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Meine Meinung
Donnerstag, 22. Oktober 2004
 
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Ein Hoch auf die Zeitungsvielfalt.
Die Harburger Anzeigen und Nachrichten feiern ihr 160-jähriges Jubiläum. Es ist wirklich bewundernswert, wenn eine Regionalzeitung alle wirtschaftlichen Krisenzeiten übersteht und nach mehr als eineinhalb Jahrhunderten immer noch in den Briefkästen zu finden ist. Ein gutes Beispiel für kleine Blätter, die noch nicht so lange bestehen oder sich vielleicht gerade erst gegründet haben. Die regionale Presse halte ich für außerordentlich bedeutsam, denn sie schafft regionale Identität und Gemeinsamkeiten, die uns verbinden. Das, was uns täglich betrifft, was zum Gespräch mit dem Nachbarn wird und was gerade uns angeht, weil es in unserem Dorf, unserer Stadt und unserem Kreis passiert, lesen wir in der Lokalpresse. Wenn ich die Zahl der Zeitungen in anderen europäischen Staaten mit der in Deutschland vergleiche, bin ich froh, dass wir mit über 1.500 verschiedenen Ausgaben auf eine erfreulich hohe Vielfalt zurückgreifen können. Und dank des unabhängigen Vertriebs durch die Pressegrossisten kann sich jeder darauf verlassen, diese große Auswahl auch an der Ladentheke zu finden. Diesen Reichtum zu bewahren ist wichtiges Anliegen, der aktuellen Debatte um die Pressefusion. Die wirtschaftlich schwierige Situation auf dem Tageszeitungsmarkt hat in den letzten Jahren immer wieder dazu geführt, dass Zeitungen fusionierten oder aufgekauft wurden. Des Weiteren sparen viele Verlage beispielsweise durch Redaktionszusammenlegungen besonders bei den Inhalten, denn leider scheint hier das größte Einsparpotential zu liegen. In jedem der genannten Fälle verlieren wir jedoch einen Teil der publizistischen Vielfalt. Deswegen ist es Aufgabe der Politik einerseits, die Verlage zu unterstützen aus der Krise herauszukommen. Andererseits müssen jedoch auch kleinere Verlage geschützt werden, um neben den großen bestehen zu können. Beide Punkte stehen in der momentanen Diskussion oft im Konflikt zueinander. Der Axel Springer Verlag oder auch der Holtzbrinck Verlag sehen durch das geltende Pressefusionsrecht ihre Wettbewerbsfähigkeit eingeschränkt. Hier prüft jetzt der Bundestag ob dies tatsächlich der Fall ist und ob eine Änderung nicht zu Lasten der kleinen Verlage ginge. Denn diese und die Zeitungen, die sie herausgeben, sind Kernstück der zu bewahrenden Vielfalt. Leitidee dabei ist: je mehr Zeitungen es gibt desto eher können viele unterschiedliche Meinungen publiziert werden. Und erst diese Fülle von Ansichten kann doch die tatsächliche Buntheit in unserer Gesellschaft widerspiegeln. Eine Umfrage in den USA zeigte letztens, dass der private Nachrichtensender Fox, der sich gerade im Zusammenhang mit dem Irakkrieg auf die Seite des Präsidenten geschlagen hatte, bedrohlich von seiner Meinungsmacht Gebrauch macht. Besonders regelmäßige Zuschauer dieses Senders, waren der festen Überzeugung, dass im Irak bereits Massenvernichtungswaffen gefunden worden seien. Dieses Beispiel ist nicht nur ein Argument für öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland. Es zeigt auch wie wichtig eine reichhaltige Presselandschaft ist, die durch Monopole schnell verloren gehen kann. Genau da stellt eine Zeitung wie die HAN nicht nur Reichtum für unsere Region, sondern auch für die Pressevielfalt in Deutschland dar.
 
Diese Kolumne finden Sie auf: www.monika-griefahn.de