Am vergangenen Freitag haben wir die Gesundheitsreform im Parlament verabschiedet. Ja, ich habe dafür gestimmt.
Nein, ich bin nicht mit allem, was das neue Gesetz beinhaltet, einverstanden. In einer Zusatzerklärung mit anderen
Abgeordneten meiner Fraktion habe ich darum meine Bedenken schriftlich eingebracht.
Für mich war der wichtigste Grund für die Zustimmung, dass das Gesundheitswesen mit dem jetzigen Kompromiss
weiterhin solidarisch finanziert wird. Je länger wir eine Entscheidung hinausgezögert hätten, umso mehr Leistungen
hätten aus finanziellen Gründen aus dem Katalog genommen werden müssen. Gesundheitsversorgung wäre mehr und mehr
eine Frage von arm oder reich geworden. Soweit darf es nicht kommen.
Auch wenn wir das sozialdemokratische Konzept einer Bürgerversicherung in der großen Koalition nicht in Reinform
verwirklichen konnten, zahlt nun jeder Versicherte nach wie vor entsprechend seiner Möglichkeiten in die
Krankenversicherung ein. Ebenfalls tragen wir den veränderten Arbeitswelten Rechnung, indem nicht mehr allein die
angestellten Arbeitnehmer die finanzielle Basis des Gesundheitswesens bilden, sondern eine stärkere
Steuerfinanzierung die Basis verbreitert. Hier geht die Reform allerdings nicht weit genug. Zum einen lässt das
Gesetz zu meinem Missfallen bislang offen, wie die geplante Steuerfinanzierung gesichert ist. Zum anderen sind
Kapitaleinkünfte heute keine Ausnahme mehr und müssen zur Finanzierung des Gesundheitswesens genauso herangezogen
werden wie Löhne und Gehälter.
Zugestimmt habe ich trotz aller Vorbehalte, weil mit dem Gesetz mir wichtige Punkte erreicht worden sind. Mit dem
Ausbau der Palliativmedizin, der Absicherung von Kuren und Rehabilitation und Sicherung der häuslichen
Krankenpflege für Pflegebedürftige und Behinderte reagieren wir auf veränderte Anforderungen und Möglichkeiten
im Gesundheitswesen. Wir haben mit der Krankenversicherungspflicht durchgesetzt, dass die rund 300.000 Menschen
ohne Krankenversicherung in Deutschland diesen Schutz wieder genießen können. Wir haben die Rechte der Versicherten
gestärkt. All das ist gut und richtig.
In Zukunft werde ich mich dafür einsetzen, dass die noch offenen Fragen
zum Nutzen der Patienten geklärt werden, das System weiterhin solidarisch finanziert bleibt und dass das
notwendige Leistungsangebot für alle Versicherten in der Regelversicherung erhalten bleibt.
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