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Reden und Vorträge
2. Dezember 2004
 

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AKBP gegenüber Lateinamerika
1. Hintergrund

Europa und LAK unterhalten ein bemerkenswert enges Geflecht politischer, wirtschaftlicher, entwicklungspolitischer und kultureller Beziehungen. Die Pflege dieser Beziehungen wird durch Verwurzelung in historischen Gemeinsamkeiten erleichtert, die sich vor allem in Sprache, Kultur und Religion aber auch Wirtschaft und Handel äußern. Deutschlands eigener Beitrag hierzu ist bedeutsam. So sind die deutsche Einwanderung und eine vor allem auf das 18. und 19. Jahrhundert zurückgehende Bewunderung für deutsche Kultur und Wissenschaft in vielen Ländern von LAK gegenwärtig.

An der breiten Übereinstimmung in politischen Grundauffassungen, die auch Ausdruck des Zugehörigkeitsgefühls von LAK zur westlichen Kultur- und Wertegemeinschaft sind, haben intensive Kulturbeziehungen einen entscheidenden Anteil. Unsere vielfältige Präsenz in der Region wird derzeit noch durch ein dichtes Netz deutscher Auslandsvertretungen, Auslandshandelskammern und Auslandsschulen, von Goethe-Instituten, Durchführungsorganisationen der Entwicklungszusammenarbeit und politischen Stiftungen gewährleistet; zu deren Aufrechterhaltung bedarf es aber auch künftig eines adäquaten Mitteleinsatzes.

Traditionell von großer Bedeutung ist die unter anderem für die deutsche Wirtschaft im Ausland wichtige Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Auslandsschulen , z. B. durch Ausweitung der Möglichkeiten zur Ablegung des Internationalen Baccalaureats. In letzter Zeit dazugekommen ist die Einbindung der Auslandsschulen in die Werbung für den Wissenschafts- und Hochschulstandort Deutschland, beispielsweise durch Vergabe von Hochschulstipendien für besonders begabte Absolventen der Auslandsschulen.

2. Mittel der AKP

Entwicklung des Kulturhaushalts des Auswärtigen Amts seit 1990:

Jahr Betrag in Mio Euro
1990
513
1991
578
1992
612
1993
610
1994
581
1995
599
1996
599
1997
599
1998
590
1999
584
2000
562
2001
561
2002
567
2003
559
2004
557

Die im internationalen Vergleich einzigartigen kulturellen Beziehungen zwischen beiden Regionen sind ein wichtiger Beitrag zur Wertegemeinschaft, die eine unverzichtbare Grundlage für die Zusammenarbeit in allen Bereichen darstellt. Auf dem zukunftsträchtigen Gebiet der Bildung, Wissenschaft und Technologie sowie der Kultur ist die Region wegen ihrer bedeutenden menschlichen und natürlichen Ressourcen ein wichtiger Kooperationspartner, der auch große Aufgeschlossenheit für die Entwicklung hin zu einer wissensbasierten Gesellschaft zeigt. Insbesondere in Schwerpunktländern bietet sich ein gezielter Ausbau der engen Beziehungen an. Im europäischen Rahmen unterstützt und begleitet die Bundesregierung die EU-LAK Initiative zur Schaffung eines gemeinsamen Hochschul- und Wissenschaftsraumes.

Insgesamt standen 2003 rund 74,4 Mio. € für Kulturarbeit in LA zur Verfügung. Davon wurden allein 45 Mio. € für das Auslandsschulwesen in LA eingesetzt. Dies zeigt den Schwerpunkt der AKP in LA. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen der Wissenschaftsaustausch (11,7 Mio.) und die Programmarbeit (9,7 Mio.). Die Prioritäten sind damit klar. LA nimmt unter allen Region der Welt den zweiten Platz nach der EU (alt) ein (110,3 Mio.) und ist die wichtigste Region für die auswärtige Kulturpolitik außerhalb Europas.

Auch nach Institutionen nimmt Lateinamerika obere Plätze ein: Das GI bekommt in LA 12,8 Mio.; nur in der EU alt und in Südostasien fließen mehr Mittel für das GI als in LA. Ähnlich verhält es sich für die anderen Mittlerorganisationen: die meisten Mittel fließen nach Europa (inkl. Osteuropa), danach wechseln sich Lateinamerika und Südostasien auf den Plätzen ab.

