Was mit dem Eintritt des Abgeordneten
Jamal Karsli in die FDP bzw. deren NRW-Landtagsfraktion begann,
setzte sich in der Debatte um das neue Buch von Martin Walser, "Tod
eines Kritikers", fort und erschüttert die politische Landschaft.
Dabei treten Ressentiments in einer Deutlichkeit zutage, die in
der deutschen Politik ihresgleichen suchen.
Auch wenn Kritik an der Politik
Israels gestattet sein kann und muss - und im übrigen auch von der
Bundesregierung geleistet wird -, so ist die Grenze des Zulässigen
deutlich überschritten, wenn als Ursache für den Antisemitismus
die Regierung Sharon und ein Mitglied des Zentralrates der Juden
in Deutschland ausgemacht werden. Menschen jüdischen Glaubens für
antisemitische Ressentiments verantwortlich zu machen, ist vergleichbar
mit dem Argumentationsmuster, Ausländern die Schuld für rassistische
Gewalt zu geben - ein klassisches Erklärungsschema der extremen
Rechten. Doch damit nicht genug: mit den Äußerungen von Jürgen Möllemann
über Michel Friedman hat der Skandal innenpolitische Dimensionen
erreicht. Es überrascht kaum, dass Applaus für das, was Möllemann
die "Emanzipation der Demokraten" nennt, aus der ganz rechten Ecke
kommt. Die FDP kündigt einen demokratischen Konsens auf, der die
Bundesrepublik seit ihrem Bestehen geprägt hat: das Bekenntnis zum
Staat Israel und der Selbstverständlichkeit des Miteinanders von
Bürgern nichtjüdischen und jüdischen Glaubens in Deutschland, wobei
unsere jüdischen Mitbürger deutsche Bürger mit einem Glauben sind,
der nach dem Grundgesetz für alle frei wählbar ist. Klar ist, dass
sich die Bundesregierung stark dafür einsetzt, dass sowohl der Bestand
des Staates Israel geschützt wird, als auch die Palästinenser endlich
einen eigenen Staat bekommen.
Mit seinem sogenannten "Tabubruch"
manövriert Möllemann die FDP auf ihrem "Weg zur 18" ins politische
Abseits. Bedeutende Liberale wie Hildegard Hamm-Brücher und Hans-Dietrich
Genscher haben sich von Möllemann distanziert. Wolfgang Lüder, ehemaliger
Bundestagsabgeordneter der FDP, hält seine Partei momentan für nicht
wählbar! Guido Westerwelle dagegen ist es nicht gelungen, sich in
der notwendigen Deutlichkeit von den rechtspopulistischen Äußerungen
seines Stellvertreters abzugrenzen. Der Chefliberale bemüht sich
nur aufgrund des öffentlichen Protestes zurück zu rudern - es bleibt
mehr als ein schaler Nachgeschmack. Das kann die Gemeinschaft der
Demokraten nicht honorieren. Ich bitte alle Bürgerinnen und Bürger
des Landkreises Harburg sich nicht darauf einzulassen, jemanden
zu verurteilen, nur weil man ihn eventuell unsympathisch findet.
Mißtrauen sie den allzu einfachen Antworten und Klischees der Möllemanns.
Lassen Sie uns gemeinsam bei der Ablehnung von Rassismus und Antisemitismus
bleiben - nicht nur am Wahltag sondern immer und überall, im Sinne
von "Gesicht zeigen" im Landkreis Harburg!