Die Berliner Republik - vielbeschworenes
Symbol des Aufbruchs, vereinigte Hauptstadt der vereinigten Bundesrepublik.
Doch wie erleben die Protagonisten des politischen Berlins die Hauptstadt?
Ist sie Party-Paradies oder Kungel-Klub?
Die Wahrheit liegt dabei wie immer
in der Mitte. Natürlich kreist das Leben der Abgeordneten während
der Sitzungswochen des Parlaments um festgefügte Termine: dienstags
Arbeitsgruppen und Fraktionssitzung, mittwochs mehr Arbeitsgruppen
und Ausschüsse, donnerstags Plenum. Dazwischen noch diverse Gespräche
mit Verbänden, Gruppen, anderen Parlamentariern oder Ministern.
Der Tag der Sitzungswoche müsste 30 Stunden haben, die 24 reichen
oft einfach nicht aus.
Zumal sich Politik nicht nur in
den Räumen des Reichstags oder den in Parlamentsnähe gelegenen Restaurants
abspielt. Vielmehr gibt es jeden Abend diverse Einladungen zu Empfängen,
parlamentarischen Abenden, Vorträgen und nicht zuletzt auch Partys.
Hier finden die informellen Gespräche statt, die geeignet sind,
verhärtete Fronten zu lockern und gemeinsame Projekte zu entwickeln.
Gerade für mich als Vorsitzende
des Ausschusses für Kultur und Medien gibt es viele Pflichttermine,
bei denen meine Präsenz als Repräsentantin des Ausschusses gefragt
ist. Hier macht sich die vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft
Berlins besonders bemerkbar. Kaum ein Abend, an dem nicht jene Ausstellung
eröffnet oder diese Premiere gefeiert wird. Auch wenn sich das nach
viel Spaß anhört, so ist es für uns als Parlamentarier doch auch
harte Arbeit. Denn natürlich finden derlei Veranstaltungen immer
auch zu Informationszwecken statt und dienen dem Austausch der Informationen
zwischen Parlamentariern und denen, die mit den Entscheidungen des
Bundestags in ihrer konkreten Arbeit umgehen müssen. Frühzeitig
mit Gruppen und Verbänden in Kontakt zu treten, ist für eine vernünftige
bürgerorientierte Politik also unerlässlich. Denn der gesellschaftliche
Konsens ist immer noch die beste Form der Politik. Und nur dessen
Ergebnisse werden dann letztendlich im Parlament Gesetz, die Vorarbeit
findet hinter den Kulissen statt und macht den Hauptteil der Arbeit
der Abgeordneten aus. Leere Reihen im Parlament sind also kein Zeichen
der Faulheit, sondern sind eine unvermeidliche Folge der repräsentativen
Demokratie.