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Reden und Vorträge
16. November 2003
 

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Grußwort für die Kriegsgräberfürsorge
Volkstrauertag, 16.11.2003
Anrede,

der Volkstrauertag erinnert uns jedes Jahr daran, welche schrecklichen Folgen Kriege haben. Wir gedenken der Opfer von Gewaltherrschaft und von Kriegen. Noch immer gibt es – so habe ich es nachgelesen – über 1,4 Millionen oder mehr ungeklärte Schicksale von Opfern des Zweiten Weltkrieges.

Und erstaunlicher weise nimmt das Interesse an diesen Schicksalen mit zunehmenden Abstand zu 1945 wieder zu: die Enkel fangen offenbar an, sich für das Schicksal ihrer Vorfahren zu interessieren. Man mag dies werten, wie man möchte; eines bleibt für mich klar:

Die Opfer, und zwar alle Opfer von Krieg und Gewalt, von Verfolgung und Vertreibung, sind eine Mahnung an uns, dass wir ständig auf der Hut sein müssen, dass Konflikte nicht zum Krieg werden. Konflikte können wir nicht verhindern, sie sind Bestandteil des menschlichen Lebens. Es kommt darauf an, sie nicht eskalieren zu lassen. Das sollte die Lehre sein, die wir uns an jedem Volkstrauertag in Bewußtsein rufen.

Dazu gehört auch, das lehrt uns die aktuelle Debatte um den Antisemitismus, Vorurteile nicht zur Gewissheit zu machen. Es ist doch so, dass Vorurteile, wenn sie für Fakten gehalten und als historisch belegbar verkauft werden, gerade dazu führen, dass sie weiter zementiert werden. Das wiederum führt nur allzu oft zu Konflikten und auch zu Kriegen. Dies zeigen die Debatten um Hohmann, Günzel, um das Holocaust Mahnmal und im Landkreis Harburg die Vorkommnisse bei der Veranstaltung mit Sebastian Edathy.

Das aktuelle Kriegs- und Konfliktgeschehen in der Welt – im Jahre 2002 44 kriegerische Konflikte - zeigt uns ja, welche verheerende Wirkungen Folgen Krieg immer noch hat. Ich plädiere deshalb sehr dafür, dass die Opfer, die am Volkstrauertag beklagt werden, uns Ansporn sein sollen, Gewalt und Krieg zukünftig zu verhindern. Die Trauer ist dazu notwendiger Bestandteil und zugleich Mahnung.

Ich weiß, dass der Volksbund hier engagierte Arbeit leistet. Seine ganze Jugendarbeit z. B. ist auf Versöhnung und historisches Verständnis ausgerichtet. Die Kriegsgräberstätten sollen, so verstehe ich es, als Mahnmal für Frieden und Gewaltlosigkeit betrachtet werden.

Wichtig ist dabei auch, den Blick nach vorne zu richten und vor allem junge Menschen für den Umgang mit anderen Kulturen, mit anderem Glauben, mit Werten und Traditionen zu sensibilisieren. Dabei müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die einen wirklichen Austausch in beide Richtungen erlauben. So wie das mit dem Elyséevertrag zwischen Frankreich und Deutschland in 40 Jahren geschafft worden ist. Respekt und Toleranz; das scheinen mir die Stichworte zu sein, auf die es immer mehr ankommt.

Ich habe erst kürzlich in Afghanistan gesehen, welche Folgen der Krieg hat. Gleichzeitig konnte ich aber auch sehen, welche Erfolge eine zielgerichtete Wiederaufbauarbeit hat, wenn sie bestimmte Aspekte der kulturellen Identität beachtet – Bildung, Schule, Mädchen - und in die Arbeit einfließen läßt.

Dies sind Ansatzpunkte für Versöhnung. Damit wird nach meiner Auffassung auch die Basis für Verständigung geschaffen, die wiederum große Chancen in sich hat, präventiv für die Zukunft zu wirken.

Der heutige Tag sollte uns daran erinnern, dass es die Verantwortung von uns allen ist, wo und wie es irgend geht, sich dafür einzusetzen, dass Kriege nicht mehr ein Mittel der Auseinandersetzung sind. Die Zukunft liegt in der präventiven und damit friedlichen Bearbeitung von Konflikten. Dafür müssen wir die Menschen gewinnen.