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Meine Meinung
Donnerstag, 13. März 2003
 
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Mit Geigen gegen PISA

"Wer Musikschulen abschafft, gefährdet die Innere Sicherheit" so unser Innenminister Otto Schilly in einer Diskussion über die Frage, warum Jugendliche ein Instrument lernen sollten. Sowohl die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung als auch Vertreter zahlreicher Musikverbände und -institutionen plädierten für eine verstärkte Rolle des Musikunterrichts an den Schulen. Musik ist nach dem heutigem Forschungsstand eines der besten Medien, um eine rundum positive Entwicklung für Kinder und Jugendliche zu fördern. Zwischen 1992 und 1998 ergab eine vergleichende Studie an Berliner Grundschulen mit viel und solchen mit wenig Musikunterricht, dass die musikbetonten Schulen ein angenehmeres soziales Umfeld mit weniger Außenseitern hatten. Die Schüler von solchen musikalisch intensiven Grundschulen hatten im Vergleich zu den Schülern von Schulen mit konventionellen Musikunterricht durchschnittlich einen höheren IQ, mehr Leistungsvermögen und weniger Konzentrationsschwächen. Prozentual gesehen gab es dort auch mehr Schüler mit überdurchschnittlichen Leistungen, niemals aber haben die Leistungen in den sogenannten "Hauptfächern", Mathe, Deutsch und Englisch, wegen des zusätzlichen Musikunterrichts gelitten. Gemeinsames Musizieren ermöglicht es, Bildung und Kultur selbst zu erleben. Da den Kindern nicht immer von Haus aus an den Umgang mit Musik heran geführt werden, sollten dies verstärkt die Schulen übernehmen. Außerdem lernen Jugendliche im schulischen Umfeld noch besser den Zusammenhang von Kunst, Kultur und Technik, und auch den Wert, den diese Bereiche für sie persönlich haben. Als Vorsitzende des Ausschuss für Kultur und Medien im deutschen Bundestag freut mich diese Entwicklung besonders, da auf der Musikmesse in Frankfurt im März auch gerade der Einsatz neuer Medien als Ergänzung zum herkömmlichen Musikunterricht gefordert wurde. Erfolgreiche Projekte gibt es schon: In Bayern und Sachsen-Anhalt wurde der Musikunterricht unter dem Motto "Musikwerkstatt Neue Medien" mit Computern, Synthesizern, Audio-Editoren und Sequenzer-Programme bereichert. In Rheinland-Pfalz stand die Kommunikation mit Tönen im Vordergrund, als gemeinschaftliches Improvisieren, als Hörspiel oder als klanglich untermauerte Videoinstallation. Warum neue Medien? Reichen die althergebrachten Musikinstrumente nicht mehr aus? Unsere Kultur ist durch die Medien geprägt. Die Veränderungen im Medienbereich führen auch zu Veränderungen unserer Wahrnehmung, insbesondere der von Kindern und Jugendlichen. Wenn nun der traditionelle Musikunterricht mit seinen offensichtlichen Vorteilen auf die neuen Realitäten, die uns durch die heutige Medienlandschaft gegeben sind, eingeht, kann dies nur zu Gunsten der Schüler sein. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine zeitgemäße musikalische Bildung die in der PISA-Studie aufgezeigten Mängel positiv beeinflussen kann, und zwar innerhalb und außerhalb der Schulen. Wer Musik macht, neigt weniger dazu, aggressiv zu sein - wenn das kein Argument ist, gerade diese sogenannten freiwilligen Maßnahmen auch im außerschulischen Bereich nicht zu streichen und im Gegenteil möglichst viele junge Menschen an die Musik heran zu führen. Das ist besonders in diesen Zeiten wichtig.

 
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