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Meine Meinung
Donnerstag, 30. März 2006
 
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Mehr Mut zum Selbermachen

Bei den Landtagswahlen am Wochenende hat vor allem eine Partei sowohl in Baden-Württemberg als auch in Rheinland-Pfalz und erst recht in Sachsen-Anhalt klar gewonnen: Die der Nichtwähler. Erklärungsversuche für Wahlbeteiligungen, die teilweise unter 50 Prozent lagen, gibt es viele: Keine Polarisierung durch die große Koalition, heißt es beispielsweise, oder gar, dass die hohe Zahl der Nicht-Wähler deren Zufriedenheit ausdrücke und ein Zeichen der Entspannung sei. Andere werteten die ernüchternden Zahlen als Zeichen der Resignation.

Nichtwähler drücken mit ihrer Verweigerung mit Sicherheit eine Meinung aus – vielleicht stimmt je nach Einzelfall jeder der Erklärungsversuche. Doch wo auch immer die Gründe liegen, nicht zu wählen ist eine sehr destruktive Art der Meinungsäußerung, eine sehr bequeme, eine, die Verantwortung scheut. Eine, die – wenn sie auch demokratisch legitim ist - letztlich Demokratie scheu und sogar Demokratie gefährdet. Denn Demokratie lebt vom Mitmachen jedes und jeder Einzelnen. Eben das Auseinandersetzen mit Staat und Gesellschaft, das Formen, das Mitreden, das Visionen haben und Verändern.

Dabei scheint es, als würde manchmal nur ein kleiner Ansporn fehlen, um eine Wendung ins Konstruktive zu erreichen. In meinen Gesprächen mit Jugendlichen beispielsweise treffe ich nämlich durchaus auf Menschen, die die Augen nicht vor den Aufgaben der Zeit verschließen, die Kinder haben wollen und eine lebenswerte Gesellschaft - die sogar an die Rente denken. Nur weil die Dinge heute nicht mehr schwarz oder weiß sind, sollte sich keiner zurückziehen, sondern den Mut haben, selbst die Gesellschaft mit zu gestalten, in der er leben möchte. Dass muss nicht gleich die große Politik sein, wo Ergebnisse oft erst spät sichtbar sind. Das kann auch die Bürgerinitiative, die aktive Betreuerarbeit im Sport- oder im Schützenverein sein, oder das Engagement in Kirche oder Seniorenheim.

Mein Tipp für alle, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen, sind die Kommunalwahlen im September: Auch ohne einer Partei beizutreten ist es möglich, auf deren Listen zu kandidieren. Wer im Kommunalparlament arbeitet, sieht schnell, was er geleistet hat, wenn vielleicht eine Schulmensa gebaut wird oder sich ein neues Unternehmen ansiedelt. Wer Lust hat, sich hier zu engagieren, hat seine Meinung ebenso wie ein Nichtwähler geäußert – nur mit einem viel größeren Effekt.

 
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