Am 30.1.02 wird der Bundestag nach
einem gründlichen argumentativen Vorbereitungsprozess einen Beschluss
zum Import embryonaler Stammzellen nach Deutschland fassen. In Deutschland
ist nach dem Embryonenschutzgesetz jede Nutzung von Embryonen, die
nicht der Herbeiführung einer Schwangerschaft dient, verboten. Für
den Import embryonaler Stammzellen ist dort keine ausdrückliche
Regelung getroffen. Diese Frage muss der Gesetzgeber daher jetzt
klären. Unterschiedliche Meinungen bestehen hier quer durch alle
fünf Fraktionen des Bundestages. Somit liegen dem Bundestag nun
mehrere interfraktionelle Anträge und ein Antrag der CSU-Fraktion
vor, der allerdings auch nur die Ansicht eines Teiles der Fraktion
widerspiegelt. Über die Anträge wird kontrovers gestritten und abgestimmt
werden.
Die Befürworter eines Imports argumentieren
mit den Möglichkeiten, die die Forschung an embryonalen Stammzellen
insbesondere bei der Behandlung erblicher Krankheiten bieten könnte;
die Gegner führen insbesondere ethische Bedenken ins Feld.
Die Entscheidung wird sicher keinem
Abgeordneten leichtfallen. Ich habe mich nach sorgfältiger Abwägung
entschieden, für den interfraktionellen Antrag zu stimmen, der einen
Import embryonaler Stammzellen ablehnt.
Die Gewinnung embryonaler Stammzellen
ist immer mit der Tötung von Embryonen verbunden. Mit der Zulassung
des Imports würden wir implizit auch jede Art der Gewinnung gut
heißen. Dies widerspricht jedoch elementar meinem Verständnis vor
Artikel eins des Grundgesetzes, der an die Spitze unserer Verfassung
die Unantastbarkeit der Menschenwürde gesetzt hat!
Meiner Ansicht nach würde mit dem
Import von Stammzellen nach Deutschland eine Zwei-Klassen-Gesellschaft
der Embryonen geschaffen; diejenigen, "deutschen" Embryonen, die
auch weiterhin, durch das Embryonenschutzgesetz geschützt werden,
und die, "ausländischen" Embryonen, deren, auch kommerzieller Nutzung
nichts mehr im Wege stehen würde. Eine solche Trennung ist für mich
nicht vertretbar! Dies könnte sogar so weit führen, dass Frauen,
vor allem in ärmeren Ländern, als "Rohstofflieferantinnen" für deutsche
Labore herhalten müssten. Soviel uns die Forschung auch von der
Arbeit mit Stammzellen verspricht, so rechtfertigen doch die möglichen
Ergebnisse nicht derart frappierende Eingriffe in das werdende Leben
-zumal alternative Methode wie etwa die Nutzung adulter Stammzellen
zur Verfügung stehen! Im übrigen ist Deutschland Weltspitze in der
Adulten-Stammzellenforschung. Diese Führungsposition gerät in Gefahr,
wenn durch den Einstieg in die embryonale Stammzellenforschung vorhandene
Finanzmittel aufgeteilt werden müssten.
Außerdem trügt die weitverbreitete
Ansicht, man benötige nur ein paar überzählige Embryonen für die
Forschung. Das Beispiel Großbritannien, wo seit 1990 - unter strengen
Auflagen - Forschung an bis zu 14 Tagen alten Embryonen gestattet
ist, zeigt, dass in diesen zehn Jahren fast 54 000 überzählige Embryonen
für die Wissenschaft verbraucht wurden, ohne dass die Erwartungen
der Kranken erfüllt worden wären. Dabei wird es nicht bleiben, zig-Tausende
wird man noch brauchen. Und: ohne immer neue weibliche Eizellen
ist Stammzellenforschung nicht möglich...