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Meine Meinung
Donnerstag, 24. Januar 2002
 
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Keine "verbrauchende" Embryonenforschung!

Am 30.1.02 wird der Bundestag nach einem gründlichen argumentativen Vorbereitungsprozess einen Beschluss zum Import embryonaler Stammzellen nach Deutschland fassen. In Deutschland ist nach dem Embryonenschutzgesetz jede Nutzung von Embryonen, die nicht der Herbeiführung einer Schwangerschaft dient, verboten. Für den Import embryonaler Stammzellen ist dort keine ausdrückliche Regelung getroffen. Diese Frage muss der Gesetzgeber daher jetzt klären. Unterschiedliche Meinungen bestehen hier quer durch alle fünf Fraktionen des Bundestages. Somit liegen dem Bundestag nun mehrere interfraktionelle Anträge und ein Antrag der CSU-Fraktion vor, der allerdings auch nur die Ansicht eines Teiles der Fraktion widerspiegelt. Über die Anträge wird kontrovers gestritten und abgestimmt werden.

Die Befürworter eines Imports argumentieren mit den Möglichkeiten, die die Forschung an embryonalen Stammzellen insbesondere bei der Behandlung erblicher Krankheiten bieten könnte; die Gegner führen insbesondere ethische Bedenken ins Feld.

Die Entscheidung wird sicher keinem Abgeordneten leichtfallen. Ich habe mich nach sorgfältiger Abwägung entschieden, für den interfraktionellen Antrag zu stimmen, der einen Import embryonaler Stammzellen ablehnt.

Die Gewinnung embryonaler Stammzellen ist immer mit der Tötung von Embryonen verbunden. Mit der Zulassung des Imports würden wir implizit auch jede Art der Gewinnung gut heißen. Dies widerspricht jedoch elementar meinem Verständnis vor Artikel eins des Grundgesetzes, der an die Spitze unserer Verfassung die Unantastbarkeit der Menschenwürde gesetzt hat!

Meiner Ansicht nach würde mit dem Import von Stammzellen nach Deutschland eine Zwei-Klassen-Gesellschaft der Embryonen geschaffen; diejenigen, "deutschen" Embryonen, die auch weiterhin, durch das Embryonenschutzgesetz geschützt werden, und die, "ausländischen" Embryonen, deren, auch kommerzieller Nutzung nichts mehr im Wege stehen würde. Eine solche Trennung ist für mich nicht vertretbar! Dies könnte sogar so weit führen, dass Frauen, vor allem in ärmeren Ländern, als "Rohstofflieferantinnen" für deutsche Labore herhalten müssten. Soviel uns die Forschung auch von der Arbeit mit Stammzellen verspricht, so rechtfertigen doch die möglichen Ergebnisse nicht derart frappierende Eingriffe in das werdende Leben -zumal alternative Methode wie etwa die Nutzung adulter Stammzellen zur Verfügung stehen! Im übrigen ist Deutschland Weltspitze in der Adulten-Stammzellenforschung. Diese Führungsposition gerät in Gefahr, wenn durch den Einstieg in die embryonale Stammzellenforschung vorhandene Finanzmittel aufgeteilt werden müssten.

Außerdem trügt die weitverbreitete Ansicht, man benötige nur ein paar überzählige Embryonen für die Forschung. Das Beispiel Großbritannien, wo seit 1990 - unter strengen Auflagen - Forschung an bis zu 14 Tagen alten Embryonen gestattet ist, zeigt, dass in diesen zehn Jahren fast 54 000 überzählige Embryonen für die Wissenschaft verbraucht wurden, ohne dass die Erwartungen der Kranken erfüllt worden wären. Dabei wird es nicht bleiben, zig-Tausende wird man noch brauchen. Und: ohne immer neue weibliche Eizellen ist Stammzellenforschung nicht möglich...

 
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