In diesen Tagen wird der Entwurf eines Investitionsprogramms
1999 - 2002 des Bundesverkehrsministeriums diskutiert. Das Investitionsprogramm
beschreibt die konkret für die nächsten drei Jahren vorgesehen Investitionen
und ist insofern eine Teilkonkretisierung des gültigen Bundesverkehrswegeplans
1992 - 2012, der sich derzeit in der Überarbeitung befindet. Ist
ein Verkehrsprojekt nicht in diesem Investitionsprogramm enthalten,
heißt dies nicht, daß es nicht zu einem späteren Zeitpunkt bei Vorliegen
der "Baureife" gebaut werden kann. Die sogenannte "Baureife" ist
gegeben nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung, ggf. einem Raumordnungsverfahren
und dem anschließenden Planfeststellungsverfahren.
Ich habe seit längerem auch schon vor dem Vorliegen
des Entwurfs des Investitionsprogramms 1999 - 2002 für meinen Wahlkreis
Stellung genommen und Gespräche mit verschieden Verkehrsexperten
auf Bundes- und Länderebene geführt.
Die aus meiner Sicht für den Lkr. Harburg wichtigsten
Verkehrsprojekte sind der Bau eines 3. Gleise zwischen Stelle und
Lüneburg bzw. Uelzen sowie der Bau der B 75 neu - Ortsumgehung Dibbersen.
Auf beide Projekte gehe ich unten weiter ein.
Folgende Maßnahmen mit unterschiedlichem Planungs-
und Realisierungsstand betreffen meinen Wahlkreis:
1. Dreispuriger Ausbau und Fahrbahnerneuerung
der A 7
Dieser dreispurige Ausbau der A 7 (lfd. Nr. 19
und 20 der Hochprioritären Maßnahmen Bundesautobahnen) ist weitgehend
schon vor 1999 abgeschlossen; einzelne Arbeiten laufen aber noch.
2. Neubau der A 250 bis Lüneburg
Der Neubau der A 250 (lfd. Nr. 56 und 57 der Hochprioritären
Maßnahmen Bundesautobahnen) wurde schon vor ca. 7 Jahren abgeschlossen.
Lediglich der Anschluß der B 404 an die A 250 im Nachbarwahlkreis
Lüneburg ist derzeit noch aktuell.
3. B 75 neu - Ortsumgehung Dibbersen
Der neuralgischste Punkt im Straßennetz des Lkr.
Harburg ist die B 75 im Raum Dibbersen. Die B 75 bindet das Mittelzentrum
Buchholz (einwohnerstärkste Stadt im Landkreis Harburg) an die BAB
1 - Abfahrt Dibbersen / Buchholz an. Die B 75 (eine Spur je Richtung)
führt unmittelbar durch den Ort Dibbersen. In diesem Raum bricht
der Verkehr regelmäßig zusammen. Nun steht auch noch die Neueröffnung
eines großen Möbel-Kraft-Marktes unmittelbar bevor. Mit weiter wachsendem
Verkehrsaufkommen ist deshalb zu rechnen.
In der nun fast 20-jährigen Planungsdauer zur
Lösung diese Problems wurden verschiedene Varianten untersucht:
- Ausbau der Ortsdurchfahrt (Kosten ca. 7,6 Mio. DM),
- Untertunnelung der Strecke im Ort (Kosten ca. 62,9 Mio. DM),
- drei Westvarianten mit einer Anbindung an die A 261 (Kosten
ca. 39 - 40 Mio. DM) und
- zwei Ostvarianten, davon eine Variante mit zwei Untervarianten
/ Lösungen (Kosten ca. 18 - 24 Mio. DM).
Ausbau der Ortsdurchfahrt und Untertunnelung stehen
wegen der vermeidbaren Belastung der Dibbersener und bei der Untertunnelung
auch wegen der Kosten bei keinem Beteiligten mehr ernsthaft zur
Diskussion. In der Vergangenheit gab es insbesondere zwischen der
Gemeinde Rosengarten (favorisierte eine West-Variante) und der Stadt
Buchholz (favorisierte eine Ost-Variante) unterschiedliche Auffassungen.
In einem von mir initiierten Gespräch am 18.12.1998 waren sich alle
Beteiligten darüber einig, daß jetzt schnell gehandelt werden muß,
weil ansonsten Verkehrsinfarkt, Dauerstau und unzumutbare Belastungen
für die Bewohner Dibbersens die Folge sind. Von den meisten Beteiligten,
so auch vom Niedersächsischen Landesamt für Straßenbau, wird nun
eine Ost-Variante für die am ehesten zu realisierende und sinnvollste
Trasse gehalten. Hinzuweisen ist darauf, daß vor Ort auch eine private
Vorfinanzierung erwogen wird.
