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Pressemitteilung 38/1999
Donnerstag, 30. Dezember 1999
 
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Auswärtige Kulturpolitik für das 21. Jahrhundert
Experten und Künstler debattieren über das Bild Deutschlands im Ausland

Die Bundestagsfraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen haben am 29.11.1999 in einer Anhörung zur Auswärtigen Kulturpolitik die zukünftige Rolle der "Dritten Säule" der Außenpolitik diskutiert. Die Anhörung wurde von der kulturpolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, Monika Griefahn und von Rita Griesshaber, in der Fraktion der Grünen für Auswärtige Kulturpolitik zuständig, geleitet und moderiert.

In der prominent besetzten Veranstaltung äußerten sich u.a. Barbara Sukowa, Klaus Staeck, Jorge Semprun, Freimut Duve, Vertreter der Mittlerorganisationen, der Industrie und aus der Wissenschaft zum vielfältigen Erscheinungsbild deutscher Kultur und Kulturpolitik im Ausland.

Außenminister Joschka Fischer forderte auf der Veranstaltung eine Erneuerung der Außendarstellung Deutschlands. Sowohl Fischer als auch die Mehrzahl der anwesenden Experten und Künstler forderten eine Orientierung der Auswärtigen Kulturpolitik an Demokratieförderung und Beachtung der Menschenrechte. Houschang Golschiri, Schriftsteller aus dem Iran, plädierte für eine stärkere gemeinsame europäische Kulturpolitik, die es Systemen wie dem Iran schwieriger mache, einzelne Künstler und Intellektuelle zu drangsalieren. Barbara Sukowa beschrieb die Stellung deutscher Künstler im Ausland, die immer noch und immer wieder mit der deutschen Vergangenheit belastet sei und hielt ein Plädoyer für eine zunächst zu erfolgende "Selbstfindung" der deutschen Kultur. Klaus Staeck forderte einen stärkeren Austausch der Künstler, von Matthias Kleinert (DaimlerChrysler) kam der Vorschlag, dass Künstler, Politiker und die Wirtschaft zusammen neue Konzepte für die Auswärtige Kulturpolitik entwickeln sollten.

Offenheit gegenüber anderen Kulturen, das gegenseitige Verstehenlernen und die Förderung von Dialogstrukturen sowie das Vorantreiben einer europäischen Kulturpolitik fasste Monika Griefahn als die Kernpunkte zukünftiger auswärtiger Kulturpolitik zusammen:

"Nur wenn wir lernen, den anderen zu verstehen, kann Auswärtige Kulturpolitik auch als Konfliktprävention gestaltet werden. Dies muss ein Schwerpunkt der internationalen Kulturbeziehungen werden. Wir werden dabei aber nicht Werte wie Demokratisierung und die Beachtung der Menschenrechte preisgeben", sagte Griefahn am Rande der Anhörung.

Rita Griesshaber betonte ebenfalls die Wichtigkeit des Dialogs in der Gestaltung der Auswärtigen Kulturpolitik. Ausgangspunkt für die Formulierung zukünftiger Konzepte und den Dialog ist für sie die Unantastbarkeit der Menschenwürde, wie sie in Artikel 1 GG festgelegt ist. "Auswärtige Kulturpolitik vermittelt ein Bild von Deutschland im Ausland. Wir müssen aufpassen, dass diese Arbeit nicht durch die teilweise unwürdige Diskussion um die Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter desavouiert wird", ergänzte Griesshaber.

Die gemeinsame Veranstaltung von Grünen und SPD erwies sich durch die gelungene Mischung von Experten der Mittlerorganisationen, ausländischen Schriftstellern und im Ausland lebenden deutschen Künstlern als äußerst lebhafte Diskussion, in der teils kontroverse Positionen vertreten wurden. Ein Ziel der Anhörung war es, einen Eindruck davon zu bekommen, wie Deutschland im Ausland wahrgenommen wird. Durch die vielen verschiedenen Beiträge ist dies gelungen und die Basis für einen neuen Diskussionsprozess über Auswärtige Kulturpolitik und ihre Aufgaben gelegt worden.

 
Diese Pressemitteilung finden Sie auf: www.monika-griefahn.de