Monika Griefahn, MdB, eine der Mitbegründerinnen
der Initiative, statt des Weiterbaus der Atommeiler in der Ukraine
ein neues Energiekonzept mit Gaskraftwerken und Energieeinspartechnologie
zu finanzieren, begrüßt den Beschluß der Bundesregierung, die Finanzierungsentscheidung
für den Atomkomplex K2/R4 auf Mai zu verschieben.
"Jetzt muß die Chance genutzt werden, mit den
anderen G7-Staaten alternative Lösungen für die Energiepolitik in
der Ukraine zu finden. Anstatt ein marodes Atomkraftwerk (Tschernobyl)
durch ein anderes, technisch auch nicht auf dem letzten Stand stehendes
zu ersetzen, sollte man jetzt aktiv für ein Gaskraftwerk und Energieeinspartechnologien
werben", betont Monika Griefahn.
Zum Hintergrund:
Ursprünglich war geplant, auf einer Sitzung der Europäischen Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) am 23.03.1999 über 1,7 Mrd.
Dollar für den Weiterbau des Atomkomplexes K2/R4 in der Ukraine
zu beschließen. Im Gegenzug soll der Atomkomplex von Tschernobyl
in Jahre 2000 abgeschaltet werden.
Die beiden Atomkraftwerke K2 und R4 würden aufgrund
ihres Sicherheitsstandards in keinem westlichen Land genehmigt werden.
Es ist nicht vertretbar, ein derartiges Sicherheitsrisiko mit westlichen
Finanzmitteln zu fördern.
Die Finanzierung widerspricht auch dem 1995 zwischen
der Ukraine und den G7-Staaten geschlossenen "Memorandum of Understanding",
wonach nur Projekte unterstützt werden, die auch wirtschaftlich
sind. Das ist bei K2/R4 nicht der Fall, wie dies schon 1997 eine
unabhängige Expertenkommission im Auftrag der Europäischen Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung festgestellt hat. Diese Auffassung
wurde jetzt in einer neuen Studie von Gutachtern der Europäischen
Investitionsbank (EIB) bestätigt. Seit dieser Zeit sind die Projektkosten
von 1,2 auf 1,87 Milliarden US-Dollar weiter angestiegen. Außerdem
gibt es in der Ukraine deutliche Überkapazitäten im Strombereich.
Zudem ist mit der Inbetriebnahme der beiden Reaktoren
nicht vor 2004 zu rechnen. Damit entfällt auch die Grundlage für
das von der Regierung der Ukraine aufgebaute Junktim zwischen der
Inbetriebnahme der beiden Reaktoren K2/R4 und der Schließung von
Tschernobyl-Reaktoren im Jahr 2000.
Es gibt Alternativen, die sehr viel günstiger sind.
Kraftwerke mit der gleichen Leistung auf Gasbasis liegen bei knapp
1 Milliarde US-Dollar. Sie sind zudem sehr viel schneller zu errichten.
Auch die Bevölkerung in der Ukraine hat sich mit klarer Mehrheit
gegen den Bau von K2/R4 ausgesprochen.