Seit drei Tagen halten wir und die
Menschen in elf anderen Ländern ihn alle in unseren Händen - den
EURO. Verbunden mit einer logistischen Herausforderung gigantischen
Ausmaßes für Handel, Banken und Automatenaufsteller ist die neue
europäische Währung nun endlich Realität geworden. Damit gehen wir
einen weiteren großen Schritt in Richtung einer wahren europäischen
Integration. Für einige von uns ist der Abschied von der altbekannten
D-Mark - ich selber habe auch nichts anderes gekannt- auch mit ein
wenig Wehmut verbunden. Die Mark war Garant für Stabilität und Wohlstand
und Symbol des Aufbruchs nach dem Krieg. Doch in einer veränderten
Welt, in der die wirtschaftliche Globalisierung immer weiter fortschreitet,
müssen wir neue Wege gehen. Der Euro bietet die Chance, den Wohlstand
und die Stabilität, die die D-Mark den Deutschen gegeben hat, zu
mehren und zu einer gemeinsamen Kraft für alle Europäer werden zu
lassen.
Auch wenn sich noch nicht alle EU-Staaten
für die Einheitswährung entschieden haben, so entsteht durch den
Euro doch schon jetzt ein riesiger Wirtschaftsraum, den es zwar
bisher schon mit der Freiheit des Binnenmarktes und der Freizügigkeit
für Arbeitnehmer gab, der aber durch die einheitliche Währung einen
neuerlichen Schritt zu einer wirklichen Einheit macht. Es handelt
sich bei der Einführung des Euro um einen wirklich historischen
Vorgang. Nie zuvor in der Geschichte Europas gab es eine so enge
Kooperation der Staaten Europas. Der Euro steht damit in einer Reihe
mit den anderen großen Maßnahmen zur Europäischen Integration, wie
dem Binnenmarkt oder den Verträgen von Maastricht. Ich bin überzeugt,
dass der große Vordenker eines geeinten Europas, Robert Schuman,
in den 50er und 60er Jahren nicht mit einer so raschen und so weitgehenden
Lösung gerechnet hat, als er seine Vision skizzierte.
Doch die Gewöhnung an den Euro wird
nicht für alle Nationen gleichermaßen einfach werden. Wir Deutschen
haben es mit der Umrechnung relativ leicht: ein Euro entspricht
etwa zwei D-Mark. Für die Griechen oder die Österreicher wird die
Umstellung wohl etwas komplizierter. Hier ist ein Euro 341 Drachmen
bzw. 13,76 Schilling wert. Da wird ein Preisvergleich ungleich schwieriger!
Nach der Einheit des Geldes wird es wichtig, die nächsten Schritte
für eine europäische, politische und soziale Union voranzutreiben.
Die Einrichtung eines Konvents, der an einer europäischen Verfassung
arbeitet, stellt die nächste Chance dar: mit der Erweiterung um
unsere östlichen und südlichen Nachbarstaaten schaffen wir eine
starke wirtschaftliche und politische Region neben anderen wichtigen
Weltregionen wie Nordamerika oder Asien.
Ich denke, dass wir schon in wenigen
Wochen selbstverständlich mit dem Euro umgehen werden. So selbstverständlich
sollte in naher Zukunft dann auch das politische, soziale und vor
allem der menschliche Umgang miteinander in Europa sein. Ich wünsche
Ihnen ein glückliches Jahr 2002!