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Meine Meinung
Donnerstag, 16. Januar 2003
 
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Freundschaft, die arbeiten muss

Die Begründung der deutsch-französischen Zusammenarbeit jährt sich in der nächsten Woche zum vierzigsten Mal. Das Verhältnis beider Länder ist über Jahrhunderte auf immer andere Art und Weise besonders und lange von Krieg geprägt gewesen. In diesem Jahr schauen wir auf 40 Jahre friedvolle, fruchtbare und effektive aber auch schwierige Zusammenarbeit zurück. Schwierig, weil der Abschluß des Elysée-Vertrages der Aussöhnung beider Staaten vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen wechselvollen Geschichte dienen sollte, aber auch großartig, weil es zeigt, dass Dialoge und Kooperation auch nach Kriegen und unter Anerkennung kultureller Unterschiede möglich sind und stark machen, wie man in Europa sehen kann. Bei uns im Landkreis sind die Städtepartnerschaften - ein entscheidender Aspekt des Vertrages zwischen Adenauer und de Gaulle - sehr erfolgreich: Buchholz und Canteleu, Stelle und Plouzane, Winsen und Pont de Claix und Tostedt und Morlaàs sind nur wenige Beispiele für deutsch-französische Pärchen der kommunalen Partnerschaften. Besonders berührt hat mich auch das Zusammentreffen der Chöre aus Buchholz und Canteleu: gemeinsame Musik statt Waffengerassel. Gerade diese Partnerschaften haben in den Jahren nach dem Krieg, aber auch teilweise viel später, dazu beigetragen, das Verhältnis unserer beiden Länder zu verbessern und das gegenseitige Verständnis zu vertiefen. Es ist erstaunlich und schön, dass auch jetzt immer noch Partnerschaften neu begründet werden; es gibt immer noch etwas zu entdecken bei unseren so vertrauten Ländern. Ich glaube, das wir tatsächlich noch viel mehr über einander wissen und miteinander erleben können und sollten, und dass nach 40 Jahren noch längst nicht alles gesagt ist. So ist auch ein Grundpfeiler der Zusammenarbeit der Alltag und die Kultur der Menschen. Die Regierungsarbeit in beiden Ländern ist deshalb auch von Anfang an durch die Unterstützung der Menschen in ihren Kontakten untereinander gewesen. Die Einrichtung des deutsch-französischen Jugendwerks durch den Elysée-Vertrag ist nur das herausragendste Beispiel dafür. Die deutsch-französische Partnerschaft ist insgesamt so erfolgreich, das sie Vorbild für die Partnerschaft mit anderen europäischen Ländern ist und auch ein Modell der europäischen Kooperation insgesamt sein kann. Grundlage dafür sind die diversen Begegnungen zwischen Jugendgruppen, Gemeinderatsmitgliedern, Sportlern etc. in beiden Ländern. Diese Kontakte sind auch die Basis für die anstehenden Projekte der europäischen Einigung, die sich u.a. auf den Erhalt der kulturellen Vielfalt in Europa richten werden. Auch hier ziehen Deutschland und Frankreich grundsätzlich an einem Strang, leben und diskutieren aber die Unterschiede wie z.B. in Fragen der Landwirtschaftspolitik. Sie zu überwinden, zeichnet die deutsch-französische Partnerschaft aus. So hat sich in der wechselvollen Geschichte der europäischen Einigung immer wieder gezeigt, dass das deutsch-französische Gespann in Europa durch die erfolgreiche Bewältigung der Spannungen Motor der EU ist und die großen Bevölkerungen beider Länder stets das Auf und Ab der Beziehungen getragen haben. Vielleicht sind aber gerade diese Gegensätze - auch im Landkreis - der Grund, dass man neugierig auf das Andere, die andere Kultur, den anderen Alltag und das andere Leben ist. Für unsere Länder jedenfalls wünsche ich mir weiter offene Neugier und viele Begegnungen, damit der europäische Motor auch im erweiterten Europa rund läuft.

 
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