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Meine Meinung
Donnerstag, 23. Dezember 2004
 
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Hektische Wochen liegen hinter uns.
Das politische Berlin diskutierte Wehrpflicht, Föderalismus und die Krise in der Ukraine. Die Konsequenzen in der Umsetzung der Zusammenlegung von Abeitslosen- und Sozialhilfe werden wir in seiner gesamten Auswirkung wohl erst im Januar sehen. Aber eines fiel mir auf, als ich mich letztendlich auch in den Weihnachtstrubel begab. Die Läden sind wieder voller, die Einzelhändler strahlen. So sehr ich mich für die Wirtschaft und natürlich auch die Steuerkasse freue, so empfinde ich auch Nachdenklichkeit. Der eigentliche Grund für das Freudenfest, die Geburt Jesu, scheint immer weniger in den Köpfen und Herzen präsent zu sein. So sagt denn auch meine Tochter Nora (12 Jahre): „Du, Mama, es wird immer amerikanischer. Da sind nicht nur einige Kerzen, die uns an den Stern erinnern, sondern überall Lichterketten und Weihnachtsbäume mit zuviel Schmuck und Kitsch.“ Und, bei dem vielen Hasten fehlt auch die Erfüllung des wesentlichsten Wunsches der Meisten: „Schenk mir ein bisschen Zeit.“ Hauptsächlich geschenkt werden Computerspiele und elektronische Geräte, höre ich im Morgenmagazin und denke automatisch an unseren damaligen Justizminister in Niedersachsen Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstitutes in Hannover. Dieser warnt vor zuviel Medienkonsum, denn der mache dick, dumm und traurig. In Studien hat er herausgefunden, dass seit Ende der 80er Jahre ein deutlicher Leistungsabfall zu verzeichnen ist, vor allem bei Jungen. Gleichzeitig nimmt der Anteil an Kindern zu, die einen eigenen Fernseher und einen Computer in ihrem Zimmer haben. Viele Kinder sitzen stundenlang davor, knabbern Chips und „hängen rum“. Den Eltern sagt er klar, dass sie ihren Töchtern und Söhnen damit rund zwei Stunden Zeit jeden Tag klauen, die diese eigentlich anders einsetzen sollten. Den Kindern alle Geräte ins Zimmer zu stellen, grenzt für ihn an Körperverletzung. Jungen verbringen teilweise bis zu vier Stunden vor dem Bildschirm von TV oder Computer. Schüler mit eigener Spielkonsole sitzen dreimal so lange davor, wie Schüler ohne eigene Geräte. Dabei konsumieren sie auch klammheimlich indizierte Spiele, Gewalt und Horror. Inzwischen sind auch noch DVD- Geräte ins Kinderzimmer gewandert. Je mehr – je besser? Die Eltern sagen: „Für unsere Kinder nur das Beste.“ Professor Dr. Pfeiffer allerdings sieht die Folgen sehr kritisch. Sein Ausdruck der „Medienverwahrlosung“ ist ein hartes Wort, aber wenn wir mal genau hinsehen, trifft es leider zu. Das was so oft fehlt, ist die Zeit miteinander. Schenken Sie Zeit, unsere Kinder schätzen das. Meine drei sind (obwohl erst 9, 12 und 16) inzwischen zu echten Skatfans geworden. Denn gemeinsame Zeit ist wertvoll. Lassen Sie uns die freien Tage nutzen und all denen, die diese Zeit nicht haben, weil sie beispielsweise als Polizist oder Krankenschwester für die Gemeinschaft Dienst tun, besonders danken. Ich wünsche Ihnen friedvolle Weihnachten und ein Jahr 2005, dass Sie sich wünschen.
 
Diese Kolumne finden Sie auf: www.monika-griefahn.de