber auch die Möglichkeit zur Begegnung bieten. Mehr und
mehr werden auch junge Leute das Internet als Medium nutzen, um
sich zu treffen. Wie wichtig dieses wiederum für Frauen ist, habe
ich persönlich bei einem Besuch im Iran gesehen, wo hauptsächlich
Frauen die Internetcafés besuchten. Das Internet ist das Tor zur
Welt. Indem wir dieses ausbauen und Medienkompetenz fördern, können
wir auch etwas für den Austausch und für das gegenseitige Verständnis
tun.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
sowie des Abg. Dr. Heinrich Fink [PDS])
Es geht aber nicht nur um die Schaffung umfassender
Dialogstrukturen, sondern auch darum, dass die "Zweibahnstraße",
die durch das AKP-2000-Programm des Auswärtigen Amtes und des Parlaments
beschritten wurde, weiter ausgebaut wird. Dazu müssen alle Mittler,
die wir haben, nämlich der Deutsche Akademische Austauschdienst,
das Institut für Auslandsfragen, unsere Schulen und die Humboldt-Stiftung
einbezogen werden, aber auch viele Einzelne, zum Beispiel Vertreter
der Wirtschaft. Ich appelliere hier noch einmal an diese. Die deutsche
Wirtschaft erzählt uns ja immer wieder, dass es sehr wichtig ist,
dass Deutschland nicht nur in Form von Botschaften und Konsulaten
vor Ort vertreten ist, sondern auch in Form von Kultureinrichtungen.
Diese Zusammenarbeit muss verstärkt werden. Ich hoffe, dass sich
auch die Wirtschaft weiter engagiert - Hilmar Hoffmann hat die Wirtschaft
ja schon sehr engagiert an gesprochen -, vor Ort für beständige
Kulturarbeit sorgt und sie noch verstärkt; denn für die Wirtschaft
sind die Orte der Begegnung extrem wichtig, für sie ist es wichtig,
dass ihre Mitarbeiter Deutsch lernen, damit eine Brücke nach Deutschland
geschlagen wird. Mit unseren Stipendienprogrammen werden wir auch
umgekehrt hier Mitarbeiter ausbilden, damit die Bindung an Deutschland
noch enger wird. Das liegt im allseitigen Interesse, es fördert
sowohl den Dialog der Kulturen als auch die wirtschaftliche Entwicklung.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Public Private Partnership, wie im Antrag der FDP
dargestellt, wollen wir so nicht. Wir wollen nicht, dass die Wirtschaft
die Aufgaben der Politik übernimmt und sozusagen nach Gutdünken
entscheiden kann, welche der Projekte gemacht werden und welche
nicht. Ich glaube, dass der Dialog der Kulturen eine staatliche
Aufgabe bleiben muss. Wir sind in der Verantwortung und wir nehmen
diese Verantwortung wahr und haben dementsprechend Mittel zur Verfügung
gestellt. Ich hof-fe, dass diese Aufgabe weiterhin vom ganzen Haus
unterstützt wird. In unseren Debatten im Kulturausschuss zum Beispiel
wurde immer sehr deutlich, dass das eine gemeinsame Aufgabe ist.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN
sowie des Abg. Dr. Heinrich Fink [PDS])
Ein wichtiger Punkt ist die Zusammenarbeit der
europäischen Staaten. Seit 1. Januar 2002 gibt es bei uns den Euro.
Wenn man in ein anderes Land der Europäischen Union fährt, muss
man nicht mehr die mühsame Umtausch arbeit leisten. Die Menschen
in den Ländern, die den Euro eingeführt haben, nehmen ihn positiv
an. Aber das darf nicht der letzte Schritt sein. Wir brauchen auch
ein Stück mehr gemeinsame europäische auswärtige Kulturpolitik.
