Lieber Herr Geißler,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
Theo Geißler ist die journalistische Allround-Persönlichkeit des deutschen Musiklebens. Wenn man sich anschaut, wo er überall mitwirkt, kann man sich nur schwer vorstellen, dass irgend etwas vor sich geht, ohne dass er davon erfährt.
Das bedeutet auch, dass sein Engagement viel dazu beigetragen hat, dass sich das Musikleben in Deutschland neuen und innovativen Ansätzen stets geöffnet hat. Immer vertritt er vor allem die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen. Sie zu fördern und zu unterstützen ist, so glaube ich, sein wichtigstes Anliegen. Und deshalb schätze auch ich ihn besonders!
Wie in allen Bereichen, so sind auch in der Musik unsere Kinder die Träger der Zukunft. Was wir heute nicht erreichen, ist vielleicht nie mehr nachzuholen. Hier haben nicht nur Menschen wie Theo Geißler großen Anteil an der musikalischen Bildung des Nachwuchses; hier sind auch Eltern und Schulen gefragt. Und nicht zuletzt die Kultur- und Bildungspolitik. Aber Musik muß natürlich auch Spaß machen, wie beispielsweise beim Musical „Ritter Rost“.
Theo Geißler hat viel dazu beigetragen, dass sich in den Schulen und in der Politik Sichtweisen ändern. Er hat durch seine vielfältige Arbeit in den Medien gezeigt, dass eine Verarmung droht, wenn Kinder und Jugendliche nicht musisch gefördert und vielleicht auch gefordert werden. Ich sehe das bei meinen Kindern. Alle spielen ein Instrument; und ich bilde mir nicht nur ein, dass die Auseinandersetzung mit einem Instrument und seinem Erlernen auch dazu beigetragen hat, dass sie beispielsweise an Problemlösungen anders heran gehen. Dies wird auch in der bekannten Studie von Prof. Bastian deutlich.
Theo Geißler würde mich sicher unterstützen, wenn ich sage, dass wir noch viel mehr solchen Unterricht in den Regelschulen brauchen. Für mich wäre es ein Ziel, dass in dem neu aufgelegten Ganztagsschulprogramm die Musik einen zentralen Stellenwert einnimmt. Ich zitiere an dieser Stelle immer gerne Innenminister Schily, der einmal gesagt hat: „Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit.“ Ich denke, dem ist nichts hinzu zu fügen!
Sie, lieber Herr Geißler, haben und werden wohl auch weiterhin dazu beitragen, dass diese Gedanken sich weiter durchsetzen. Denn sie haben ja recht, wenn sie immer wieder durchscheinen lassen, dass Musik und Musikerziehung eine gesamtgesellschaftlichen Bedeutung haben. Ich glaube sogar, dass sie immer wichtiger wird. Sie ist nämlich ein geeignetes Mittel, den internationalen Kulturdialog zu befördern. Wenn es dazu eines Beweises bedarf, dann haben wir in Ihnen, und in der Jeunesse Musicale, die richtigen Kronzeugen. Ich denke da an Veranstaltungen wie die „Internationale Kontrabaßwoche“, die Initiative „Konzerte für Kinder“ oder auch an die Unterstützung der „Jungen Philharmonie Venezuela“, deren Leiter sogar den „Alternativen Nobelpreis“ bekommen hat. Vor allem an letzterer kann man wunderbar sehen, welche gesellschaftliche Wirkung die Beschäftigung mit Musik hat. Ich habe auch die Postkartenserie von „Jeunesse Musicale International“ vor Augen, die uns drastisch zeigt, dass die Musik Auswege bieten kann.
Theo Geißlers Arbeiten wirken in diesem Sinne. Auch wenn Musik sicher kein Allheilmittel ist, so ist es doch immer wieder erstaunlich zu sehen, dass Menschen nach schweren Krisen oder gar Kriegen sehr oft als erstes nach Kultur dürsten. Und Musik spielt dabei immer eine zentrale Rolle. Sie hat friedliches und Friedenschaffendes Potenzial. Das sollte uns zu denken geben. Ich habe neulich in Afghanistan erlebt, wie ein bayerischer Zitherspieler und ein afghanischer Musiker mit traditionellen afghanischen Instrumenten zusammen musiziert haben.
Theo Geißler hat ein kleines und feines Medienimperium geschaffen, um diesen und anderen Gedanken zur Verbreitung zu verhelfen. Seine Arbeit ist damit viel mehr als das, was einen Musikjournalisten normalerweise beschäftigt. Wenn ich das richtig erfasst habe, decken die Publikationen der verschiedenen Verlage und der Internetpräsenz quasi alle Erscheinungen des Musiklebens ab. Neuerdings gehört auch noch die Mitherausgeberschaft der Zeitung „Politik und Kultur“ dazu, so dass ich und alle Mitglieder des Kulturausschusses immer auf dem laufenden sind!! Auch dafür gebührt Ihnen Dank!
Sie haben sich um das Musikleben in Deutschland verdient gemacht. Ihre Gedanken und Ihre vielfältigen Aktivitäten münden in eine publizistische Stimme, die im guten Sinne Einfluß ausübt.
Ich möchte Sie darin bestärken, damit weiter zu machen, den Dialog aufrecht zu erhalten und die kritische Begleitung nicht abreißen zu lassen.
Ich gratuliere Ihnen also sehr herzlich zum „Würthpreis der Jeunesse Musicales Deutschland 2003“, mit dem Sie sich in eine illustre Reihe von Preisträgern eingliedern. Und ich wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute und weiter viele Ideen und Engagement.
Vielen Dank.
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