Seit Samstag vorvergangener Woche
ist die jahrelange Regentschaft des Regierenden Bürgermeisters Eberhard
Diepgen in der deutschen Hauptstadt vorbei. Die Berliner CDU musste
endlich die Konsequenz aus ihrer inkompetenten Regierungsführung
ziehen: gemeinsam mit Grünen und PDS hat die SPD die Ära Diepgen
mit einem konstruktiven Misstrauensvotum beendet. Mit der selben
Mehrheit wurden dann der neue Regierende Klaus Wowereit und sein
rot-grüner Senat gewählt.
Nach zehn Jahren steht wieder ein
Sozialdemokrat an der Spitze der Stadt, genau zehn Jahre nachdem
sich das Parlament in Bonn für Berlin als Regierungssitz der Bundesrepublik
Deutschland entschieden hat und deren Politik dadurch ins Zentrum
der Aufmerksamkeit gerückt ist.
Mit Klaus Wowereit wird sich in
dieser Stadt viel bewegen. Der neue Regierende Bürgermeister hat
sich nicht nur durch seine profunden Kenntnisse der Haushaltspolitik
einen Namen gemacht, er ist auch ein Kunstkenner und -liebhaber.
Zum ersten Mal gibt es nun die Chance, dass die Kulturpolitik von
einer Außenseiterposition zur Chefsache wächst. Dies ist auch ein
Zeichen an andere Städte und Länder der Kultur, wieder den Platz
einzuräumen der ihr gebührt.
Bereits mit der Besetzung wichtiger
Posten im Senat hat Wowereit deutlich gemacht, dass es ihm ernst
ist. Der neue Chef der Senatskanzlei und die Kulturstaatssekretärin
sind beide Kulturkenner und werden sich sicher für den weiteren
Ausbau der Kulturmetropole Berlin einsetzen.
Jedoch sind sich alle Parteien darüber
einig, dass bald Neuwahlen anberaumt werden, um die Stimme der Wähler
über den neuen Senat entscheiden zu lassen. Denn nur so können die
Probleme der Stadt wirksam gelöst werden: mit dem Zusammenspiel
einer neuen Mehrheit, wird die Politik wieder klar und transparent
gestaltet.
Sachpolitik muss jetzt in Berlin
wie auch beim Bund über Lagerdenken stehen. Besonders wichtig ist,
den Skandal bei der Berliner Bank aufzuklären und die Finanzkrise
anzupacken. All das wird auch unangenehme Entscheidungen mit sich
bringen. Die Wahl in Berlin kann heute schon einen großen Symbolcharakter
für die gesamtdeutsche Politik haben. So werden die Wähler zeigen,
ob Vertrauen in die Politik wieder aufgebaut werden kann und sie
auch notwendige Sparmaßnahmen mittragen. So zeigt auch die Entwicklung
in Berlin und die Einbeziehung der PDS an Entscheidungen der SPD
einen Weg zur weiteren Annäherung von Ost und West.
Wollen wir hoffen, dass alle Beteiligten
vernünftig mit dieser Verantwortung umgehen! Eine spannende Zeit!