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"Wer Musikschulen abschafft, gefährdet
die Innere Sicherheit" so unser Innenminister Otto Schilly in einer
Diskussion über die Frage, warum Jugendliche ein Instrument lernen
sollten. Sowohl die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung als
auch Vertreter zahlreicher Musikverbände und -institutionen plädierten
für eine verstärkte Rolle des Musikunterrichts an den Schulen. Musik
ist nach dem heutigem Forschungsstand eines der besten Medien, um
eine rundum positive Entwicklung für Kinder und Jugendliche zu fördern.
Zwischen 1992 und 1998 ergab eine vergleichende Studie an Berliner
Grundschulen mit viel und solchen mit wenig Musikunterricht, dass
die musikbetonten Schulen ein angenehmeres soziales Umfeld mit weniger
Außenseitern hatten. Die Schüler von solchen musikalisch intensiven
Grundschulen hatten im Vergleich zu den Schülern von Schulen mit
konventionellen Musikunterricht durchschnittlich einen höheren IQ,
mehr Leistungsvermögen und weniger Konzentrationsschwächen. Prozentual
gesehen gab es dort auch mehr Schüler mit überdurchschnittlichen
Leistungen, niemals aber haben die Leistungen in den sogenannten
"Hauptfächern", Mathe, Deutsch und Englisch, wegen des zusätzlichen
Musikunterrichts gelitten. Gemeinsames Musizieren ermöglicht es,
Bildung und Kultur selbst zu erleben. Da den Kindern nicht immer
von Haus aus an den Umgang mit Musik heran geführt werden, sollten
dies verstärkt die Schulen übernehmen. Außerdem lernen Jugendliche
im schulischen Umfeld noch besser den Zusammenhang von Kunst, Kultur
und Technik, und auch den Wert, den diese Bereiche für sie persönlich
haben. Als Vorsitzende des Ausschuss für Kultur und Medien im deutschen
Bundestag freut mich diese Entwicklung besonders, da auf der Musikmesse
in Frankfurt im März auch gerade der Einsatz neuer Medien als Ergänzung
zum herkömmlichen Musikunterricht gefordert wurde. Erfolgreiche
Projekte gibt es schon: In Bayern und Sachsen-Anhalt wurde der Musikunterricht
unter dem Motto "Musikwerkstatt Neue Medien" mit Computern, Synthesizern,
Audio-Editoren und Sequenzer-Programme bereichert. In Rheinland-Pfalz
stand die Kommunikation mit Tönen im Vordergrund, als gemeinschaftliches
Improvisieren, als Hörspiel oder als klanglich untermauerte Videoinstallation.
Warum neue Medien? Reichen die althergebrachten Musikinstrumente
nicht mehr aus? Unsere Kultur ist durch die Medien geprägt. Die
Veränderungen im Medienbereich führen auch zu Veränderungen unserer
Wahrnehmung, insbesondere der von Kindern und Jugendlichen. Wenn
nun der traditionelle Musikunterricht mit seinen offensichtlichen
Vorteilen auf die neuen Realitäten, die uns durch die heutige Medienlandschaft
gegeben sind, eingeht, kann dies nur zu Gunsten der Schüler sein.
Ich bin der festen Überzeugung, dass eine zeitgemäße musikalische
Bildung die in der PISA-Studie aufgezeigten Mängel positiv beeinflussen
kann, und zwar innerhalb und außerhalb der Schulen. Wer Musik macht,
neigt weniger dazu, aggressiv zu sein - wenn das kein Argument ist,
gerade diese sogenannten freiwilligen Maßnahmen auch im außerschulischen
Bereich nicht zu streichen und im Gegenteil möglichst viele junge
Menschen an die Musik heran zu führen. Das ist besonders in diesen
Zeiten wichtig.
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