ÜBERSICHT: Wahlkreisthemen > Meine Meinung > 2001

Meine Meinung
Donnerstag, 8. März 2001
 
zurück zur Übersicht Seite 1/1
Arbeiten in der Berliner Republik

Die Berliner Republik - vielbeschworenes Symbol des Aufbruchs, vereinigte Hauptstadt der vereinigten Bundesrepublik. Doch wie erleben die Protagonisten des politischen Berlins die Hauptstadt? Ist sie Party-Paradies oder Kungel-Klub?

Die Wahrheit liegt dabei wie immer in der Mitte. Natürlich kreist das Leben der Abgeordneten während der Sitzungswochen des Parlaments um festgefügte Termine: dienstags Arbeitsgruppen und Fraktionssitzung, mittwochs mehr Arbeitsgruppen und Ausschüsse, donnerstags Plenum. Dazwischen noch diverse Gespräche mit Verbänden, Gruppen, anderen Parlamentariern oder Ministern. Der Tag der Sitzungswoche müsste 30 Stunden haben, die 24 reichen oft einfach nicht aus.

Zumal sich Politik nicht nur in den Räumen des Reichstags oder den in Parlamentsnähe gelegenen Restaurants abspielt. Vielmehr gibt es jeden Abend diverse Einladungen zu Empfängen, parlamentarischen Abenden, Vorträgen und nicht zuletzt auch Partys. Hier finden die informellen Gespräche statt, die geeignet sind, verhärtete Fronten zu lockern und gemeinsame Projekte zu entwickeln.

Gerade für mich als Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien gibt es viele Pflichttermine, bei denen meine Präsenz als Repräsentantin des Ausschusses gefragt ist. Hier macht sich die vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft Berlins besonders bemerkbar. Kaum ein Abend, an dem nicht jene Ausstellung eröffnet oder diese Premiere gefeiert wird. Auch wenn sich das nach viel Spaß anhört, so ist es für uns als Parlamentarier doch auch harte Arbeit. Denn natürlich finden derlei Veranstaltungen immer auch zu Informationszwecken statt und dienen dem Austausch der Informationen zwischen Parlamentariern und denen, die mit den Entscheidungen des Bundestags in ihrer konkreten Arbeit umgehen müssen. Frühzeitig mit Gruppen und Verbänden in Kontakt zu treten, ist für eine vernünftige bürgerorientierte Politik also unerlässlich. Denn der gesellschaftliche Konsens ist immer noch die beste Form der Politik. Und nur dessen Ergebnisse werden dann letztendlich im Parlament Gesetz, die Vorarbeit findet hinter den Kulissen statt und macht den Hauptteil der Arbeit der Abgeordneten aus. Leere Reihen im Parlament sind also kein Zeichen der Faulheit, sondern sind eine unvermeidliche Folge der repräsentativen Demokratie.

 
Diese Kolumne finden Sie auf: www.monika-griefahn.de