Nach der Änderung des Stiftungssteuerrechts
im Jahre 2000 hat der Bundestag am Donnerstag vergangener Woche
weitere zivilrechtliche Änderungen auf den Weg gebracht, die
dazu beitragen sollen, die Motivation zum Stiften noch weiter zu
stärken. Insgesamt stecken in Deutschland 3,6 Billionen Euro
in Vermögenswerten. Wenigstens einen Teil davon für das
Gemeinwesen abzuzweigen, ist Ziel der Gesetzgebung.
Durch die Änderungen im Stiftungssteuerrecht
ist es bereits gelungen, einen Stiftungsfrühling einzuläuten:
gab es 1990 nur 181 Neugründungen, so ist diese Zahl in 2001
auf über 1000 gestiegen. Mit den zivilrechtlichen Reformen
wollen wir diesen Trend fortsetzen und steigern. So wollen wir Anerkennungsverfahren
bundeseinheitlich und transparenter gestalten sowie potentiellen
Stifterinnen und Stiftern ein Recht auf Stiftung einräumen.
Schließlich wollen wir mehr Stiftungen.
Es muss dabei klar sein, dass Stiftungen
nicht staatliches Handeln und staatliche Aufgaben ersetzen. Gemeinnützige
Stiftungen dienen der Gesellschaft, indem sie Projekte und Initiativen
voranbringen, die ansonsten vielleicht nicht gemacht würden.
Sie sind eine zusätzliche Säule der Zivilgesellschaft!
Gerade für mich als Kulturpolitikerin
ist die neue Gesetzgebung ein Glücksfall. Schließlich
sollen dadurch nicht unwesentliche Geldquellen für den kulturellen
Bereich erschlossen werden und gleichzeitig auch die spezifischen
Interessen der Stifter erfüllen. Eine Stiftungskultur wie in
den USA, wo so berühmte Namen wie Guggenheim oder Jones Synonym
für gesellschaftliches Engagement sind, ist zwar noch weit
entfernt, doch die Entwicklung der letzten Jahren ermutigt mich,
dass das Engagement von Mäzenen kulturelle Vielfalt unbürokratisch
sicherstellt. Auch der Staat, insbesondere die Bundesebene, engagiert
sich vermehrt: So wird am 21.03.02 die konstituierende Sitzung der
Kulturstiftung des Bundes in Halle stattfinden. Diese Sitzung wird
2002 12,5 Mio. €, 2003 25 Mio. € und ab 2004 37,5 Mio.
€ für innovative Kunst und Projekte des internationalen
Kulturaustausches ausschütten können.
Neben den Einzelstiftungen sprießen
auch die Bürgerstiftungen. Im Juli 2001 ist die 1000er-Marke
überschritten worden. Denn nicht nur die großen Stiftungen
werden finanziell und ehrenamtlich stärker unterstützt.
Auch das Engagement vieler Menschen, die in ihrer direkten Umgebung
etwas verändern oder verbessern wollen, haben wir erleichtert.
In jedem von uns steckt ein Mäzen, ich möchte Sie ausdrücklich
einladen, sich auch zu engagieren! Viele Aufgaben warten auch bei
uns im Landkreis!