Die Rede wurde zu Protokoll gegeben.
Herr Präsident, meine Damen und Herren,
unser Antrag, die Gesundheits- und Umweltgefahren
bei der Goldgewinnung zu minimieren, sind Stand aus einem Diskussionsprozess
der Ende Januar 2000 nach der Katastrophe des Aurul Goldbergwerks
in Rumänien einsetzte.
In der Mediendemokratie, wo hauptsächlich Ereignisse
der westlichen Welt von Belang sind, ist das Gefühl entstanden,
als hätte es seither keine Probleme mit der Goldgewinnung gegeben.
Allein nach meiner Kenntnis hat es in den letzten 2 Jahren mehr
als 15 vergleichbare Unfälle/Katastrophen gegeben. Allerdings waren
diese hauptsächlich in Lateinamerika und in Afrika. Auch vor Ort
in Rumänien sind die Probleme alles andere als gelöst. Es ist zu
befürchten, dass sich mit der Schneeschmelze erneut eine vergleichbare
Katastrophe ereignen könnte.
Gold als Edelmetall ist ein Symbol. Ein Symbol
für Beständigkeit, für Göttlichkeit. In der Menschheitstradition
hatte Gold immer eine besondere Bedeutung. Allerdings ist auch die
ganze Menschheitsgeschichte im Zusammenhang mit Gold mit Verbrechen
verbunden, mit der Raffgier der Menschen, mit Mord an Eingeborenen,
mit katastrophalen Umweltzerstörungen und damit Zerstörungen von
Lebensmöglichkeiten. In der Massengesellschaft, wo immer breitere
Schichten Gold erwerben konnten, wurde Gold auch zum Massenprodukt.
Je mehr Goldbedarf besteht, desto mehr wurden Goldgewinnungstechniken
entwickelt, die es ermöglichen selbst normale Erde gewinnbringend
als "Golderz" zu nutzen. Die Goldgehalte in solchen "Erzen" liegen
im Bereich von einem Gramm pro Tonne. Nur mit vielen Prozesschemikalien,
insbesondere mit Natriumcyanid, kann das Gold heraus gewaschen werden.
Die Gier nach Gold scheint dem Menschen inne zu
wohnen. Schon Goethe sagte dazu in Faust: "Nach Golde drängt, am
Golde hängt doch alles...".
Bei einer Bevölkerungszahl von 7 Milliarden Menschen
auf der Erde ist die Goldgewinnung wie sie jetzt durchgeführt wird
in keinem Fall nachhaltig, in keinem Fall erträglich und darf in
keinem Fall so weitergeführt werden. Um es Ihnen zu verdeutlichen:
2 ½ Tonnen Gold, die verwendet wurden, um den Menschen den leuchten
Glanz der D-Mark darzustellen, haben weit mehr Müll verursacht,
weit mehr an giftigen Schwermetallen in die Umwelt gebracht, weit
mehr an schädlichem Abraum erzeugt, als die gesamte Hausmüllmenge
der Bundesrepublik in einem Jahr.
Die sozialen Konsequenzen sind ähnlich. Etwa 60 % des Goldes, das
weltweit gewonnen wird, wird unrechtmäßig gewonnen, und zwar von
Land der eingeborenen Bevölkerung, was dieser praktisch geraubt
wird.
Etwa 5 Jahre lang werden Erd- und Gesteinsmassen
zerkleinert, auf Haufen aufgeschüttet und mit Natriumcyanid übergossen.
Die goldhaltige Natriumcyanidlösung wird aufgefangen, das Gold wird
daraus gewonnen. Dann werden diese so genannten Bergwerke stillgelegt
und die Menschen, die vor Ort gewohnt haben bleiben mit einer giftigen,
gefährlichen Altlast zurück. Bei einem Goldpreis von US $ 250 -
300 pro Feinunze ist Umweltzerstörung praktisch zwangsläufig. Und
immer wieder sind deutsche Geldgeber, deutsche Banken an solchen
dubiosen Projekten beteiligt.
Allein in der Türkei gibt es Planungen und Tätigkeiten über mehr
als 500 von solchen umwelt- und sozialschädlichen Projekten.
Kann jemand überhaupt noch mit gutem Gewissen Goldschmuck kaufen?
Von der weltweiten Verwendung des Goldes gehen etwa 80 % in den
Bereich Schmuck. Goldbergbau wird auf Kosten der Allgemeinheit weltweit
subventioniert. Es gibt keinerlei verlässliche Standards innerhalb
der WTO.
Ist es jetzt notwendig endliche eine Umweltabgabe
und Sozialabgabe auf Gold zu erheben oder eine Goldsteuer, um die
Umweltzerstörungen in den Ländern wieder ausgleichen zu können?
Die amerikanische Umweltbehörde hat den Bergbau
inzwischen als die schlimmste Quelle für Umweltzerstörung identifiziert.
In verschiedenen Bundesstaaten der USA ist es zu massiven Einschränkungen
und Verboten im Goldbergbau gekommen. Um so mehr sind Dritte-Welt-Länder
bedroht. Was notwendig ist, haben wir in unserem Antrag aufgelistet.
- Es muss erreicht werden, dass Umweltstandards insbesondere
im Bergbau und vor allem im Goldbergbau etabliert werden.
- Es muss sichergestellt sein, dass die besonders schädliche
Haufenlaugung mit Natriumcyanid endlich unterbleibt und, dass
- Es muss gewährleistet sein, dass Bergbauunternehmen wie Chemieunternehmen
betrachtet werden. Ein solcher Bergbaubetrieb der etwa 5 6 Tonnen
Gold herstellt, verursacht dabei über 30 Mio. Tonnen an Abfall
und benötigt etwa 800 Tonnen Natriumcyanid. Wenn dies im offenen
Verfahren durchgeführt wird, ist das ein Verbrechen an den Menschen
und der Umwelt.
Wir haben vielfach unsere Umweltbelastungen damit
reduziert, dass wir schmutzige oder traditionell schmutzige Industrie
in die südlichen Länder verlagert haben. Es ist nicht notwendig,
den Mars zu besiedeln, man braucht nur nach Chile gehen, um dort
so weit das Auge reicht, Zerstörungen durch Bergbau und dessen Folgen
- Mond- oder Marslandschaften - zu sehen.
Es muss Teil deutscher Außenpolitik sein, zu verhindern,
dass mit Geld oder mit Nachfrage aus Deutschland Umwelt- und soziale
oder kulturelle Verbrechen in Entwicklungsländern begangen werden.
So wie Kinderschänder bei uns belangt werden müssen, wenn sie sich
die Not der Menschen auf den Philippinen oder Thailand zu nutze
machen. So müssen auch Umweltschänder an den Pranger gestellt und
verfolgt werden.
Wenn es uns wirklich darum geht, eine gerechte
Weltwirtschaftsordnung zu schaffen, dann ist es besonders wichtig
Standards zu schaffen, die umwelt- und gesundheitsverträglichen
Bergbau ermöglichen. Fangen wir mit dem Goldbergbau dabei an und
machen dies zum Schwerpunkt unserer Politik.