Nach der Zerstörung
der Buddha-Statuen: Vorsitzende des Kulturausschusses bereitet Resolution
für internationale Parlamentarierkonferenz vor
Berlin. Die Vorsitzende des Bundestagsausschusses
für Kultur und Medien, Monika Griefahn, wird auf der Anfang April
stattfindenden Konferenz der Interparlamentarischen Union in Havanna
auch die Situation in Aghanistan thematisieren. "Die entgegen allen
Appellen vollzogene Zerstörung der kulturhistorisch einmaligen Buddhastatuen
durch Kräfte der Taliban bedeutet einen unwiederbringlichen Verlust
für die gesamte Menschheit", erklärte die SPD-Politikerin. "Wir
dürfen jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen, sondern müssen die
Situation in Afghanistan auf allen politischen Ebene ansprechen."
Dabei dürfe es nicht allein um die Zerstörung der Buddha-Statuen,
sondern müsse es auch um die Menschenrechtssituation in Afghanistan
gehen. Die Menschenrechte, insbesondere die elementarsten Rechte
der Frauen und Mädchen, würden durch die Taliban anhaltend und eklatant
verletzt.
Die Interparlamentarische Union
(IPU) ist die Weltorganisation der nationalen Parlamente. Sie wurde
bereits 1889 gegründet und ist damit eine der ältesten internationalen
Organisationen. Sie gilt als zentrale Plattform für den internationalen
und interkulturellen Dialog zwischen Parlamentariern. Ziel der Organisation
sind der Frieden und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern und
die nachhaltige Stärkung repräsentativer Demokratien. In den vergangenen
Jahren hat sich die IPU insbesondere darum bemüht, die Aktivitäten
internationaler Organisationen, die im Zuge der Globalisierung immer
mehr an Bedeutung gewinnen, parlamentarisch zu begleiten.
Monika Griefahn hatte bereits auf
einer IPU-Konferenz im Jahr 2000 die Position des Deutschen Bundestages
zu Fragen des interkulturellen Dialogs vertreten. Dabei wurde der
Entwurf der deutschen Delegation zur Grundlage der von der Vollversammlung
verabschiedeten Resolution gemacht. Griefahn konnte sich in den
Verhandlungen gegen iranischen Widerstand mit der Position durchsetzen,
dass die Achtung und Wahrung der Menschenrechte eine unabdingbare
Voraussetzung für einen Dialog zwischen den Kulturen ist und der
Dialog nicht angeführt werden darf, um diskriminierende Gesetze
und Praktiken zu rechtfertigen und die Menschenrechte weniger sorgfältig
zu beachten. Auf der IPU-Konferenz in Havanna vertritt sie den Deutschen
Bundestag bei der Diskussion um die Bedeutung von Bildung und Kultur
für die demokratische und wirtschaftliche Entwicklung.
Frau Griefahn will zudem auf einen
Beschluss drängen, der die Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan
und die Zerstörungen der Buddha-Statuen eindeutig verurteilt. Ein
entsprechender Resolutionsentwurf ist von ihr vorbereitet worden.
Griefahn hofft dabei auch auf die Unterstützung der IPU-Delegationen
aus Staaten der islamischen Welt. Der von Griefahn geleitete Bundestagsausschuss
für Kultur und Medien hatte auf seiner jüngsten Sitzung die Bundesregierung
aufgefordert, bei der im März und April stattfindenden 57. Tagung
der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf eine
ebenso deutliche Position zur Situation in Afghanistan zu vertreten.