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Meine Meinung
Donnerstag, 11. Oktober 2001
 
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Engagement beugt vor!

Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben es deutlich gemacht: Demokratie lebt vom Mitmachen! Ob nun die Feuerwehrleute am Ground Zero oder die Polizisten, die letzte Woche ein Skinheadkonzert in Tostedt aufgelöst haben, sie stehen an der Spitze und machen ihren Job bravourös und mit großem Engagement. Doch letztlich bekämpfen sie nur die Folgen eines Übels. Die Wurzeln der Extremen, ob Neonazis oder Terrorbanden, liegen tiefer und müssen von uns allen bekämpft werden. Bürgerschaftliches Engagement, so sperrig dieses Wort auch ist, ist zwingend notwendig, extreme Tendenzen erst gar nicht zuzulassen. Dabei gibt es keine Staatsgrenzen. Wie sich Terrorbanden und Neonazis global organisieren, muss auch der Widerstand und die positiven Aktivitäten, Solidarität und Mitmenschlichkeit, global sein.

Die Formen sind dabei vielfältig: durch Demonstrationen und Aktionen können wir deutlich zu machen, dass öffentlichkeitswirksame Aufmärsche von Neonazis nicht Mehrheitsmeinung darstellen und auch nicht geduldet werden. Aber auch die aktive Arbeit in sozialen, politischen oder karitativen Organisationen, in Selbsthilfe- und Eine-Welt-Programmen.

Für den islamistischen Terrorismus gilt: Integration und Bekämpfung von Armut sind die besten Waffen gegen den Terror, der auch aus Deutschland organisiert und unterstützt wird. Je größer die Integration von muslimischen Mitbürgern, desto geringer die Chance, dass hier lebende Muslime sich radikalen Gruppen anschließen und Nährboden schaffen. Ein Dank gilt an dieser Stelle all denen, die seit Jahren sich engagiert um das Zusammenleben von verschiedenen Nationen und Religionen kümmern. Allzu häufig fehlt die breite Unterstützung.

Noch wichtiger geworden ist es, auf die hier lebenden Muslime zuzugehen und zu verstehen: Muslime sind genauso wenig geborene Terroristen, wie Deutsche geborene Neonazis sind. Pauschalisierung und darauf folgende Diskriminierung tragen nicht zu mehr Sicherheit bei, im Gegenteil verstärken sie nur die Probleme.

Auch weltweit geht es darum, den Ursachen und Gründen für den Terror auf den Grund zu gehen. Die Kontroverse um die Äußerungen der Schriftstellerin Roy und Ulrich Wickert präsentieren nur einen Teilaspekt der Gründe. Die Diskussion muß jetzt intensiv geführt werden. Dauerhafter weltweiter Frieden kann nur durch eine dauerhafte weltweite Bekämpfung von Armut und Unterdrückung erfolgen. Denn in der individuellen Situation liegen die Ursachen für Fanatismus, nicht in einer Religion.

Ich bin Mitglied der Jury des "Alternativen Nobelpreises". Besonders gewürdigt haben wir dieses Jahr die Gruppe "Gush Shalom", die sich seit Jahren für die Verständigung von Palästinensern und Israelis, die Gruppe Trident Ploughshares, die in England für weltweite Abrüstung kämpft und den katholischen Befreiungstheologen Boff aus Brasilien und den Venezuelaner Abreu, der Kinder mit Musik von der Strasse und damit von Gewalt und Kriminalität wegbringt. Für mich sind diese Menschen Ermutigung in einer Zeit, in der Verunsicherung über Globalisierung herrscht. Lassen Sie uns gemeinsam für eine friedlichere Welt einsetzen.

 
Diese Kolumne finden Sie auf: www.monika-griefahn.de