4. Neubau des 3. Gleises zwischen Stelle und
Lüneburg bzw. Uelzen
Seit längerer Zeit mache ich mich - wie auch unser
Fraktionsvorsitzender Peter Struck - stark für den Neubau eines
3. Gleises zwischen Stelle und Lüneburg (Bahnstrecke Hamburg - Hannover).
Insbesondere der Nahverkehr leidet darunter, daß dieser Streckenabschnitt
einer der meistbefahrenen in der Bundesrepublik ist. Nach einem
möglichen Wegfall des Transrapid macht es möglicherweise auch Sinn,
das 3. Gleis bis nach Uelzen weiterzubauen, damit die Strecke Hamburg
- Hannover nach Ertüchtigung der Strecke Uelzen - Stendal im Rahmen
des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 2 weitere Berlin-Verkehre
aufnehmen kann.
Das Verkehrsprojekt ist, obwohl seit 20 Jahren
in der Diskussion, nicht im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 1992 enthalten
und muß unbedingt bei der anstehenden Überarbeitung des BVWP aufgenommen
werden. Derzeit läuft die Umweltverträglichkeitsprüfung; mit einem
weiteren zügigen Planungsverlauf ist zu rechnen. Das Verkehrsprojekt
wird von der gesamten Region begrüßt. Die niedersächsische Landesregierung
gibt dem Projekt mittlerweile die höchste Priorität. Der SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende
Peter Struck und die anderen betroffenen MdB (Hedi Wegener, Arne
Fuhrmann) haben ihre Unterstützung zugesichert.
Zu klären wäre aus meiner Sicht die Frage, ob das
Projekt schon mit einem Ansatz im Investitionsprogramm berücksichtigt
werden kann, auch wenn es erst noch in den BVWP aufgenommen werden
muß. Es rächt sich jetzt möglicherweise, daß das 3. Gleis von der
alten CDU/CSU/FDP-Bundesregierung nicht schon 1992 in den BVWP aufgenommen
wurde und deshalb die Planungen erst in einem so frühen Stadium
sind, daß die "Baureife" noch nicht erreicht ist. Ich bin aber zuversichtlich,
daß die Planungen für das 3. Gleis nun sehr zügig vorangetrieben
werden können.
5. Y-Trasse
Nicht im "Fünfjahresplan für den Ausbau der Schienenwege
des Bundes in den Jahren 1998 bis 2002" und mit keinem Ansatz im
"Investitionsprogramm 1999 - 2002" enthalten ist das im Vordringlichen
Bedarf des BVWP 1992 enthaltene neue Vorhaben Nr. 22 "ABS/NBS Hamburg/Bremen-Hannover",
die sogenannte "Y-Trasse". Als örtliche Abgeordnete liegt mir aber
sowieso der Nahverkehr am Herzen, so daß ich auf die Verwirklichung
des 3. Gleises zwischen Stelle und Lüneburg bzw. Uelzen setze. Im
Moment regt sich bekanntermaßen massiver Widerstand der Bewohner
in den Orten, die von den drei untersuchten Trassenvarianten der
"Y-Trasse" betroffen sind. Nach Abschluß der Umweltverträglichkeitsprüfung
läuft derzeit das Raumordnungsverfahren, das voraussichtlich Anfang
2000 abgeschlossen sein wird. Das Planfeststellungsverfahren steht
noch aus, wird aber von der DB Netz AG durchgeführt werden. Selbst
wenn also nach Abschluß des derzeit laufenden Raumordnungsverfahrens
das anschließende Planfeststellungsverfahren durchgeführt und damit
die notwendige "Baureife" erreicht ist, heißt dies noch nicht, daß
die Finanzierung des Projekts geklärt ist. Bekanntermaßen ist der
derzeit bis 2012 gültige BVWP mit rund 80 Milliarde DM unterfinanziert.
Dies bedeutet, daß auch viele baureife Verkehrsprojekte keine Chance
auf Finanzierung und damit Realisierung haben.
Fazit: Ich hoffe deshalb, daß zumindest der
Bau der B 75 neu - Ortsumgehung Dibbersen sowie auch das 3. Gleis
noch im Investitionsprogramm Berücksichtigung finden können, und
werde mich weiter für diese Verkehrsprojekte der Region engagieren.