"Es ist unerträglich, mit welcher Unverfrorenheit
der CDU-Bundestagsabgeordnete Kurt-Dieter Grill in Sachen "3. Gleis"
eine Melange aus Lügen und Halbwahrheiten verbreitet. Grill ist
seit 1974 Landtags- und seit 1994 Bundestagsabgeordneter und kennt
anscheinend dennoch nicht einmal die gesetzlichen Zuständigkeiten
und die einfachsten Zusammenhänge in der Verkehrspolitik." , merkt
die SPD-Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn zu den absurden Verdrehungen
von Grill an.
Grill hatte jüngst behauptet, allein das Land Niedersachsen
habe für die Bereitstellung des Geldes für den Bau des 3. Gleises
zwischen Stelle und Lüneburg zu sorgen. Nach Artikel 87 e des Grundgesetzes
ist aber der Ausbau und der Erhalt des Schienennetzes der Eisenbahnen
des Bundes eine Bundesaufgabe, die er entweder selbst oder durch
die in seinem Eigentum stehenden Wirtschaftsunternehmen in privat-rechtlicher
Form wahrnimmt. Völlig falsch ist also das uninformierte Gerede
Grills von der "Bereitstellung des Schienenweges durch das Land".
Es handelt sich beim 3. Gleis nicht, wie von Grill
behauptet, ausschließlich um ein Projekt des Schienengebundenen
Nahverkehrs. Vielmehr dient das Projekt in erster Linie dem Fernverkehr
und erst in zweiter Linie einer Verbesserung des Nahverkehrs.
Es erscheint geradezu so, als wenn Grill das Projekt
sabotieren wolle. Alle SPD-Abgeordneten und Mandatsträger auf Kreis-,
Landes- und Bundesebene bleiben am Ball und setzen sich weiter für
das 3. Gleis ein.
Erforderlich für eine Verwirklichung des 3. Gleises
sind:
- Absicherung des Projekts im fortgeschriebenen Bundesverkehrswegeplan
als "Vordringlicher Bedarf"
- Berücksichtigung im Bundesschienenwegeausbaugesetz und dem
zugehörigen Bedarfsplan
- Aufnahme in den aktuellen oder in einen neuen Mehrjahresplan
(noch gilt der Fünfjahresplan 1998 bis 2002)
- Sicherstellung der Finanzierung durch Bund und Land sowie
- ein positives Votum der DB AG / DB Netz AG zur Wirtschaftlichkeit
der Strecke.
Lange Zeit wurde das Verkehrsprojekt von der Kohl-Regierung
vernachlässigt. Entgegen Falschinformationen Grills seit 1992 nicht
im Bundesverkehrswegeplan enthalten. Derzeit wird der Bundesverkehrswegeplan
gründlich überprüft, und das 3. Gleis soll aufgrund der Bemühungen
der Landesregierung, des Kreises und mir darin enthalten sein.
Die alte CDU/CSU/FDP-Bundesregierung hat einen
BVWP mit einem riesigen Finanzierungsloch hinterlassen: Im BVWP
sind für rund 90 Milliarden DM Projekte enthalten, die in keiner
Weise finanziert sind. Viele Luftschlösser wurden gebaut, viele
Planungen angeschoben, die nun hinfällig und nicht finanzierbar
sind.
Erst 1999 wurde mit der Umweltverträglichkeitsprüfung
für das 3. Gleis begonnen. Die sogenannte "Baureife" ist erst gegeben
nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung, ggf. einem Raumordnungsverfahren
und dem anschließenden Planfeststellungsverfahren. Wegen der fehlenden
Baureife und wegen des riesigen Überhangs an anderen baureifen Projekten
ist das 3. Gleis nicht im Entwurf eines Investitionsprogramms 1999
- 2002 enthalten. Die maroden Staatsfinanzen lassen derzeit kaum
eine andere Wahl, als das fortzuschreiben, was schon in der Vergangenheit
vorgesehen war und schon in Angriff genommen ist. Aufgrund der Versäumnisse
von CDU/CSU zählt das 3. Gleis leider nicht zu diesen baureifen
Verkehrsprojekten.
Im typischen Grill-Stil verleumderisch ist auch
die Behauptung, 80 bis 90 Prozent der Mittel für den ÖPNV / SPNV
würden in den Ausbau der Stadtbahn Braunschweig fließen. Ein Vertrag
über den Bau der Regionalstadtbahn Braunschweig ist bisher noch
nicht geschlossen. Eine Finanzierung dieses Projekts über das Bundesprogramm
des Gemein-deverkehrsfinanzierungsgesetzes ist zwar erwogen worden,
hierbei handelt es sich aber um Bundes- und nicht um Landesmittel.
Die dem Land Niedersachsen zur Verfügung stehenden Regionalisierungsmittel
fließen zu einem sehr großen Teil in die Bestellung des Schienengebundenen
Personennahverkehrs und darüber hinaus in Infrastrukturprojekte
(z.B. Anschaffung neuer Doppelstockwagen), nicht aber in die Schienenwege.