Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen
und Kollegen! Politik muss Grenzen setzen und Forderungen stellen.
Forschung dagegen impliziert, neugierig zu sein und gleichzeitig
die Hoffnung auf Hilfe für Kranke.
Es ist wichtig, dass wir die Neugier in uns Menschen
immer wieder weitertreiben und dass wir die Neugier befriedigen.
Aber wie wir Kindern, die neugierig sind, Grenzen setzen und auch
ihnen nicht alles erlauben, so ist es bei der Forschung ab und zu
wichtig, die Schwerpunkte in eine Linie zu bringen.
Woher kommen denn die embryonalen Zellen, über
die wir uns hier unterhalten? Es sind Embryos, die aus der künstlichen
Befruchtung entstanden sind und übrig geblieben sind. Und warum
brauchen wir künstliche Befruchtung? Weil immer mehr Menschen unfruchtbar
werden. Sie alle, die Sie hier als Mann sitzen, sind durchschnittlich
nur noch halbe Männer.
Weil die durchschnittliche Anzahl an Samenzellen
enorm zurückgegangen ist - er lag ehedem bei 110 Millionen, heute
liegt er bei 55 Millionen -, haben heute weitaus mehr Männer als
früher Schwierigkeiten, selber Kinder zu zeugen.
Nur 6 Prozent der In-vitro-Fertilisationen sind
erfolgreich. Das heißt, wir reden über die übrig gebliebenen Stränge.
Wenn wir darüber diskutieren, wie Schwerpunkte von Forschung zu
setzen sind, dann kann ich nur sagen: Ich will nicht vorwiegend
die Reparaturtechnik, sondern die Prävention fördern. Die Vielzahl
von Chemikalien nämlich ist es, die dafür sorgt, dass die Fruchtbarkeit
zerstört wird, dass Menschen krank werden, dass zum Beispiel die
Brustkrebsrate bei Frauen enorm gestiegen ist. Zu nennen sind zum
Beispiel die Organozinn-Verbindungen bei Schiffsanstrichen, aber
auch das, was Sie alle in Ihren Büros haben, nämlich die Drucker,
insbesondere die Laserdrucker, und die Kopierer. Aus diesen Geräten
strömen diese Verbindungen aus, die dann direkt ins Gewebe gelangen
und krank machen. Da brauchen wir dringend Forschung, um unschädliche
Chemikalien zu entwickeln; denn sie ist viel zu gering. Da brauchen
wir Aktivitäten und Schwerpunktsetzungen, auch auf europäischer
Ebene. Ich hoffe, dass dadurch viel eher die Möglichkeit besteht,
den Menschen präventiv zu helfen, als wenn wir viel Luxus investieren.
Es kostet Pfennige, die Strassenkinder in Lateinamerika vor Krankheiten,
vor Blindheit zu bewahren. Auch das bekommen wir nicht hin. Aber
wir leisten uns eine Luxusdebatte über etwaige Möglichkeiten von
Reparaturtechnik.
Deshalb: Neugier ja, aber Grenzen stecken! Ich
plädiere dafür, die Grenze so zu stecken, dass wir Importe verbieten
und das Geld schwerpunktmäßig für die Prävention, das heißt für
die Entwicklung von Stoffen verwenden, die nicht krank machen.
Herzlichen Dank.