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Meine Meinung
Donnerstag, 19. April 2001
 
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MKS - Zeit zum Umdenken?

Die Maul- und Klauenseuche steht vor den Toren der Bundesrepublik. Im Westen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens bereiten sich die Landwirte auf das Schlimmste vor. Es scheint letztlich nur eine Frage der Zeit, bis die Seuche auch auf Deutschland übergreift. Verbraucherschutzministerin Künast versucht auf europäischer Ebene präventive Impfungen umzusetzen, was jedoch am massiven Widerstand der fleischexportierenden Länder scheitert. Doch wo liegen die Ursachen für die schnelle Verbreitung des Erregers?

Zum einen ist das Virus hochansteckend, andererseits wird durch die immer mehr werdenden Tiertransporte der Virus auch in der Fläche sehr schnell verbreitet. Hier liegt auch die Lehre, die die Landwirtschaft langfristig ziehen sollte. In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat die Entwicklung hin zu einer weitgehend industrialisierten Viehwirtschaft massiv zugenommen. Dies ist vor allem in Großbritannien besonders ausgeprägt - mit einer der Gründe, dass sich sowohl BSE als auch MKS dort besonders schnell ausbreiten konnten. Auch wenn für MKS der Zug schon abgefahren ist, so müssen wir doch darüber nachdenken, wie wir in Zukunft mit solchen Situationen umgehen und, noch wichtiger, wie wir die Risiken der Entstehung minimieren können. Hier ist der Vorschlag von Frau Künast, schrittweise zur ökologischen bzw. regionalisierten Landwirtschaft zu gehen, sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Hier ist der Landkreis Harburg schon sehr weit, die Wege vom Bauern zum Schlachthof zum Verbraucher sind hier besonders kurz. Nichts desto trotz hat Deutschland noch große Anstrengungen vor sich, um ökologische Katastrophen wie BSE oder MKS in Zukunft zu verhindern. Verbrennungsaktionen wie in Großbritannien liefern keine Lösung: erstens transportieren sie das Virus, zweitens sind das mittelalterliche Methoden, um das vermeintlich Böse zu vertreiben - was aber nicht funktioniert (siehe erstens). Es geht weiter bei der Frage der Futtermittel: es kann nicht ausreichen, auf Vorfälle zu reagieren, vielmehr müssen sich Politik und landwirtschaftliche Betriebe bereits im Vorfeld darüber klar werden, wo die Risiken moderner Viehwirtschaft liegen und wie weit die Industrialisierung gehen kann, ohne dass der Verbraucher mit unzumutbaren Konsequenzen konfrontiert wird. Dass es dafür nunmehr ein eigenes Verbraucherschutzministerium gibt, ist gut und richtig, es kann aber nicht ausreichen. Es gilt, in Zusammenarbeit mit Tierschutzverbänden, Wissenschaftlern, Landwirten und Verbraucherverbänden ein System der Viehwirtschaft zu entwickeln, das zukunftsfähig ist. Die Verbraucher haben Macht, sie haben die Wahl zwischen Produkten aus lokaler Produktion und industriell hergestelltem Fleisch. Und es wirkt. Leider haben aber die Ökohöfe und die Spezialschlachthöfe dank reißendem Absatz inzwischen Stillstand. Es geht also auch um einen höheren Preis.

 
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