Die SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn hat
sich mit einem Schreiben an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen
Bahn AG Dr. Johannes Ludewig gewandt, um die Verwirklichung des
3. Gleises zwischen Stelle und Lüneburg voranzubringen. Bahnchef
Dr. Ludewig teilte jetzt mit:
"Die von der DB AG durchgeführte Vorplanung für
den dreigleisigen Ausbau liegt inzwischen der Zentrale vor. Die
Vorplanung wird derzeit mit dem Ziel einer Kostenreduzierung überprüft.
Mit dem Abschluß der Überprüfung und Überarbeitung der Planung ist
zur Jahresmitte 1999 zu rechnen. Im Anschluß hieran ist eine Wirtschaftlichkeitsrechnung
durchzuführen, die Auskunft über die wirtschaftliche Legitimation
des Vorhabens für die DB AG gibt. Insoweit kann ich auch Ihre Aussagen
über die angenommene Rentabilität des dreigleisigen Ausbaus Stelle
- Lüneburg für die DB AG gegenwärtig nicht bestätigen. Ich bin daher
für Ihre Information dankbar, daß Sie bei einer sich aus dem Ergebnis
der Wirtschaftlichkeitsrechnung eventuell ergebenen Notwendigkeit
Chancen für eine angemessene finanzielle Beteiligung des Landes
Niedersachsen an den Investitionen für das 3. Gleis sehen."
Monika Griefahn betonte noch einmal die Bedeutung
des 3. Gleises nicht nur für den Nahverkehr, sondern auch für den
Personen- und Güterfernverkehr zwischen Hamburg und Berlin und sieht
Chancen für eine einvernehmliche Regelung der Finanzierung:
"Zur Zeit wird die EXPO-Region Hannover vom Land
Niedersachsen bevorzugt mit Mitteln für Schienenverkehrsprojekte
ausgestattet. Die Finanzierung des 3. Gleises ist frühestens ab
2001, also nach der EXPO, sicherzustellen, weil für das Vorhaben
zunächst die Umweltverträglichkeitsprüfung und das Planfeststellungsverfahren
abgeschlossen werden müssen."
Zu den Äußerungen des CDU-Bundestagsabgeordneten
Kurt-Dieter Grill erklärt die SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn:
"Durch faktenarme Polemik versucht Kurt-Dieter
Grill die Tatsache zu verschleiern, daß die CDU-Bundestagsabgeordneten
aus der Region jahrzehntelang geschlafen haben. Wenn das Verkehrsprojekt
3. Gleis angeblich auf einem guten Weg war, dann frage ich mich,
weshalb das Verkehrsprojekt weder im aktuellen Bundesverkehrswegeplan
auf-taucht, der erst 1998 von der CDU/CSU/FDP-Bundesregierung verabschiedet
wurde, noch im zugehörigen Schienenwegeausbaugesetz oder im geltenden
Finanzierungsplan erwähnt wird. Die CDU-Abgeordneten aus der Region
haben es zu vertreten, daß noch nicht einmal das Planfeststellungsverfahren
begonnen ist und noch etwa 3 bis 4 Jahre Planung vor uns liegen,
bevor überhaupt der erste Spatenstich getan werden kann."
Den Vorwurf grob fahrlässiger Unkenntnis muß sich
nun Kurt-Dieter Grill gefallen lassen. Entgegen anderslautender,
die Wahrheit verfälschender Aussagen von Kurt-Dieter Grill bleibt
es dabei, daß die auf der Strecke Hamburg-Hannover als Pilotprojekt
vorgesehene neue Signaltechnik nicht eingeführt wird.
"CIR-ELKE" ist das Kürzel für "Computer Integrated
Railroading - Erhöhung der Leistungsfähigkeit im Kernnetz". Unter
diesem Stichwort sollte auf der Strecke Hamburg-Hannover eine neue
Signal- und Sicherungstechnik eingeführt werden. Mittlerweile hat
sich bei einigen Vertretern der Deutschen Bahn AG die Auffassung
durchgesetzt, daß das konkret für die Strecke Hamburg-Hannover geplante
Signal- und Sicherungssystem bereits heute als teilweise technisch
überholt anzusehen wäre und deshalb wie schon berichtet nicht eingeführt
wird.
Die Bahn setzt natürlich weiterhin auf eine Ablösung
der veralteten Signaltechnik. Aktuell bleibt das Bemühen der Bahn,
durch technische Maßnahmen und Computerunterstützung eine Kapazitätserhöhung
der vorhandenen Trassen zu erreichen. Zu welchem Zeitpunkt ein solches
System einsatzfähig sein kann und wann mit der Realisierung begonnen
wird, ist bis heute noch offen.
Natürlich ist der Deutschen Bahn AG kein Vorwurf
zu machen, wenn nach längerfristiger Forschung und Entwicklung dann
irgendwann ein ausgereifteres Konzept verwirklicht werden soll.
Fakt ist und bleibt aber, daß es die in Aussicht gestellte kurzfristige
Erhöhung der Streckenkapazität nicht geben wird. Es ist auch nicht
erkennbar, wann bei der Deut-schen Bahn AG ein moderneres Konzept
eingeführt werden wird und ob dieses dann zuerst auf der Strecke
Hamburg-Hannover eingesetzt werden wird.
Prof. Séché aus dem Bundesverkehrsministerium,
Abteilung Eisenbahntechnik, bestätigt, daß CIR-ELKE derzeit das
Neueste ist, was die Bahn habe. Es könne keine Rede davon sein,
daß CIR gegen irgend etwas Moderneres ausgetauscht wird bzw. werden
soll.
Die Behauptung des CDU-Abgeordneten Kurt-Dieter
Grill, "CIR-ELKE" werde durch modernste Technik ersetzt, ist somit
aktuell für die Strecke Hamburg-Hannover durch keine konkreten Maßnahmen
zu belegen.
Hintergrundinformationen zur vorhandenen Signaltechnik
und zu Innovationen in der Signaltechnik der Eisenbahn
Zur Zeit findet mit der alten Signaltechnik eine
Linienzugbeeinflussung von Lüneburg aus statt. Nach dem angewandten
sog. "starren Blocksystem" kann in einem bestimmten Streckenabschnitt
stets nur ein Zug fahren; für alle anderen Züge ist der Streckenabschnitt
deshalb gesperrt. Intelligenter und flexibler ist das sog. "geschwindigkeitsabhängige
Blocksystem", das nicht von starren Streckenabschnitten, sondern
von Streckenabschnitten um die fahrenden Züge ausgeht und damit
die Kapazität und die Leistungsfähigkeit einer Strecke erhöht.
Im Eisenbahnverkehr werden zur Zeit rechnergestützte
Optimierungsverfahren für den Zugverkehr entwickelt (Computer -
Integrated - Railroading, CIR-ELKE) und getestet, welche die Streckenleistungsfähigkeit
gegenüber heute um bis zu 30 % erhöhen sollen. Dieses Verfahren
wird auf der Strecke Offenburg-Basel erprobt.
Für den europäischen Schienenverkehr soll ein einheitliches
Betriebsleitsystem (European Train Control System, ETCS) entwickelt
werden. Zur Datenübertragung soll das Mobilfunknetz verwendet werden.
Die Entwicklung soll im Rahmen des 4. Forschungs- und Entwicklungsprogramms
der Europäischen Union vorangetrieben werden.
Sämtliche Maßnahmen in diesem Bereich befinden
sich also erst im Forschungs- und Entwicklungsstadium oder werden
in Pilotprojekten getestet.