In Winsen gab es am letzten Samstag
einen Europatag, den die Europa-Union koordiniert hat.
Der Bundeskanzler hat die Diskussion
weitergebracht, die Sozialdemokraten Europas haben sich am Anfang
der Woche in Berlin mit dem Thema befasst. Ein halbes Jahr nach
dem gescheiterten Gipfel von Nizza gibt es endlich wieder eine Diskussion
um Europa. Und der Kanzler setzt die Akzente richtig, auch der Europaminister
Moscivici aus Frankreich setzt sich für eine Föderation europäischer
Staaten ein.
Die EU muss demokratisiert werden.
Dem Europaparlament endlich volle Haushaltsmacht zu geben, ist die
Grundlage einer echten Bürgerbeteiligung. Dies gilt auch und gerade
für die EU-Kommission, die längst eine europäische Über-Regierung
darstellt, aber nur sehr begrenzt parlamentarischer Kontrolle unterliegt.
Dieses Demokratiedefizit führt unter anderem, dazu, dass der bisher
lose Staatenverbund sich nicht zu einem wirklich geeinten Europa
entwickelt. Doch wie kann es gelingen, ein Europa zu schmieden,
aus so vielen verschiedenen Kulturen und Nationen? Die Einbindung
der Bürger in die Entscheidungsprozesse spielt eine wesentliche
Rolle, gleichzeitig muss auch das föderale Element stärker betont
werden: Brüssel kann zwar vieles regeln, doch angesichts der Größe
und der sehr differenzierten Lebenssituationen der Bürger zwischen
Lappland und Gibraltar, und später zwischen Brest und Krakau, besteht
die Gefahr, dass viele Entscheidungen schlicht nicht sachgerecht
sein können, da die Problemlösungen regional differenzierter sein
müssen. Dabei darf eine Stärkung des Föderalgedankens nicht die
Schwächung des Europäischen Integrationsprozesses zur Folge haben.
Beides ist notwendig, auch wenn sich das widersprüchlich anhört.
Letztlich läuft es auf die Frage
hinaus, ob es der Politik gelingt, bei den Bürgern eine Akzeptanz
für Europa herzustellen, und zwar dadurch, dass in allen Ebenen
(Kommune, Land, Nation, Europa) die jeweiligen Zuständigkeiten klar
definiert und abgegrenzt werden. Nicht befördert wird dies allerdings
durch kleinkarierte Kompetenzverteilungsdebatten, in denen sich
wenige deutsche Ministerpräsidenten in der Vergangenheit hervorgetan
haben. Auch bei ihnen ist noch Werbearbeit für den europäischen
Gedanken zu leisten- als politisches Leitmotiv, das Sicherheit und
Stabilität in Deutschland bringen wird, also in unserem eigenen
Interesse ist. Es gibt viele Sachverhalte, die auf regionaler und
kommunaler Ebene besser geregelt werden können, doch schmälert dies
nicht die Wichtigkeit einer stärkeren europäischen Koordination
und damit einer gestärkten europäischen Komponente - auch und gerade
im Kräftespiel zwischen den USA, Russland und China muss die EU
gemeinsam agieren.
In der Konsequenz wird eine europäische
Einigung nur dann von den Bürgern mitgetragen, wenn sie an Europa
partizipieren können. Hier geht es vor allem um eine stärkere Verankerung
und einen Kompetenzzuwachs des Parlaments und die Möglichkeit der
Bürger in Europa auch direkt Problemlösungen mit zu initiieren.
Europa wird heute oftmals als rein
wirtschaftlicher Staatenbund gesehen. Soziale, ökologische und kulturelle
Elemente wurden und werden im europäischen Kontext vernachlässigt.
Will man aber die europäische Vision verwirklichen, muss sich die
EU weg von einem Europa der Konzerne zu einem Europa der Menschen
entwickeln.