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Reden und Artikel
Mittwoch, 12. Juli 2006
 
 
Verabschiedung Wolfgang Pfister
Grußwort zum 12. Juli 2006

Meine sehr geehrten Damen und Herren, lieber Wolfgang,

ich komme immer gerne hierher in die Zivildienstschule in Buchholz, keine Frage. Dieses Mal aber passt mir der Anlass nicht so recht. Lieber Wolfgang, dass wir Dich heute aus dem Dienst als Leiter der Schule verabschieden, stimmt mich traurig - schließlich bist Du bereits seit 22 Jahren an der Schule und nun auch schon seit sechs Jahren Leiter - und uns hat in dieser Zeit einiges verbunden.

Da ist zum einen der Kampf um den Standorterhalt der Schule. Ich habe mich schon Ende der 90er Jahre für den Standort-Erhalt eingesetzt, der ja nicht immer sicher war. 1998 beispielsweise stand bundesweit eine Entscheidung über die Standorte der Zivildienstschulen an - damals konnte aber erreicht werden, keine neuen Fakten zu schaffen, bevor nicht die Wehrstrukturkommission der Bundesregierung ihre Ergebnisse vorgestellt hat. Die schon sicher geglaubte Schließung der Schule konnte abgewendet werden.

Ich kannte Dich seinerzeit bereits als engagierten, kommunikativen Menschen, als einen, der sein Handeln an Grundwerten orientiert und seine Aufgaben ernst nimmt. Darum habe ich mich sehr gefreut, dass Du im Jahr 2000 zum Leiter der Zivildienstschule ernannt wurdest. In dieser Formation haben wir den Kampf um den Standorterhalt gemeinsam fortgeführt. Das war auch nicht immer leicht.

Ich habe dafür zahlreiche Gespräche mit den zuständigen Ministerien geführt, Du musstest Etatkürzungen kompensieren und dafür sorgen, dass die Arbeit an der Schule effizienter gestaltet wird. Das ist Dir ein ums andere Mal gelungen! Ich erinnere mich, dass 2003 ein großes Lob für diese Arbeit von Frau Hagedorn kam, seinerzeit die Hauptberichterstatterin Haushalt der SPD für den Bereich Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zu dem auch der Zivildienst und die Zivildienstschulen gehören. Frau Hagedorn erklärte damals die pädagogische und die betriebswirtschaftliche Leistung der Buchholzer Zivildienstschule für vorbildlich und hat Dich ermuntert, diesen Weg weiterzugehen.

Auch als es 2004 um die Frage der Mietverträge ging, haben wir es gemeinsam mit den anderen beteiligten Institutionen wie Familienministerium und Stadt geschafft, mit dem Gebäudeeigner einen Vertrag auszuhandeln, der den Standort gesichert hat. Zurzeit gibt es eine zugesagte Standortsicherung für weitere zwei Jahre bis 2008, die diesmal auch bewilligt wurde, ohne dass wir größere Schlachten schlagen mussten.

Um das alles zusammenzufassen: Ich bewundere, wie Du dich für den Standort in Buchholz eingesetzt hast, wie engagiert Du die Strukturen der Schule effizienter gemacht hast. Und das, wie das Lob von Frau Hagedorn zeigt, ohne dass es Qualitätseinbußen in den Lehrgängen, in der inhaltlichen Arbeit gab.

Aber wir haben hier auch auf anderer Ebene schon eine Menge auf die Beine gestellt, und die betrifft dein öffentliches Engagement. Es war Dir immer ein Anliegen, die Schule auch als Teil der Stadt zu verankern, das hast Du unermüdlich kommuniziert und viel dafür getan. Ich glaube, unsere gemeinsamen Veranstaltungen haben dazu auch ein Stück weit beigetragen.

Mit dem unabhängigen und überparteilichen Aktionskreis „Gesicht zeigen! im Landkreis Harburg“, bei dem Du auch Mitglied bist, konnten wir einige Male auf Dein Engagement und Deine Gastfreundschaft zurückgreifen. Der Aktionskreis setzt sich für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ein, und das war und ist Dir auch persönlich ein Anliegen. Was das Thema angeht, haben wir immer an einem Strang gezogen!

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Ausstellung des Bundesamtes für Verfassungsschutz zum Thema Rechtsextremismus, die wir in der Zivildienstschule zeigen konnten, das war 2002. Und auch in diesem Jahr haben wir schon eine gemeinsame Veranstaltung in diesen Räumen organisiert: Eine Lesung mit Jochen Missfeldt im März, einem Autor, der in seinem Roman „Steilküste“ ein irriges Todesurteil aus dem Zweiten Weltkrieg fiktional aufgearbeitet hat. Hinweisen möchte ich auch an die zahlreichen Zeitzeugenveranstaltungen, die der Aktionskreis mit Deiner tatkräftigen Unterstützung organisieren und durchführen konnte. Als ich also Anfang des Jahres von Dir erfuhr, dass vom Sommer an Dein wohlverdienter Ruhestand auf Dich wartet - obwohl ich mir gar nicht vorstellen kann, dass Du wirklich in den Ruhe-stand gehst - war ich erst einmal ziemlich überrascht. Dass es nun soweit ist, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Der zweite Schock kam gleich danach, als Du mir eröffnet hast, dass Du in Buchholz deine Zelte abbrechen willst. Aus meiner Sicht ist das sehr schade, weil die Stadt Buchholz einen sehr engagierten, lebensnahen und ideenreichen Menschen verliert. Vielleicht ist so verständlich, dass ich ein bisschen traurig bin, dass Du gehst.

Nichtsdestotrotz wünsche ich Dir natürlich für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, Gesundheit und viel Erholung. Ich bin sicher, Du wirst Dich weiterhin engagieren und Deinem Naturell treu bleiben.

Herr Hans-Ulrich Zastrow wird ja jetzt die Schule zunächst kommissarisch leiten, bis über einen neuen Leiter entschieden ist. Ich vertraue darauf, dass auch er die Schule in Deinem Sinne weiterführt, und wir auch in Zukunft gut zusammenarbeiten werden. Immerhin kennt Herr Zastrow die Zivildienstschule, weil er den Posten des Leiters vor Dir ja schon einmal innehatte.

Ich wünsche also beiden, Dir Wolfgang in der Ferne, und Ihnen, Herr Zastrow, mit den Aufgaben an der Zivildienstschule hier viel Erfolg!

Herzlichen Dank.