Dies haben wir in unserem Antrag formuliert. Wir haben das auch
mit unseren Partnern in Frankreich, England, Italien, Österreich
und anderen Ländern diskutiert und der Prozess kommt langsam in
Gang. Es ist ein schwerfälliger Prozess, aber es gibt inzwischen
deutsch-französische Lesesäle und es gibt sogar deutsch-polnische
Kooperationen. Gestern sagte mir der Leiter des Goethe-Institutes
in Berlin, es wäre doch schön, wenn das polnische Kulturinstitut
in den vierten Stock des Goethe-Institutes ziehen würde, denn das
würde eine enge Kooperation bedeuten und wäre ein Signal für das
erweiterte Europa.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Wenn wir als Europäer zusammenarbeiten, heißt das
aber nicht gleichzeitig, dass die deutsche Identität verloren gehen
soll. Auch die Vermittlung der deutschen Sprache als Wurzel, als
Teil der Kultur ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir werden uns mit
der deutschen Sprache aufgrund der entsprechenden Großen Anfrage
heute Mittag noch stärker beschäftigen. Insofern brauche ich darauf
jetzt nicht intensiver einzugehen.
Die auswärtige Kulturpolitik ist, wenn sie europäisch agiert, nicht
nur Kulturpolitik, sondern auch Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik.
Deshalb glaube ich, dass es sehr wichtig und sinnvoll ist, dass
die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, die GASP, noch stärker
um den Faktor Kultur erweitert wird, als das bisher der Fall ist,
und dass dieses Thema bei den Debatten bei der WTO oder auch anderen
Organisationen eine stärkere Rolle spielt. Ich trete ebenso entschieden
dafür ein, dass der Bereich der Kultur zum Beispiel auch bei dem
Gipfel in Johannesburg im September, "Rio plus zehn", stärker einbezogen
wird; denn die Kultur bietet einen Hintergrund für die Umweltzerstörung,
die wir haben. Die Umweltzerstörung hängt zu einem großen Teil mit
unserem linearen Kulturdenken zusammen. Deswegen ist es wichtig,
dass wir uns in dem Viereck Soziales, Ökologisches, Wirtschaftliches
und Kulturelles bewegen, um tatsächlich zu einer nachhaltigen Entwicklung
zu kommen.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)
Gott sei Dank ist vieles, was wir in unserem Antrag
formuliert haben, schon auf den Weg gebracht worden. Die Budgetierungen
werden in den Instituten nach und nach eingeführt. Der Austausch
von Mitarbeitern zwischen den verschiedenen Instituten, Botschaften
und auch der Wirtschaft wird in Angriff genommen. Die Situation
der Studierenden ist verbessert worden; sie können nach ihrem Studium
hier bleiben. Ein ganz wichtiger Punkt unseres Antrages war auch
eine andere Besteuerung ausländischer Künstler in Deutschland. Hier
hat es entschiedene Verbesserungen gegeben; denn es war ein Rückgang
von Künstlern, die zum Austausch mit deutschen Institutionen beigetragen
haben, um 30 Prozent zu verzeichnen.
Präsident Wolfgang Thierse: Kollegin Griefahn,
Sie müssen zum Ende kommen, Sie haben Ihre Redezeit überschritten.
Monika Griefahn (SPD): Ich habe später angefangen,
weil hier eine solche Unruhe war. Ich habe auf die Uhr geschaut.
Präsident Wolfgang Thierse: Nicht verhandeln!
Monika Griefahn (SPD): Ich bin sofort fertig.
Ich freue mich, dass wir heute hier diese Debatte haben. Ich freue
mich auch auf die Redebeiträge der anderen Kollegen; sie werden
sicherlich das eine oder andere zu ergänzen haben. Ich bin froh,
dass wir den Weg eingeschlagen haben, den Dialog der Kulturen auch
finanziell zu unterstützen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich
möchte an dieser Stelle auch dem Bundesaußenminister danken, dass
er in den letzten Verhandlungen immer dieses Element des Dialogs
der Kulturen und der Konfliktprävention in den Mittelpunkt gestellt
hat.
Vielen Dank.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN
sowie bei Abgeordneten der PDS)