Castor = "Cask for storage and transport
of radioactive material" - diese sechs Buchstaben symbolisieren
eine seit langer Zeit heftig geführte Auseinandersetzung. Seit 1996
gibt es Rücktransporte von Wiederaufarbeitungsabfällen aus Frankreich
in die Bundesrepublik. Am 5. März 1997 rollte der letzte Transport
dieser Art von La Hague nach Gorleben. Am Montag dieser Woche war
es wieder so weit: am Abend startete Rücktransport aus La Hague
in das Zwischenlager Gorleben. Es war der bisher größte Transport
dieser Art. Rund 85 Tonnen Atommüll enthielten die sechs Castoren.
Als Umweltministerin von Niedersachsen war ich ständig mit der Atommüllentsorgung
beschäftigt. Schon immer habe ich mich dafür eingesetzt, die Anzahl
der Atomtransporte zu minimieren. Sobald bekannt geworden war, dass
die von den Castoren während des Transportes ausgehende Strahlung
die zulässigen Strahlenwerte der Strahlenschutzverordnung überschritt,
habe ich ein Moratorium gefordert, obwohl ich grundsätzlich glaube,
dass wir den deutschen Atommüll nicht in Frankreich lassen dürfen.
Die damalige Umweltministerin Merkel ließ sich schließlich, 1997,
für einen Transportstopp gewinnen.
Was damals richtig war, ist es heute
immer noch. Die Lösung des Problems muß auf zweierlei Wegen erfolgen:
durch die Reduzierung der Produktion von Atommüll - mit dem von
der Bundesregierung beschlossenen Ausstieg kommen wir diesem Ziel
Schritt für Schritt näher - und mit der Zwischenlagerung dieses
Mülls an den Kraftwerkstandorten, bis ein Endlager gefunden worden
ist. Dies hat noch einen weiteren Vorteil: auch ein abgeschaltetes
AKW muß gewartet und bewacht werden; das dort eingesetzte qualifizierte
Personal könnte zugleich die Sicherung der Atommülllagerung übernehmen.
Damit bleiben die Arbeitsplätze an den Standorten erhalten. Der
Müll wird nicht unnötig durch die Gegend gekarrt und man verursacht
nicht noch mehr Müll durch die Wiederaufbereitung. Auch dieses Ziel
ist zum Großteil bereits in der Umsetzungsphase. Zwei dezentrale
Zwischenlager, am AKW Obrigheim und am stillgelegten AKW Greifswald,
sind bereits 1999 in Betrieb gegangen und die Betreiber aller Kernkraftwerke,
außer Mühlheim-Kärlich, das stillgelegt wird, haben Zwischen- bzw
Interimslager beantragt.
Ein sofortiger Stopp aller Transporte
ist im Augenblick noch nicht möglich. Wir müssen uns an die getroffenen
Absprachen halten, dazu ist die Bundesrepublik völkerrechtlich verpflichtet.
Wir wollen aus der Wiederaufbereitung aussteigen; im Atomkonsens
ist das Jahr 2005 verabredet. Wir wollen die massive Förderung alternativer
Energien (100.000-Dächer-Programm, KWK-Gesetz u.a.) und Energieeinsparmaßnahmen
(Wärmeschutzverordnung, Energiepässe). Die deutschen Energieunternehmen
können viel schneller auf Atomkraft verzichten als im Atomkonsens
festgeschrieben. Schon heute reden Manager der RWE vom "virtuellen
Kraftwerk". Das bedeutet, dezentrale Energiequellen, z.B. Brennstoffzellen
auf Hausdächern, über Datenverarbeitung zu vernetzen statt Großkraftwerke
zu haben, die Strom verteilen.