Am 25. Februar fand in Lüneburg der Scoping-Termin
zum Verkehrsprojekt "Bau eines 3. Gleises zwischen Stelle und Lüneburg"
statt. Auf diesem Scoping-Termin nach § 5 des Gesetzes über die
Umweltverträglichkeitsprüfung sollen der Vorhabenträger (die Deut-sche
Bahn AG, in Zukunft: DB Netz AG) und die zuständige Behörde (Eisenbahnbundes-amt
Hamburg) unter Beteiligung von Behörden, Sachverständigen und Dritten
Umfang und Methoden der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sowie
für die Durchführung des Verfahrens erhebliche Fragen erörtern.
Dieser Termin dient vor allem der Festlegung des voraussichtlichen
Untersuchungsrahmens der UVP.
Strittig war während des Scoping-Termins insbesondere
der Untersuchungskorridor der 25,4 km langen Strecke (Ausbaulänge
ca. 40 km). Während die Planer einen an topografischen Gegebenheiten
ausgerichteten Korridor befürworteten, wollten Vertreter anderer
Behörden einen in Metern exakt definierten Korridor wählen. Die
Frage blieb jedoch offen. Ein Behördenvertreter aus Lüneburg brachte
zum Ausdruck, daß man sich freue, daß nach langjähriger Diskussion
dieses Verkehrsprojekt endlich angegangen werde.
Das neue 3. Gleis soll westlich der bestehenden
Gleise errichtet werden. In den beste-henden Planungen der Landkreise
und Gemeinden ist die in Anspruch genommene Fläche übrigens weitgehend
für die Trasse des 3. Gleises freigehalten. Interessant für die
Städte und Gemeinden entlang der Bahntrasse ist insbesondere, daß
im Rahmen der Planung Lärmschutzgutachten aufgestellt werden und
daß bei Überschreitung bestimmter Schallpegel (> 49 dbA nachts in
Wohngebieten) Lärmschutzmaßnahmen getroffen werden. Dies könnte
für einige Anlieger der Bahnstrecke eine wesentliche Verbesserung
verglichen mit dem jetzigen Stand bringen, weil schon vorhandene
Strecken nicht diesen strengen Regeln unterliegen.
Auf der Strecke Hamburg - Lüneburg soll das von
Prof. Schwanhäuser (TU Aachen) entwickelte "Prinzip der versetzten
Dreigleisigkeit" verwirklicht werden. Durch das 3. Gleis wird die
Möglichkeit geschaffen, daß schnelle Züge (Personenfernverkehr)
langsamere Güterzüge und Nahverkehrszüge überholen können, ohne
daß letztere langwierige Wartezeiten auf Überholung in Kauf nehmen
müssen. Insgesamt wird die Leistungsfähigkeit der Strecke durch
das 3. Gleis enorm gesteigert.
Die Bahnvertreter stellten fest, daß Voraussetzung
für die kostspieligen weiteren Detailplanungen eine Absicherung
des Projekts im Bundesverkehrswegeplan und die Sicherstellung der
Finanzierung sei.
Die Vorwürfe des früheren CDU-Abgeordneten Rudolf
Meyer zur angeblichen Untätigkeit der SPD-Landesregierung sind absurd.
Erst seit wenigen Jahren ist das Land überhaupt für den Schienenpersonennahverkehr
zuständig; vorher waren die Bahn und der Bund in der alleinigen
Verantwortung. Auch jetzt liegt die Finanzierungsverantwortung schwerpunktmäßig
beim Bund. Hier sind insbesondere die Bestellung und Finanzierung
von Nahverkehrsleistungen und die Finanzierung von Bahntrassen auseinanderzuhalten.
Das Verkehrsprojekt "3. Gleis" ist dank der Untätigkeit
von Herrn Meyer im aktuellen Bundesverkehrswegeplan, im zugehörigen
Schienenwegeausbaugesetz und im geltenden Finanzierungsplan nicht
enthalten. Der aktuelle Bundesverkehrswegeplan beschreibt die zu
verwirklichenden Verkehrsprojekte bis 2003 und wurde noch von der
alten Bundesregierung verabschiedet. Nach Aussage von Verkehrsexperten
fließen fast 80 % der entsprechenden Bundesmittel in Verkehrsprojekte
in Baden-Württemberg und Bayern, so daß der arme Norden den reichen
Süden subventioniert. Auch dies ist das zweifelhafte Verdienst der
alten Bundesregierung. Das Land Niedersachsen hat hingegen seine
Bereitschaft erklärt, an der Verwirklichung des 3. Gleises mitzuwirken.
Der Wirtschafts- und Verkehrspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion,
Wolfgang Schurreit MdL aus Lüneburg, hat erklärt, daß das Land sich
mit einem angemessenen Beitrag an der Finanzierung des 3. Gleises
beteiligen wird.
Die Bahnvertreter schätzen übrigens, daß unter
Zugrundelegung der üblichen Verfahrensdauer von UVP und Planfeststellungsverfahren
mit den Bauarbeiten Anfang 2003 begonnen werden kann. Nach 48-monatiger
Bauzeit wäre das Projekt dann erst Anfang 2007 verwirklicht. Es
liegt also noch eine etwa vierjährige Planungsphase vor uns, bevor
überhaupt der erste Spatenstich getan werden kann. Diese Planungsphase
könnte heute bereits abgeschlossen sein, wenn das Projekt von der
alten Bundesregierung früher angegangen worden wäre.
Monika Griefahn hat übrigens inzwischen mit Bundesverkehrsminister
Franz Müntefering über das Verkehrsprojekt gesprochen und hofft,
daß das 3. Gleis in einem überarbeiteten Bundesverkehrswegeplan
Berücksichtigung findet. Die örtlichen Landtagsabgeordneten Uwe
Harden, Silva Seeler und Brigitte Somfleth und die SPD-Bundestagsabgeordnete
Monika Griefahn arbeiten deswegen auch gemeinsam mit der Landesregierung
daran, die Prioriäten sowohl bei der Deutschen Bahn als auch beim
Bund zu verändern. Bundesverkehrsminister Franz Müntefering teilt
die Auffassung Griefahns, daß das Verkehrsprojekt 3. Gleis unabhängig
von der Planung der Transrapid-Strecke auch ein Einsteig in die
Verbindung Hamburg - Lüneburg - Uelzen - Stendal - Berlin sein kann.