Perspektiven

LA wird weiterhin eine zentrale Rolle in der deutschen AKP spielen. Das konnte man auch an den teilweise heftigen Auseinandersetzungen um das spanische Programm von DW-TV sehen. Nachdem hier nun entschieden wurde, das Programm vorläufig weiter laufen zu lassen, wird man sich aber auf politischer Seite entscheiden müssen, ob man der Bedeutung LA’s für die internationalen Beziehungen Deutschlands auch dadurch gerecht werden möchte, die kulturelle Zusammenarbeit durch den Auslandsfunk zu unterstützen.
Die Nachfrage nach deutscher Sprache ist ungebrochen und unterliegt einem weltweiten Trend. Aufgrund des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und akademischen Einflusses der USA ist Englisch allerdings unangefochten erste Fremdsprache in Lateinamerika. Es besteht aber eine hohe Bereitschaft, kulturelle Angebote aus dem europäischen Raum anzunehmen. Auch leben in Lateinamerika viele Deutschstämmige (Brasilien: über 5 Millionen), die zwar selten Deutsch als Muttersprache nutzen, aber dennoch ein starkes, persönlich motiviertes Interesse an Deutsch haben. Aus diesen Aspekten der Mehrsprachigkeit erklärt sich eine vergleichsweise gute Position für die deutsche Sprache.

In der Region gibt es 669 Schulen mit Deutschunterricht. 114.050 Schüler lernen Deutsch, in der deutschen Schule in Osorno beispielsweise schon seit 1854. Die Förderung der deutschen Sprache in Lateinamerika stützt sich auf 15 Goethe-Institute sowie 8 Goethe-Zentren, 15 DAAD-Lektorate, 4 Fachberaterstellen der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen und 40 geförderte deutsch-ausländische Kulturgesellschaften. Darüber hinaus gibt es 6 nicht von Deutschland geförderte Kulturgesellschaften.

2003 nahmen an den Deutschkursen des Goethe-Instituts 18.600 Personen teil. Darüber hinaus lernen in der Region rund 12.500 Erwachsene Deutsch bei privaten Anbietern. Es gibt in Lateinamerika 83 Hochschulen mit Deutsch als Fremdsprache/Germanistik. Rund 3.500 Studenten studieren Germanistik, rund 18.300 Studenten lernen Deutsch studienbegleitend.

Im Schulsystem ist Deutsch allerdings lediglich im südlichen Lateinamerika (Argentinien, Chile, Paraguay, Südbrasilien) zahlenmäßig relevant. An vielen Universitäten bestehen Germanistische Abteilungen, deren Studenten jedoch zum Teil nur über mangelnde Deutschkenntnisse verfügen. Der interfakultative Deutschunterricht, der vorwiegend durch DAAD-Lektoren gegeben wird, soll Abhilfe schaffen. Außerschulischer Deutschunterricht für Erwachsene wird in einigen Ländern nur von den Goethe-Instituten, Goethe-Zentren und deutsch-ausländischen Kulturgesellschaften angeboten. In den urbanen Ballungsräumen (Sao Paolo und Buenos Aires) gibt es zwar eine gewisse Zahl von privaten Anbietern. Derzeit ist leider aber an den meisten staatlichen Schulen und Hochschulen Lateinamerikas ein Mangel an gut ausgebildetem Lehrpersonal zu verzeichnen, so dass kein flächendeckendes Angebot an qualifiziertem Deutschunterricht besteht.

Von diesen Rahmenbedingungen ausgehend lassen sich für die Deutschförderung in Lateinamerika die Ziele formulieren :

  • den Bekanntheitsgrad der deutschen Sprache als Kultur-, Wissenschafts-, Wirtschafts- und Verkehrssprache zu erhöhen (z.B. durch gemeinsame Werbestrategie von allen deutschen Mittlern),
  • die positive Einstellung zur deutschen Kultur und zum Deutschlernen zu fördern,
  • Deutschunterricht in Schulen und tertiärem Bereich zu verstärken (z.B. durch Propagierung des europäischen Mehrsprachigkeitskonzepts),
  • die Qualität im Bereich des Lehrens und Lernens der deutschen Sprache zu sichern und auszubauen (z.B. durch Erstellung subregionaler Deutschlehr- und Ausbildungskonzepte),
  • die Netzwerkstrukturen mit den lokalen Multiplikatoren, Deutschlehrerverbänden und Mittlern auszubauen und zu stabilisieren (insb. Intensivierung der Verbandsarbeit),
  • ein bedürfnisorientiertes Sprachkurs- und Prüfungsangebot zu sichern und auszubauen (z.B. Fernlernkurse implementieren und betreuen, Angebot an Prüfungszentren).